Schweizer Literaturpreis 2017: Ernst Burren

Antworten auf die Kardinalfrage der Mundartliteratur anhand von Fussballerzitaten. Eine Rede.

Schweizer Literaturpreis 2017: Ernst Burren
Photo: Corinne Stoll.

Von Ernst Burren

 

«Vom Feeling her habe ich ein gutes Gefühl», het einisch dr dütsch Fuessballer Andi Möller gseit.

Nachdämm i jetze öppe sit 46 Johr Teggschte i üsere Solothurnermundart schribe, chani mi eigentlich am Andi Möller aschliesse. I han es guets Gfüeu, wüus mi dunkt, das Schribe heigi nit nume mir öppis brocht. Vor auem bi Läsige hani i dere länge Ziit immer wider dörfe erläbe, dass sich überau i dr Schwiz, und mängisch sogar im Usland, Lüt gärn mit mine Gedicht und Gschichte hei usenanggsetzt. Die erschwärti Läsbarkeit vo üsere Umgangsschproch het si nit chönne drvo abhaute.

Aber öppis het einisch e Zuehörer gschtört, d Tatsach nämlich, dass är jetze a dere Läsig s Gliche heigi müesse alose, wien är scho dr ganz Tag heigi ghört. Das het mir dä Ma bemänglet und gseit, wenn är das hätti gwüsst, wär är de nid a die Läsig cho.

Einisch het en öutere Ma ab mine Teggschte so müesse lache, dass är dr Ote nümme verwütscht het. Si Frou het em mit dr Hang immer wider uf e Rügge gschlage. Das het aber nüt gnützt. Me het mit em use müesse. Nach dr Läsig isch är sich cho entschuudige. Aer het gseit, är wüssi nit, wieso är so heigi müesse lache, aber s Läbe sigi ihm bim Zuelose schon echlei aus ne wahnsinnig komischi Sach vorcho.

I bi überzügt, dass sich die wahnsinnig komischi, mängisch leider ou wahnsinnig tragischi  Sach i dr Mundart bsungers guet lot lo darschtöue. Vor auem das, wo me möchti verschwige, isch unterschwellig glich do. Wenn i probiert ha, Hochdütsch z schribe, bini nie ganz zfride gsi, wüus mi immer het dunkt, es fähli eifach öppis, die Teggschte sige weniger vüuschichtig.

Aber uf d Frog, was de s Läbe eigentlich sigi, hani ou jetze, nach 46 Johr Mundartschribe, kei Antwort. I cha mi do nume am Anton Cechov aschliesse. Aer het mou gseit: «Du fragst, was ist das Leben? Das ist, als wollte man fragen: was ist eine Mohrrübe? Eine Mohrrübe ist eine Mohrrübe, mehr ist dazu nicht zu sagen.»

Aber ou uf die Frog, wo mir ou jetze no öppe gschtöut wird, nämlich wieso dass i de schribi, weisi immer no kei gschiidi Antwort.

Villecht geits mir glich wie am Mario Basler, emene angere dütsche Schütteler. Aer het einisch im ene Interwiu gseit: «Ich wollte ihm verbal nur ein paar Worte sagen.»

S Läbe geit witer, und hoffentlich s Schribe ou. Für mi isch es ou immer e wichtigi Beriicherig gsi zum Lehrerbruef. Für beidi Tätigkeite isch es wichtig, durchlässig und läbig z blibe.

Und i beidne Brüef isch es mir mängisch glich gange wie am Bundesliga-Goli vom FC Freiburg, am Richard Golz. Aer het einisch gseit: «Ich habe nie an unserer Chancenlosigkeit gezweifelt.»

So möchti zum Schluss säge: S nöchschte Buech isch s Wichtigschte. Me darf a dere Chancelosigkeit witer zwifle, aber trotz auem, was uf dr Wäut passiert, verzwifle darf me nit.

 


 

Ernst Burren ist Mundartschriftsteller. Er wurde 1944 im solothurnischen Oberdorf geboren und wuchs auf einem Bauernhof mit dem Wirtshaus «zum Sternen» auf. Von 1960–1964 besuchte er in Solothurn das Lehrerseminar. Von 1964–2003 unterrichtete er in Etziken und Bettlach Primarschüler. Seit 1970 veröffentlichte er 27 Bücher, darunter «Dr Schtammgascht» (Zytglogge, 1976), «Schnee schufle» (Cosmos, 2010) und «No einisch uf d Maledive» (Cosmos, 2014). Seine Texte wurden auch als Hörspiele gesendet und von vielen Theatern aufgeführt.

Ausgezeichnetes Werk: «Dr Chlaueputzer trinkt nume Orangschina», Muri bei Bern, Cosmos-Verlag, 2016.

Weitere Auszeichnungen (Auswahl):

1981 Alemannischer Literaturpreis
1984 Kunstpreis des Kantons Solothurn
1997 Preis der Schweizerischen Schillerstiftung verschiedene Buchpreise des Kantons Bern