Splitter aus der Redaktion

Und vom Übrigen auch dies und das Urs Widmer war krank – er sagte es am Telephon, als wir um ein Interview baten. Nun ist er tot. Glauben wir es? Nicht wirklich. Zu oft hat er uns Lesern in Geschichten den Abschied beigebracht – von Träumen, von Geliebten und vom Leben selbst. Er hinterlässt uns […]

Und vom Übrigen auch dies und das

Urs Widmer war krank – er sagte es am Telephon, als wir um ein Interview baten. Nun ist er tot. Glauben wir es? Nicht wirklich. Zu oft hat er uns Lesern in Geschichten den Abschied beigebracht – von Träumen, von Geliebten und vom Leben selbst. Er hinterlässt uns viel, wovon wir besonders empfehlen: «Über das Arschlochtum einiger Helden Vladimir Nabokovs», in: Schreibhefte 34 (1989).

«Man erkennt sie übrigens daran, jene Autoren, die einen gewählt haben oder man sie, dass man ganz wirklich und ohne jedes Gefühl einer Pflicht alles von ihnen zu lesen versucht, auch das Nebensächlichste. Wir lieben ihre Stimme, egal beinah, was diese sagt.» (SJ)


Das pralle Leben

Ist es real? Oder surreal? Wohl beides – und darum wahr: Konrad Hummler, Unternehmer, Ex-Bankier (nicht -Banker!), Publizist mit spitzer Feder, Hayekianer, Philanthrop, Bach-Fan, Freund und Förderer dieses Magazins, zählt zusammen mit Noam Chomsky und der Schwester des Dalai Lama zu den diesjährigen Trägern des Myschkin-Preises. Myschkin ist der Titelheld von Dostojewskis Opus magnum «Der Idiot». Verliehen wird der Ethikpreis unter anderen von Peter Sloterdijk und Peter Weibel. Und wer hält die Laudatio auf Konrad Hummler? Frank A. Meyer, Bankenkritiker von Gottes Gnaden und Vordenker von Ringier! Wird das eine offizielle Heiligsprechung? Wir sind gespannt. Die Preisverleihung geht am 29. Mai in Leipzig über die Bühne. (RS)


Milch und Wein

Dass sich in unserem Land Butterberge türmen und Milchseen ausbreiten, wussten wir. Von Käsetälern aber hatten wir keine Kenntnis, bis wir uns kürzlich in einem fanden: Eine nüchterne Bestandsaufnahme am Tag nach unserem Abend der offenen Tür stellte uns vor gefühlte 4 Kilo Hart-, Weich-, Schaf-, Schimmel- und Ziegenkäse – sowie gezählte 37 leere Flaschen Weiss- und Rotwein. Wobei die Präferenz für die Traube weniger über die Qualität des Käses als über jene unserer Gäste aussagt: Da schon Denis Diderots Encyclopédie festhielt, dass Milchprodukte die Menschen faul, dumm und grimmig machen, Wein aber die Vitalität befördert, ist das Verhalten unserer Leser nur als kluge Wahl zu werten. (CM)


Vollschnaps!

 

Der süsse Duft von Alkohol schlägt mir entgegen, als ich an meinem ersten Praktikumstag die Redaktionsräume des «Monats» betrete. Beim Rundgang durch die Räume identifiziere ich die Geruchsquelle: Stapel leerer Weinflaschen zeugen von einer grossen Party. Das war sie anscheinend auch. Die Redaktion hat am Vorabend ihre Türen für Leser und Interessierte geöffnet. Und die Leute kamen. Obwohl die Gesichter meiner neuen Kollegen am Morgen nach der Feier gezeichnet sind, gibt es keine Anzeichen von Durchhängen. «Vollgas!» und «Vollcurry!» lautet das Motto. Der Praktikant würde dem noch hinzufügen: Vollschnaps! (AR)


Ausserirdisch

 

Liam Gallagher, der Ex-Frontmann der britischen Rockband «Oasis», glaubt an Aliens. Denn diese, so der mit einem gesunden Ego gesegnete Musiker, seien ja nur deshalb bisher nicht auf unserem Planeten gelandet, weil seine (über)irdische Präsenz sie schon von ferne völlig verunsichere. Seit einigen Wochen trage ich die Handynummer von Erich von Däniken mit mir herum, um ihn um Insiderinfor­mationen in dieser Sache zu bitten. Diverse Telephonate nach Hause hielten mich aber bisher vom ersten Kontakt ab. Bleibe dran. (MW)

 


«Bewusstsein ist eine PR-Aktion des Gehirns, damit Sie denken, Sie hätten auch noch was zu sagen», spottet Hirnforscher Allan Snyder auf 3sat. Das riecht nach Überführung jener marxistischen Einbahnstrasse, wonach das Sein das Bewusstsein bestimmt bzw. so sehr beutelt, dass selbiges nur mehr als Geisterfahrer eine ganze Gesellschaft havarieren kann.

 

Aus einer E-Mail unseres hochgeschätzten Korrektors Roger Gaston Sutter an die Redaktion. (FR)

 


Flying Circus

 

Stehlunch, kaltes Buffet und Apéro riche adieu – wer heute etwas auf sich hält, gibt ein Flying Dinner. Als lockeres Konzept zur smalltalktauglichen Nahrungsaufnahme erdacht, läuft das rasende Essen Gefahr, gesellschaftliche Grabenkämpfe zu beflügeln und in den ewiggleichen Mündern zu landen: Wenn, wie jüngst im Hof einer schicken Tessiner Rentnerresidenz, die Pinguine, die die Häppchen ausliefern, weit weniger behend sind als die Schwärme erlauchter Literaten und Journalisten, die sich auf sie stürzen, bleibt hungrig zurück, wer nicht im gesättigten Knäuel vor der Küchenpforte lauert. Viel Frisches ist freilich auch dort nicht zu erwarten. (CM)

 


Käferberg retour

 

Der «Monat» ist in einem Haus der Gesundheit beheimatet. Im obersten Stock wirkt eine Gruppenpraxis von Ärzten. Unter uns bietet ein Therapie- und Trainingscenter seine Dienste an (die dort angebotenen Massagen sind empfehlenswert). Und auf dem Parterre sorgt die Spitex für das Wohl in höherem Alter. Ein gesundes Umfeld hält fit. Und von ETH-Physiker Didier Sornette haben wir gelernt, dass sportliches Training ohnehin die intellektuelle Leistungsfähigkeit steigert. Deshalb rennt nun eine Gruppe von Redaktoren und Bürokollegen während der Mittagspause regelmässig den Zürcher Käferberg hinauf. Inwiefern sich dies auf die Frische des Produkts auswirkt, müssen unsere Leser beurteilen. (FR)

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»