Schliesst die Kommentarspalten!

Online-News-Portale gehören zur heutigen Medienwelt. Und zu ihnen gehören Leserkommentare. Diese dienen der öffentlichen Meinungsbildung. So lautet die Theorie aller mir bekannten Medienexperten. Aber: Stimmt diese politisch hochkorrekte Meinung? Dummes Zeug! Leserkommentare dienen nur dazu, dem von den Verlagen umworbenen Medienkonsumenten vorzugaukeln, er sei wichtig, seine Meinung gefragt. Dabei sind diese häufig anonym publizierten Ergüsse […]

Online-News-Portale gehören zur heutigen Medienwelt. Und zu ihnen gehören Leserkommentare. Diese dienen der öffentlichen Meinungsbildung. So lautet die Theorie aller mir bekannten Medienexperten. Aber: Stimmt diese politisch hochkorrekte Meinung? Dummes Zeug!

Leserkommentare dienen nur dazu, dem von den Verlagen umworbenen Medienkonsumenten vorzugaukeln, er sei wichtig, seine Meinung gefragt. Dabei sind diese häufig anonym publizierten Ergüsse keine Beiträge zur demokratischen Meinungsbildung. Sie sind zumeist inhaltlich wertlos, negativ, bösartig, voller Unterstellungen und Verschwörungstheorien. Ihre Streichung aus dem Instrumentarium moderner Medien wäre kein Schaden – im Gegenteil.

Man frage einmal einen geplagten Online-Redaktor, was ihm da täglich an direktdemokratischer Schwarmintelligenz um die Ohren fliegt. Denn was wir in diesen Foren zu lesen bekommen, ist noch der bessere Teil der Einsendungen. Beim Newsnet, dem grössten Online-Netzwerk der Schweiz, kann rund ein Drittel der Diskussionsbeiträge nur schon aus presserechtlichen Gründen nicht publiziert werden. Beim «Blick» werden sogar nur 30–40 Prozent der Beiträge freigeschaltet. Als vor Lampedusa hunderte afrikanische Flüchtlinge ertranken, ergoss sich über das Newsnet-Portal der Zeitungen «Tages-Anzeiger», «Berner Zeitung», «Bund» und «Basler Zeitung» ein derartiger Schwall hasserfüllter «Kommentare» auf die afrikanischen Migranten, dass die Kommentarfunktion gesperrt werden musste. Während die Redaktionen ausnahmslos Reportagen und Kommentare voller Entsetzen und Mitleid angesichts der menschlichen Tragödie veröffentlichten, tobte in den Leserkommentaren eine xenophobe Wut-Orgie.

Wenn solche Foren ein Gradmesser für demokratische Schwarm­intelligenz wären, dann läge der IQ des Schweizervolks so um 50 Punkte herum, das meint: debil. Das Beispiel des US-Magazins «Popular Science» wird deshalb hoffentlich nicht das letzte seiner Art bleiben: Es hat die Kommentarfunktion wieder abgeschafft.

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»