Sagen Sie mal Pater Schulze,

wie ist es, wenn man dauernd zu Gott spricht, aber keine Antwort bekommt?

 

Unsere öffentliche Vernunft ist religiös unmusikalisch, weniger poetisch gesagt: agnostisch. Sie rechnet nicht mit Antworten Gottes und hat viele Gründe zu lehren, man solle solche auch nicht erwarten.

Doch Gott ist nicht ein Gesprächspartner, der mir im Dialog – von mir getrennt – gegenübersitzt. Würde er das, er hörte im selben Augenblick auf, Gott zu sein. Gott als Unendlicher ist nicht nur mir gegenüber, sondern auch in mir, er übersteigt und er durchdringt mich (wie jeden anderen) gleichermassen. Das bedeutet: Eine Antwort auf meine betend-besinnliche Ausrichtung auf ihn kann es, wenn es denn seine ist, nicht rein von aussen an mich geben, sie muss auch aus meinem eigenen Inneren aufsteigen. Die Antwort auf Not und Zweifel, die ich mir selber gebe, und die, die mir von Gott zuteil wird, lassen sich nicht fein säuberlich trennen, denn der Gott, der meine Seele in Schwingung versetzt, und der Gott, der mich durch äussere Umstände angeht, ist ein und derselbe.

Schwingung? Wie versetzt mich der Schöpfer und Vollender in Schwingung? Dadurch, dass uns keine besinnlich-betende Annäherung an ihn kalt lässt. Selbst wenn wir im Gebet nur traurig oder wütend werden, ist das schon Schwingung und zeigt uns zumindest unsere Wahrheit, den Ort, wo wir in der Beziehung zu Gott stehen – und vielleicht auch den, wo er wirkt. Gott spricht zu uns im Ganzen der Wirkungen, die er geschehen lässt, denn Gott ist die Ganzheit, die meine Ganzheit und die aller anderen in lebendigem Austausch hält.

Braucht es dazu Gott? Könnte man nicht einfach auch sagen: das Leben als Ganzes? Doch, das kann man sagen; als Theologe würde ich ergänzend dazu Gott als das Leben in Person ansprechen, denn nur eine Person kann Personen verstehen und ihnen Antwort zukommen lassen.

Gott hat keine Antwort, er ist Antwort – auf unser Woher und Wohin, auf unser Warum und Wozu, auf unser Wie und Wielange. In der Annäherung an diese Antwort ergibt sich jene Schwingung des eigenen und fremden Lebens, aus welcher sich auch (ohne empirische Überprüfbarkeit und ohne dogmatische Vorabfestlegung – aber wirksam) Antworten im einzelnen ergeben können. Mehr liegt nicht drin; aber darin liegt mehr als alles, worüber wir selbstgewiss verfügen.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»