«So here we are again!»

Er sitzt in einer trostlosen Umkleidekabine der Eishalle Wetzikon. Seine martialisch beringten Finger umschliessen einen Plastikbecher mit Limonade. Ein Anblick, der ungewohnter nicht sein könnte. Doch Jack & Coke, sein Lieblingsgetränk, hat ihm der Arzt untersagt. Lemmy Kilmister, 68 Jahre alt, Gründer, Sänger und Bassist der Kultband Motörhead und die Personifikation des Rock’n’Roll schlechthin, ist angeschlagen. Doch er macht weiter. Weil er schon vor langer Zeit gesagt hat: «Ich will auf der Bühne sterben.» Nun ist er also zurück. In Wetzikon. Und wirkt frischer als gedacht.

«So here we are again!»
Lemmy Kilmister, photographiert von Pep Bonet / Noor / Keystone.

Lemmy, unser Gespräch wird im «Schweizer Monat» erscheinen. Da kommen normalerweise vor allem Politiker, Ökonomen, Künstler und Nobelpreisträger zu Wort. Also habe ich vorgeschlagen: Lasst uns doch mal etwas Relevantes machen!

Nobelpreisträger, aha. Hat Alfred Nobel nicht das Dynamit erfunden? Dazu könnten wir mit Motörhead auch etwas beitragen. Und Politiker, ja? Sie kommen aus Deutschland, richtig? In irgendeiner deutschen Fernsehshow habe ich mal Ihren Umweltminister getroffen und ihm angeboten, ein Konzert von uns zu besuchen, um zu erleben, was Atomkraft wirklich bedeutet. Er schien nicht gerade begeistert.1

Na ja, die Fortbildung wäre ohnehin für die Katz gewesen, in der Zwischenzeit ist er geschasst worden. Aber nun erst mal die naheliegendste Frage: Wie geht es Ihnen?

Ich bin immer noch dabei, mich zu erholen. Im letzten Jahr war ich dreimal im Krankenhaus, wurde operiert. Aber ich bin zurück, es geht mir besser. Es dauert eben eine Weile.

Die Reaktionen der Fans, aber nicht nur der Fans, auf Ihre Krankheit waren beachtlich.

Man hat mir viel Mut gemacht. Niemand hat sich beschwert, dass wir Tourneen absagen mussten, niemand hat geklagt: Aber ich habe doch schon 50 Dollar für das Ticket bezahlt! Stattdessen war der Tenor: erhole dich erst mal, wir werden warten.

In den 1980er Jahren krönte man Motörhead zur «besten schlechtesten Band» der Welt, schob sie in die Trash-Ecke ab. Heute sind Motörhead fast schon Kulturgut.

Kürzlich habe ich sogar den John Entwistle Award als «bester Bassist» gewonnen, so fuck them! Aber leider bin ich mittlerweile verdammt noch mal zu alt für all die Anerkennung. Natürlich ist es grossartig, wer könnte schon ernsthaft behaupten, Anerkennung sei schlecht. Nur kann ich sie eben nicht mehr so geniessen, wie ich sie früher genossen hätte. Wenn ich mir vorstelle, wie viele Frauen2 ich heute abbekommen könnte!

Das könnten Sie zumindest theoretisch immer noch: Es wimmelt doch auf der ganzen Welt mittlerweile von Leuten, die Motörhead lieben.

Ja, plötzlich trägt jeder ein Motörhead-T-Shirt! (überlegt) Ist mir aber völlig egal. Gute Werbung für uns. Und wenn sie erst mal ein T-Shirt haben, wer weiss, vielleicht kaufen sie dann auch irgendwann ein Album. Denn das tun leider die wenigsten: Man kennt uns, aber nicht unsere Musik. Mittlerweile kommen ja auch viele Fünfzehnjährige zu unseren Shows. Nun sind es also drei Generationen! Mein Gott, wir sind ein Massenphänomen!

Stört Sie der Kult um Ihre Band etwa?

Manchmal geht er mir zu weit. Im Dokumentarfilm «Lemmy» sagt Lars Ulrich3, der Name «Lemmy» sollte ein Verb werden – to lemmy. Das ist Blödsinn. Irgendwo muss Schluss sein mit der Verehrung. Andererseits beschwere ich mich nicht. Ich meine, wenn du versucht hast, berühmt zu werden – dann heul nicht rum, wenn du es endlich bist!

