Schwarz, klein, wild

Im Januar dieses Jahres hat unser Autor Andreas Knobloch den kubanischen Schriftsteller Pedro Juan Gutiérrez in Havanna besucht und mit ihm ein ausgiebiges Interview für diese Zeitschrift geführt. Gutiérrez gab ihm drei bisher unveröffentlichte Gedichte mit auf den Weg. Michael Pfister hat sie für uns übersetzt.

Kleines Fest

Gern bin ich allein und still
Zuhause, des Nachts
Ich bin allein mit einem Schluck Rum
Und alles läuft gut
Immerhin nicht mutterseelenallein
Wir sind genug für ein Fest
Ich bin dabei
Gott ist dabei
Und das Telefon

 

Der schwarze Vogel

 Die Gewissheit des Todes
Dringt uns durch Mark und Bein
Wir
Blutrünstigste Tiere
Zitternd vor dem schwarzen Vogel
Perfekte Mörder
Bedroht von der Unendlichkeit
Tauchen brutal ins Leben
Will sagen unerklärlich
Um es im nächsten Augenblick wieder zu verlassen
Wie ein Asteroid
Der zwei Sekunden Funken sprüht
Und in der uferlosen Nacht zu Asche verglüht

 

Der Pfad der wilden Tiere

Das Dunkel deiner Augen
Der perverse Zug deines Gesichts
Die sanfte Falle / die duftende,
süsse Falle
Nach und nach gerät sie in Vergessenheit
Die Fährte des Sturms
Ich lasse die Trümmer hinter mir
Wandere zum unerforschlichen Berg
Folge dem Pfad der wilden Tiere
Bis ich mich verliere in der Tiefe
Der Einsamkeit / ausgelaugt
Weiss schon nicht mehr, wo ich bin
Noch wie ich zurückfinde
Die Spuren verwischen sich auf dem Berg
Dem endlosen, gleissenden
Das fremde Dunkel deiner Augen
Die Nacht bricht herein

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»