Sofa, Schublade, Teller, neu designt

Das schweizerische Design hat ein besonderes Renommee, das nicht zuletzt von der Zürcher Hochschule für Gestaltung ausgeht, die inzwischen in der Zürcher Hochschule der Künste aufgegangen ist. Zu ihren Absolventen gehört auch der Designer Alfredo Häberli: 1964 in Buenos Aires geboren, 1977 mit der Familie in die Schweiz gekommen, hatte er zuerst eine Lehre als Hochbauzeichner gemacht, ehe er zum Industriedesigner ausgebildet wurde. Darüber hinaus haben die Arbeit in der Produktentwicklung in den USA und in Deutschland wie auch Erfahrungen als Ausstellungsmacher seinen praktischen Sinn ebenso wie sein ästhetisches Empfinden geprägt. Schon die Schubladenelemente «Zehn Hoch» von 1997 oder sein Sofa «Zurigo» von 1999 waren in ihrer Einfachheit von einer Eleganz, die für Häberlis Entwürfe charakteristisch blieb – charakteristisch wurden auch die Anlehnung an das Bauhaus oder Zitate aus dem Repertoire der klassischen Moderne. Dafür ist das Regalsystem «SEC» von 1997 symptomatisch, das in seiner geometrischen Klarheit und in der Symmetrie der farblichen Fronten wie ein Bild von Mondrian wirkt. Das Regal wurde von der italienischen Firma Alias produziert und dem italienischen Design zugerechnet – so wie seinerzeit das Tafelservice «Origo» von 2000 dem finnischen Design zugerechnet wurde: die buntgestreiften Teller und Schüsseln, die Häberli für die Firma Iittala entwarf, entsprachen in ihrer schlichten und praktischen Form dem traditionellen finnischen Design und leiteten zugleich dessen Erneuerung ein. «Origo» ist inzwischen ein Verkaufsschlager. Auch unter den Installationen, die in «Design Live» dokumentiert sind, tauchen die Origo-Schüsseln mehrmals auf: sie scheinen unter Blumen zu verschwinden, suggerieren ein Spiel zwischen dem Objekt und seiner Abbildung oder sind Teil eines farblich assortierten Arrangements. So zeigen die Inszenierungen in diesem Band Häberlis Objekte in ungewohntem und ungewöhnlichem Ambiente und führen die Wirkungsdynamik zwischen Form und Funktion vor. Die Qualität der Abbildungen, der Typographie und der Gestaltung machen den Band, der dem Werk Häberlis gewidmet ist, selbst zu einem Designobjekt.

vorgestellt von Stefana Sabin, Frankfurt a. M.

Alfredo Häberli: «Design Live». Basel: Birkhäuser, 2007.

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»