Die Bewunderung, die man Ihnen entgegenbringt, hat auch etwas Masochistisches an sich. Sie verkörpern Jugendträume, die für die
wenigsten in Erfüllung gegangen sind.

Gut möglich. (überlegt)

Sogar Intellektuelle zeigen nun reges Interesse an Motörhead. Man rückt Sie in den Kontext der Post-Originalität, zieht Parallelen zu Nietzsches ewiger Wiederkehr. Wie fühlt sich das an? Sie selbst sind nicht gerade ein Intellektuellenfreund.

Oh ja, damit haben die Schreiberlinge wieder etwas, das sie «diskutieren» und «analysieren» können! Ich sage dir was: Je mehr du etwas analysierst, desto weniger Leben hat es. Du tötest die Freude an der Sache. Und am Ende geht es nur um cold semantics. Schwachsinn! Man darf den Rock’n’Roll nicht analysieren. Er ist nichts anderes als pures Vergnügen. Oder zumindest sollte er das sein. Man sollte nicht fragen: Wie kommt dieses Vergnügen zustande? Oder: Warum gibt es dieses Vergnügen? Es ist ganz einfach da. Tanz oder verpiss dich! Schlimmer als Journalisten sind sie, diese «Intellektuellen». (lacht)

Intellektuelle, Journalisten… langsam frage ich mich, warum Sie mich überhaupt in diesen Raum gelassen haben.

Zum Beispiel, weil Sie überhaupt gekommen sind! (lacht) Manche Journalisten, die über uns schreiben, besuchen nicht mal unsere Konzerte. Ich erinnere mich an einen Typen in London, ist schon eine ganze Weile her, der eine negative Konzertkritik schrieb. Darin nannte er zwei Songs, die wir an dem Abend nicht mal gespielt hatten!

Immerhin – er war einigermassen erfinderisch!

Ich war auch erfinderisch: Ich habe ihn an der Kehle gepackt, an die Wand gedrückt und gesagt: Wenn du schon beschissene Artikel schreibst und dafür bezahlt wirst, kannst du dir zumindest die verfluchte Show ansehen! Aber das ist nur symptomatisch für die Massenmedien.

Das müssen Sie erklären.

Na, es macht mir ja eigentlich nichts aus, mit den Presseleuten zu reden. Aber leider sind ihre Fragen meist einfältig und nervtötend: Wie haben Motörhead eigentlich angefangen? Haben Sie tatsächlich so viele Drogen genommen? Woher haben Sie den Hut? Man hört, Sie sind nach Los Angeles umgezogen? Ja, gottverdammt, vor über 20 Jahren! Es ist doch wirklich kein Problem, die Fakten über mich nachzuschlagen. Ich habe ein Buch geschrieben, da steht alles drin, und dann gibt es noch dieses Internet, schon gehört? Tja, aber die Leute mögen nun mal Interviews, kann man nichts machen. Sie wollen auf dem laufenden sein, was ihre Lieblinge anbelangt. So here we are again.

Mich hat erstaunt, dass Ihnen jüngst sogar Sympathien von feministischer Seite entgegengebracht wurden. Dabei haben Sie den Feminismus wiederholt kritisiert. Die Punkband Half Girl schrieb 2013 den Song «Lemmy, I’m a Feminist», in dem es halb ironisch, halb ernsthaft heisst: «Lemmy, I’m a feminist but I love you all the way / I love the way you dress and shave and I love the way you play.» Sie haben die Sängerin daraufhin eingeladen und es kam zu einem Treffen. Wie verlief es?

