Schein statt Sein

Die Serie «The Dropout» erzählt einen spektakulären Betrugsfall im Silicon Valley nach.

Schein statt Sein
Bild: «The Dropout», auf Disney+

 

Das Wertvollste, das im Silicon Valley verkauft wird, sind nicht Produkte, sondern Geschichten. Zum Beispiel diese: Eine 19jährige Studienabbrecherin hat die Vision, mit einem kleinen Gerät in Sekundenschnelle Bluttests durchführen und so zahlreiche Krankheiten frühzeitig erkennen zu können. Sie überzeugt bedeutende Investoren und Grosskunden von der Idee. Das einzige Problem: Das Produkt existiert nicht, jedenfalls nicht in funktionierender Form.

Der Fall von Elisabeth Holmes und ihrem Start-up Theranos sorgte vor einigen Jahren für Schlagzeilen, als der Betrug nach und nach aufgedeckt wurde und die Jungunternehmerin 2018 schliesslich angeklagt wurde. Eine Serie auf Disney+ mit Amanda Seyfried in der Hauptrolle erzählt die Geschichte nun nach. «The Dropout» folgt dem Weg Holmes’, die bald merkt, was wirklich zählt in der Tech-Welt, wo jeder befürchtet, das nächste grosse Ding zu verpassen. Sie bewirbt ihre Vision in blumigen Worten, holt grosse Namen in den Verwaltungsrat und knüpft Verbindungen in die Politik. Dass ihr Bluttest keine Zulassung der Arzneimittelbehörde FDA hat, überspielt sie elegant. Mit dem vorgeschossenen Geld und Prestige der Investoren gewinnt sie immer wieder neue.

Dabei stellt die Serie Holmes nicht einfach als hinterhältige Betrügerin dar. Eher als überambitionierte junge Frau, die mal bei einer Präsentation ein Testresultat fälscht und, als sie damit durchkommt, einfach weitermacht. So baut sie ein Lügenkonstrukt auf, das immer höher wächst, je verzweifelter ihre Lage wird.

«The Dropout» verknüpft das persönliche Drama Elisabeth Holmes’ mit dem Sittengemälde einer glamourösen Wirtschaftswelt, in welcher der Schein das Sein übertüncht. (lz)

«Unverzichtbare Lektüre:
eine intellektuelle Zündkerze, die das
Weiterdenken in Gang bringt.»
Wolf Lotter, Autor und Mitgründer von «brand eins»,
über den «Schweizer Monat»