Als der Stabilitäts- und Wachstumspakt 1998/99 in Kraft trat, war die Absicht klar: Der Pakt mit der Defizit- respektive Schuldengrenze von 3 Prozent und 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sollte die Länder der neuen Europäischen Währungsunion zu einer soliden Finanzpolitik verpflichten. Seither ist er wiederholt revidiert worden. Doch klarer und griffiger wurde er nicht: Das aktuelle «Vademecum» der EU, in dem die Regeln und Verfahren erklärt werden, umfasst über 100 Seiten. Derzeit läuft eine Generalüberholung des seit 2020, Corona sei Dank, ausgesetzten Paktes. Die Kommission schlägt vor, mehr Rücksicht auf länderspezifische Verhältnisse zu nehmen, eine weitere Aufweichung. Die ins Verhältnis zum BIP gesetzten Staatsschulden haben in der Eurozone seit 1996 deutlich zugenommen. Dass die Tendenz nun leicht rückläufig ist, hat weniger mit dem Pakt und mehr mit der Inflation zu tun; sie bläht das nominelle BIP auf, berührt die Schulden aber nicht. Doch das ändert sich nun peu à peu. Ein Vierteljahrhundert lang profitierten die Staaten von sinkenden Zinsen. Mit der Zinswende wird jetzt auch der Schuldendienst teurer.
Schuldenwirtschaft trotz Stabilitätspakt
Unterstützen Sie uns!
Aktuelles
Staatsquote ist nicht gleich Staatsquote: Die gängige Metrik zeichnet für die Schweiz ein zu rosiges Bild
Wie gross ist der Staat? Die Antwort hängt davon ab, was man genau misst. Wer genauer hinschaut, merkt: Der Schweizer Staat ist nicht so schlank, wie er scheint.
Die Brandmauer ist Gift für die Demokratie
Giuseppe Gracia spricht mit Ralf Schuler, Politikchef des Berliner Nachrichtenportals «Nius», über Deutschlands politische Lage kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Schuler erklärt, warum die etablierten Parteien ihre Wähler verlieren.
Neutralitätsinitiative: «Putin-Versteher» gegen «Heimatmüde»
René Roca, einer der Urheber der Neutralitätsinitiative, findet, in einer unsicheren Welt müsse die Schweiz strikt neutral sein. Jacques Pitteloud, Schweizer Botschafter bei der NATO, zieht den exakt gegenteiligen Schluss.
In der neuen Weltordnung könnte Brasilien der grosse Gewinner sein
Das südamerikanische Land haben viele nicht auf dem Radar. Meine jahrelange Erfahrung sagt mir: zu Unrecht.