Ja, wir haben uns getroffen – aber die Dame hatte dann nicht viel zu sagen. Und: ich habe gar kein Problem mit dem Feminismus, solange er den gesungen Menschenverstand nicht überstrapaziert, wie es in den USA der Fall ist. Da hat kürzlich jemand gefordert, Kontrollschächte auf der Strasse nicht länger «man hole», sondern «person hole» zu nennen. Das ist doch verrückt! Ich habe zuhause den «Sexual Dictionary» rumstehen. Da gibt es Einträge über den Feminismus, da drehst du durch. Zum Beispiel: Wenn ein Mann nett zu dir ist, ist er nicht wirklich nett, er vergewaltigt dich mit seinen Augen. Oder wie wäre es mit der «In-vitro-Vergewaltigung»? Das bedeutet, eine Eizelle zu befruchten, ohne sie vorher um Einverständnis gebeten zu haben. Wunderbar, oder?

Es scheint, als seien Politikerinnen und Politiker die letzten, die weiterhin einen Bogen um Sie machen. Sind sie womöglich die einzigen, die klar sehen, dass Motörhead eben doch eine Gefahr für die Jugend und der Auslöser zum Untergang der westlichen Zivilisation sind?Und nicht etwa, wie manche es sich zu wünschen scheinen, ein weiteres Mosaiksteinchen in einer domestizierten Kulturszene?

Oh, selbst das hat sich geändert. Vor einiger Zeit hat man mich eingeladen, vor dem Waliser Parlament zu sprechen. Jemand von denen hatte wohl mitbekommen, dass ich gegen Heroin bin. Also glaubten sie, ich sei gegen Drogen im allgemeinen. (lacht) Dabei halte ich bloss nichts von Heroin. Wie dem auch sei, ich bin also vor diesen Deppen aufgetreten. Und man fragte mich: Was halten Sie von Heroin, Lemmy? Und ich sagte: Ihr solltet es legalisieren! Menschen sterben in diesem Moment an Überdosen – oder müssen ein Leben als Verbrecher führen, um an den Stoff zu kommen. Wenn Heroin legal und auf Rezept erhältlich wäre, könnte man die Qualität steigern und es sogar besteuern – würde also noch Geld damit machen. Legalisiert doch den Scheiss! Wer es konsumieren will, wird es ohnehin tun. Die Leute finden immer einen Weg, es zu bekommen, und irgendwer wird es immer verkaufen. Ich hasse das verfluchte Zeug. Aber die Realität ist doch, dass es nicht totzukriegen ist.

Ganz und gar nicht, es erlebt sogar eine Renaissance: Erst vor kurzem ist der Schauspieler Philip Seymour Hoffman an einer Überdosis  Heroin gestorben.

Armes Schwein.

Gerade in den USA gibt es aber durchaus auch Ansätze zur Legalisierung von Drogen, zumindest von weichen. Arnold Schwarzenegger hat als Gouverneur Ihrer Wahlheimat Kalifornien Marihuana in kleinen Mengen legalisiert…

…abgesehen davon war er aber kein guter Gouverneur. Kalifornien scheint überhaupt kein Glück mit Gouverneuren zu haben: Wenn sie abtreten, ist der Schuldenberg immer grösser als bei ihrem Antritt.

Vielleicht sollten Sie in die Politik gehen?

Ganz sicher nicht. Ich hasse Politiker. Egal, welche Partei an der Macht ist, sie vermasselt es. Ausserdem lebe ich zwar in Los Angeles, habe aber immer noch den britischen Pass. Ich glaube auch nicht, dass die Amerikaner Typen wie mich einbürgern wollen. Aber Pech für sie, sie haben mich trotzdem an der Backe – als Nachbar.

Wenn nun aber die Politik ein Faible für Motörhead entwickeln sollte – was dann? Wenn etwa die wendige Angela Merkel nicht nur auf den Atomausstiegszug, sondern auch auf den Lemmy-is-God-Zug aufspringen würde?

Das würde uns umbringen. Umbringen! Aber keine Sorge, Politiker mögen in Wirklichkeit nur sich selbst. Und überhaupt, Angela Merkel – ich höre immer, das sei so eine Erfolgsgeschichte. Ist es überhaupt nicht. Sie hockt nur rum und schiebt andere Typen vor, die den Kopf herhalten müssen, wenn etwas nicht klappt. Was soll daran so clever sein? Aber in England ist das Desaster noch viel grösser. Einer ist schlimmer als der andere. Ich habe damals vor Tony Blair gewarnt: Wenn einer so viel grinst wie der, dann stimmt etwas nicht mit ihm. Und ich hatte recht, siehe Irakkrieg. Der einzige, der Blair nicht mochte, war Robert Mugabe – aber der war und ist immer noch schlimmer als Blair! Hoffen wir also, dass es der alte Bastard nicht mehr lange macht.

