Showcase 1: Von Luzern aus ins Weltall

Das Luzerner Unternehmen Schurter hat früh und aus eigenem Antrieb gelernt, vernetzt zu agieren und dezentral zu produzieren. Auch in China. Geduld, Beharrlichkeit und das Gespür für die chinesischen Eigenarten zeigen nun erste ansprechende Erfolge. Schurter-CEO Ralph Müller erklärt die Hintergründe.

Schon früh mit Produktionsverlagerungen konfrontiert, präsentiert sich die Schurter-Gruppe in einer soliden Verfassung. Nicht allein der starke Schweizer Franken habe dazu geführt, erläutert Ralph Müller, CEO der Schurter Holding AG. Auch konkrete Bedürfnisse von internationalen Kunden und die pragmatische Erfahrung, dass die Nähe zum Markt entscheidend sei: «Die Kosten sind nach wie vor relevant, aber wir operieren immer mehr nach dem Grundsatz: Produziere dort, wo der Kunde die Produkte haben will. Der Transport ist heute zwar noch günstig, doch das kann sich schnell ändern. Daher behalten wir die gesamte Logistik sehr gut im Auge.»

Es kommt nicht von ungefähr, dass bei Schurter seit sechs Jahren ein Transfermanager dafür zuständig ist, wie Produktionsverschiebungen schnell, effizient und kostenwirksam voranzutreiben sind. Heute verfügt die Entwicklerin und Produzentin von Elektro- und Elektronikkomponenten über zwölf Produktionsstätten weltweit und ist mit 200 Distributoren auf allen Kontinenten präsent. Das erfordert einerseits viel Denk- und Koordinationsarbeit, anderseits aber auch den Transfer von Know-how. Dennoch habe die industrielle Fertigung in der Schweiz eine Zukunft, betont Müller: «Wir überlegen uns Verlagerungen sehr gut, wägen behutsam ab, wann es sich lohnt, die Produktion in der Schweiz zu halten, und wann nicht.» Es wäre zwar ein hehrer Gedanke, partout in der Schweiz produzieren zu wollen, um der Arbeitsplätze und der Vaterlandsliebe willen. Der CEO, als Maschinenbauingenieur und Betriebsökonom in dieser Frage eher dem Rationalen zugewandt, drückt es lieber so aus: «Wir haben in der Schweiz die denkbar besten Voraussetzungen, vor allem was die Ausbildung der Mitarbeitenden, die Kompetenz und Zuverlässigkeit von Zulieferern und die Infrastruktur anbelangt.» Schweizer Unternehmen hätten es selber in der Hand, das herausragende Know-how, die professionelle Einstellung und Erfahrung der Mitarbeitenden zu nutzen, betont der gebürtige Nidwaldner und stimmt im selben Atemzug ein Loblied auf das gutschweizerische, duale Bildungssystem an, verweist auf dessen Vorteile, die es in anderen Ländern nicht gibt. Daher würde die Schweiz nach wie vor als Produktionsstandort eine wichtige Rolle spielen, vor allem da, wo komplexe Prozesse erforderlich seien. Davon ist er felsenfest überzeugt.

 

Werte schaffen Vertrauen und Kontinuität

Die Entwicklung des 1933 in Luzern gegründeten Familienunternehmens bis heute ist bemerkenswert: von der Fabrik elektrotechnischer Artikel zu einem globalen Anbieter von zum Teil hochkomplexen Elektronikkomponenten für zahlreiche Branchen, dessen Sicherungen seit mehreren Jahren gar auf chinesischen und europäischen Satelliten die Erde umrunden. Schurter bietet als einziger Lieferant eine durch die Europäische Weltraumorganisation ESA zugelassene Sicherung für die Raumfahrt. Dies sei zwar eine Nische, räumt der CEO ein, doch die Entwicklung solch spezifischer Produkte passe zum Werdegang des agilen Unternehmens.

Der Weg dorthin war nicht immer einfach, wie Ralph Müller nur zu gut weiss. Seit nunmehr zwölf Jahren im Unternehmen, kennt er dessen Geschichte und Kultur aus erster Hand und arbeitet mit seinem internationalen Managementteam an der Gestaltung der Zukunft. Obschon Deutschland und die EU nach wie vor die Hauptabsatzmärkte bilden, weiss Müller, wo künftig die Musik vermehrt spielen wird: in China. Das seit einem Jahr bestehende bilaterale Abkommen der beiden Regierungen Chinas und der Schweiz kommt auch Schurter gelegen, wenn auch das Luzerner Unternehmen schon seit über einem Jahrzehnt im Fernen Osten tätig ist, mit zwei Tochtergesellschaften in Hongkong/Donghuan und Shenzhen (China). Ralph Müller hat von Beginn weg die Expansion in diese längst nicht gesättigten Märkte mitgestaltet und redet aus Erfahrung, wenn er sagt: «Eines ist sicher: im Fernen Osten, vorab in China, muss sich ein Unternehmen das Vertrauen erarbeiten, ja geradezu verdienen. Es braucht viel Zeit, um bei den Chinesen Vertrauen aufzubauen, woraus dann eine nachhaltige Geschäftsbeziehung wachsen kann.» Sein Fazit: es brauche viel Geduld mit Behörden, potentiellen Partnern und Investoren.

Müller hat im Laufe der Jahre den Eindruck gewonnen, dass die Schweiz…