Risiken und ihre Nebenwirkungen

Wir treffen täglich Risikoentscheide. Beim Planen einer Bergtour von der Mönchsjochhütte auf die Jungfrau sind uns diese bewusst, beim Verzehr von Ballotines de Poulet provençale eher nicht. Eine kleine bis gar keine Rolle spielt in unseren Überlegungen zu Bergtour und Poulet, dass es 2009 in der Schweiz 112 tödliche Bergunfälle gab und weltweit jedes Jahr […]

Risiken und ihre Nebenwirkungen

Wir treffen täglich Risikoentscheide. Beim Planen einer Bergtour von der Mönchsjochhütte auf die Jungfrau sind uns diese bewusst, beim Verzehr von Ballotines de Poulet provençale eher nicht. Eine kleine bis gar keine Rolle spielt in unseren Überlegungen zu Bergtour und Poulet, dass es 2009 in der Schweiz 112 tödliche Bergunfälle gab und weltweit jedes Jahr schätzungsweise 7,5 Millionen Menschen an den Folgen von Durchfall wegen Lebensmittelvergiftungen sterben. Intuitiv verlassen wir uns darauf, dass uns das eigene Risikosensorium schützt. Tut es auch. Aber nicht immer.

«Risiko» kommt von «risicare», was so viel wie «Umschiffen von Klippen» bedeutet. Erfolgreiche Umschiffung setzt voraus, dass der Kapitän die Klippen früh genug erkennt. Die Menschen im Nordosten Japans wussten, dass sich die Erdplatten unter ihnen bewegen und Japan zu den am stärksten von Erdbeben gefährdeten Ländern weltweit gehört. Wie Voltaire nach dem Erdbeben von 1755 in Lissabon sinngemäss sagte: Erdbeben töten keine Menschen, aber Gebäude tun es. Das Wissen über Risiken floss in den Bau der Infrastruktur und führte zu einem Tsunami-Frühwarnsystem im Pazifik. Und dennoch traf das Worst-Case-Szenario ein.

Man ist versucht, in solchen Fällen auf Nassim Talebs «schwarzen Schwan» zurückzugreifen – die Idee, dass es unvorhergesehene Ereignisse gibt, die alle Erwartungsparameter sprengen und die schönste Gausssche Normalverteilung durcheinander bringen. Doch sind solche Ereignisse wirklich unvorhersehbar? Und wenn ja, wie viel wollen wir in ihre Verhinderung investieren? Mit welchem Restrisiko können und müssen wir leben?

Wenn wir Risiken quantifizieren, können wir besser mit ihnen umgehen und schützen uns zugleich vor politischem Aktionismus. Unsere Autoren und Gesprächspartner kennen viele der Risiken, die unser Leben ausmachen: ETH-Professor Didier Sornette sagt Crashes an den Finanzmärkten voraus; Flughafensicherheitschef Daniel Bircher erklärt, wie gefährlich Vögel für Grossraumflugzeuge sind; die Psychologieprofessorin Katrin Fischer zeigt auf, warum wir Risiken falsch wahrnehmen, und der Risikomanager Hans Bohnenblust sagt, wie wir zu mehr Gelassenheit im Umgang mit Risiken finden.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»