Sie sind und bleiben ein hartnäckiger Pessimist, was Politik anbelangt. Herr Kilmister, wo bleibt das Positive? Gibt es keine Hoffnung, keinen Ausweg aus der Misere?

(lacht abschätzig) Wenn Sie Optimist sind, dann werden Sie das nicht mehr lange sein. Schauen Sie doch nur, was wir angerichtet haben. Wir haben die eine Hälfte der Welt zerstört und nun sind wir dabei, die andere zu zerstören. Wir killen die Meere, Teile davon sind bereits verödet. Jede freie Fläche übergiessen wir mit Beton. Wir haben’s verbockt, Mann. Wir haben die falsche Abzweigung genommen. Eigentlich ist die Erde ja ein ganz netter Ort, um darauf zu leben. Wir aber sind nichts weiter als eine Seuche auf ihrer Oberfläche. Je schneller wir verschwinden, desto besser für die Erde.

Ihr Kollege Henry Rollins meinte einmal, die Menschheit sei nicht auszurotten. Sie passe sich noch an die widrigsten Umstände an, beispielsweise an das Leben in Ghettos.

Nein, da liegt er falsch. Es gibt immer mehr Krankheitserreger, die gegen unsere Heilmittel immun werden. Man entwickelt zwar Medikamente, aber Viren mutieren, verändern sich ständig. Denken Sie nur an Aids. Irgendwann werden unsere Experten für chemische Kriegsführung etwas heranzüchten, das aus dem Labor entwischt. Und das war’s dann. Natürlich wird das zufälligerweise in Afrika passieren, das in Wahrheit doch allen am Arsch vorbeigeht. Ich kriege Zustände, wenn ich all die TV-Spots mit Spendenaufrufen sehe – verhungernde Kinder voller Parasiten, die verseuchtes Wasser trinken…

Was würden Sie machen, wenn Sie die Macht hätten? Was würden Sie ändern?

Nichts, denn es ist schon viel zu spät. Und irgendwann schmeisst sowieso ein Irrer eine Atombombe ab und ein anderer Irrer wirft eine zurück. Ende.

Einerseits sind Sie überzeugter Apokalyptiker, andererseits sind viele Songs von Motörhead ziemlich aufbauend und optimistisch. Sie singen Zeilen wie: «My life has been alright» oder «I love the way I live, runnin’ round the world». Damit unterscheiden Sie sich von der schlecht gelaunten Metal-Posse.

Na ja, da wir alle bald draufgehen werden, können wir die verbleibende Zeit ja noch ein bisschen geniessen, oder? Aber es stimmt schon, im Gegensatz zu anderen Bands haben wir Humor. Wir sind unterhaltsam. Deshalb ziehe ich übrigens Little Richard Gott vor. Er ist viel unterhaltsamer. Und er gibt bessere Zitate von sich, nicht nur so schicksalsschwangeres Zeug.

Dass auch Religion nicht Ihr Ding ist, ist ein Gemeinplatz. Aber sind Sie auch Atheist?

Ich bin Agnostiker. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, wenn ich mal abtrete. Und ich habe kein Bedürfnis, es schon zu Lebzeiten zu wissen.

Ihr Religionsbegriff ist aber durchaus ambivalent. Einerseits lehnen Sie alle Religionen ab. Andererseits heisst es im Song «Rock’n’Roll Music»: «Rock’n’Roll is the true religion.»

Na ja, eben weil sie dich nie hängen lässt. Gott hingegen lässt dich immer hängen. Gewöhnliche Religionen sind doch Unsinn. Sie versprechen dir, dass du in den Himmel kommst – ich kann mir aber keinen Pool-Tisch im Himmel vorstellen, das fällt also weg für mich. Dann schon lieber die Hölle: Wenn man in der Hausband spielt, ist das sicher kein schlechter Platz. Mal im Ernst: Fast alle Kriege und Massenmorde der Vergangenheit hatten mit Religionen zu tun. Und was waren Nationalsozialismus und Kommunismus? Nichts weiter als Ersatzreligionen! Also drauf geschissen. Es wird Zeit, dass wir dahin gelangen, unsere persönlichen Religionen zu erfinden, die dazu führen, dass wir uns besser fühlen. Und genau so eine Religion ist Rock’n’Roll.

