Singende Eisen, Spangen und Gleise. Vier dichtende Maultrommler und maultrommelnde Dichter»

Fault nicht, klebt nicht, riecht nicht, nässt nicht

«Singende Eisen, Spangen und Gleise» nennt sich das Programm, das seit Jahren vier illustre Musiker und Autoren auf der Bühne zusammenführt. Anton Bruhin, Bodo Hell, Michel Mettler und Peter Weber geben gemeinsam ein mixtum compositum zum Besten, das nun auch auf CD vorliegt. Im ausgewogenen Wechselspiel von Lesung und Spiel, von Solos und chorischen Passagen ergänzen sich dabei mächtige Worte und brummende Maultrommelklänge zu einem Prospekt «sonorer Phänomene» (Michel Mettler).

Die Maultrommel, das Trümpy oder Brummeisen spielt eine Hauptrolle. Der Dichter und Künstler Anton Bruhin gilt für viele als innovativer Interpret des traditionellen Volksinstruments. Es ist erstaunlich, welche Vielfalt an Tönen und Harmonien er diesem zu entlocken vermag. Dazu trägt er – dem Instrument durchaus angemessen – vertrackte Palindrome vor, Spiegelgedichte, die in ihrer monotonen Reihung wie neuzeitliche Beschwörungen klingen: «Reite per Legehenne Hegel repetier».

Die Maultrommel färbt hörbar auf die Texte ab. Sei es in strenger Form, wie bei Anton Bruhin, oder bei Bodo Hell, dessen Obst-Gedicht mit seiner Refrainzeile «Obst im Papiersack fault nicht klebt nicht riecht nicht nässt nicht» präzis dem akzentuierenden Takt der begleitenden Maultrommel folgt; sei es als inhaltliches Motiv wie bei Michel Mettler und Peter Weber. Der Roman «Die Spange», woraus Mettler Auszüge liest, bettet die Maultrommel ein in eine virtuose erzählerische Reflexion, in der er das fiktive Bild einer Klang- und Spangenkultur entwirft. Prähistorische Kulturgeschichte und kindliches Spangen-Trauma amalgamieren wundersam. Und auch in Webers Büchern spielt die Maultrommel immer wieder eine klingende Rolle. «Die Maultrommel führt durch die aussersprachlichen Räume, die der Monotonus maximus gebläht hat», heisst es in «Die melodielosen Jahre». Auf der vorliegenden CD lässt sich Weber zu phantastischen Beobachtungen hinreissen, in denen sich Bahnschienen in eine Gleisharfe und der Bahnhof in einen schallenden Klangraum verwandeln. Im gemeinsamen Zusammenspiel verstärken die vier maultrommelnden Autoren ihre «Stimmkraft mit vielfältigen Instrumenten» und erzeugen so eine eigenwillige Zungen- und Gaumenpoesie.

vorgestellt von Beat Mazenauer, Luzern

Anton Bruhin, Bodo Hell, Michel Mettler & Peter Weber: «Singende Eisen, Spangen und Gleise. Vier dichtende Maultrommler und maultrommelnde Dichter». Audio-CD. Basel: Urs Engeler, 2007.

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Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
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