Saubere Wäsche

Zwei Morde in Zürich…

Es wird viel getrunken in diesem Kriminalroman. Vor allem Hochprozentiges. Auch Johanna di Napoli, ehemals Übersetzerin und jetzt Wachtmeisterin bei der Zürcher Stadtpolizei, greift gerne zur Whiskyflasche. Als Spezialistin für häusliche Gewalt und Sexualdelikte steht sie mitten in der Kampfzone der Geschlechter. Dabei sind die Gewichte sehr ungleich verteilt, denn die Opfer sind in der Regel weiblich. Und hinter den Tätern steht nicht selten geballte Wirtschaftsmacht. Im Fall einer brutal vergewaltigten dominikanischen Prostituierten hat sie einen Namen. Werner Hügli, schwerreicher Reinigungsunternehmer und Besitzer von Sexclubs, macht sein Geld vor allem mit den weniger gesellschaftsfähigen Neigungen mancher Männer. Und er denkt nicht daran, sich von den Ermittlungen einer Kriminalistin, die sich noch nicht einmal der ungeteilten Unterstützung ihrer Kollegen sicher sein kann, die Geschäfte vermasseln zu lassen. Kein leichter Fall für Johanna di Napoli.

Auch das zweite Verbrechen, mit dessen Aufklärung sie betraut ist, geht an die Nerven. Ein junges Ehepaar, Betreiber einer Wäscherei, ist erschossen worden. Dringend tatverdächtig ist der Bruder des Ermordeten, der als Drogensüchtiger auf der Strasse lebt. Die Ermittlungen führen also direkt in ein Milieu, wo es wenig gibt, was Menschen nicht für ein bisschen Heroin tun würden.

Michael Herzigs Krimidébut «Saubere Wäsche» ist eine ebenso spannende wie grell ausgeleuchtete Exkursion in die Zürcher Halbwelt der Sexindustrie und der Drogengeschäfte. Dass sich der Erzähler dabei manchmal für meinen Geschmack ein wenig zu auskunftsfreudig zeigt, ist ein lässliches Vergehen. Schliesslich darf man vermuten, dass es ein Anliegen des Autors war, seine Ermittlerin als komplexen Charakter zu etablieren. Und das gelingt ihm ausgesprochen gut. Lobenswert ist auch die Art und Weise, wie Herzig am Ende die Handlungsfäden zusammenführt. Schliesslich gehört es sich für einen Kriminalroman dieses Kalibers, dass beide Fälle gelöst werden, unser Gerechtigkeitsempfinden allerdings unbefriedigt bleibt. Stattdessen wird wieder einmal alte Weisheit bestätigt, dass wir zwar in einer grossen, aber keiner guten Gesellschaft leben.

vorgestellt von Joachim Feldmann

Michael Herzig: «Saubere Wäsche». Dortmund: Grafit, 2007.

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