Ihre Fans bringen Ihnen paradoxerweise eine nachgerade religiöse Verehrung entgegen. Das Internet ist voller Bilder, die Sie als Jesus, Gott oder Papst zeigen.

Wie bitte? Die glauben, ich sollte die ganze Zeit in der verfluchten Vatikanstadt herumhängen, mit ein paar Volltrotteln in albernen Verkleidungen? Was für eine Katastrophe. Eine fast so schlimme Vorstellung wie Schauspieler sein: Wenn Sie Schauspieler sind, müssen Sie die ganze Zeit mit Schauspielern abhängen. Eine totale Katastrophe.

Gibt es eigentlich Verbindungen zwischen Motörhead und der zeitgenössischen Kunst? Nachdem schon das Feuilleton Sie umgarnt hat, wäre das doch der nächste logische Schritt.

Nein, gibt es nicht. Motörhead und Kunst, das passt nicht zusammen.

Wieso nicht?

Die Kunstszene ist heuchlerisch. Eigentlich geht es auch da um Politik: Die Leute stehen rum, essen Wurst auf Spiesschen, trinken Schaumwein und schwadronieren über irgendetwas, von dem sie keine Ahnung haben. Das ist doch schrecklich! Auf BBC 1 gab es mal eine tolle Show, die hiess «Game for a Laugh», so eine Versteckte-Kamera-Geschichte. Einmal präsentierten sie in London einen fiktiven neuen Kunststar, der wieder mal die Kunstwelt revolutionieren sollte. An der Wand hingen Leinwände, über die ein paar Kids mit ihren Fahrrädern Farbe verschmiert und sonst was angerichtet hatten. Das Publikum und die Kritiker kamen also und inspizierten ein Gemälde mit vier Handabdrücken und ein paar Fahrradspuren. Und was sagt einer der Kunsttrottel? «Oh, ich glaube, der Künstler möchte uns sagen, dass die ausgestreckte Handinnenfläche bei den Indianern für den Frieden stand und dass wir von einer Zeit des Friedens in eine Zeit des Wahnsinns gelangt sind!» Und dann tritt jemand hinter dem Vorhang vor und sagt: «Game for a Laugh!» Ein goldener Moment der Kunstkritik.

Kunst also auch nicht, okay. Wie wäre es mit dem Fernsehen? Hat man Ihnen nicht mal eine Reality-TV-Show angeboten?

Ja, aber das habe ich abgelehnt. Diese Reality-Shows sind grauenhaft langweilig. Da sitzen doch tatsächlich Leute in ihren Häusern und schauen zu, wie andere Leute in ihren Häusern sitzen! Haben die nichts Besseres zu tun? Bis vor kurzem lebte ich noch alleine – das geht jetzt nicht mehr – und habe stundenlang Videospiele gespielt. Das wäre ohnehin viel zu langweilig gewesen für die Zuschauer.

Das kann ich mir nun kaum vorstellen.

Doch, doch, ich bin eigentlich ein sehr langweiliger Typ, ein Einzelgänger. Sogar wenn ich unter anderen bin, bin ich ganz alleine. In meinem Kopf, verstehen Sie? Und eigentlich sind das alle, egal, ob sie es wahrhaben wollen oder nicht: Man wird alleine geboren und man stirbt alleine.

 

1 Lemmy bezieht sich auf seinen Auftritt in der Talkshow «Lanz» von 2011,
in der auch der damalige deutsche Umweltminister Norbert Röttgen zu Gast war.
2 Im Original: «pussy»
3 Schlagzeuger der Band Metallica

 

Lesetips: 
Lemmy Kilmister mit Janiss Garza: White Line Fever – die Autobiographie (Heyne, 2004). 
Jake Brown with Lemmy Kilmister: Motörhead: In the Studio (John Blake, 2010).
Neuerscheinung:
Aftershock (Tour Edition). Rykodisc (Warner): 2014.