Rendite und Nachhaltigkeit gehen Hand in Hand

Rendite und Nachhaltigkeit gehen Hand in Hand

Rücksicht auf die Umwelt wird beim Geldanlegen immer wichtiger – auch für Pensionskassen. Die Versicherten profitieren davon.

 

Die öffentliche Sensibilität gegenüber dem Investitionsverhalten institutioneller Anleger ist erheblich gewachsen. Die Berücksichtigung der Themen Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung, der sogenannten ESG-Kriterien, gewinnt auch für Pensionskassen an Bedeutung. Ein ­Aktionsplan der EU und ein Bericht inklusive Leit­linien des Bundesrates sehen künftig neue Bestimmungen vor, welche den Einfluss auf nachhaltige Anlagen verstärken werden. Die Europäische Union fordert mehr Transparenz für Anlegerinnen und Anleger und erhofft sich im Zuge dessen ein besseres Verständnis der CO2-Belastung ­seitens der Investoren. Der Bundesrat ­seinerseits betrachtet Sustainable Finance als grosse Chance für den Schweizer ­Finanzplatz und ist ­bestrebt, diesen zu einem führenden Standort nachhaltiger Finanzdienstleistungen zu machen.

Als die Gründer von Globalance Bank vor gut 25 Jahren an den Start gingen, war der Begriff Nachhaltigkeit noch ein Fremdwort für die Finanzmärkte. Inzwischen ist ein Paradigmenwechsel im Gang. Heute sind in der Schweiz 1163 Milliarden Franken, etwa ein Drittel der angelegten Gelder, in nachhaltige Anlagen investiert. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das ­einem Zuwachs von 62 Prozent.1 Wir waren schon damals überzeugt, dass Unternehmen, die langfristig denken, achtsam mit ihren Ressourcen umgehen und ihren Fussabdruck in der ­realen Welt optimieren, langfristig erfolgreicher sind. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Studien, die einen positiven ­Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Renditeentwicklung belegen.2

Ölfirmen schmieren ab

Deshalb erstaunt es wenig, dass grosse institutionelle Anleger wie Pensionskassen oder Banken sich vermehrt mit der Wirkung ihrer Portfolios auseinanderzusetzen beginnen. Oft geschieht das noch auf öffentlichen Druck hin. Doch die Zahl derer steigt, die diese Transition aus langfristigen Renditeüberlegungen vollziehen.

Wie finden Pensionskassen eine ausgewogene Balance zwischen den Interessen ihrer Versicherten und der Berücksichtigung der ESG-Kriterien? Die Antwort ist einfach: gar nicht! ­Finanzieller Ertrag und positive sozioökonomische Bestrebungen sind kein Widerspruch. Im Gegenteil: Wer langfristig erfolgreich investieren möchte, wird um die Berücksichtigung der Nachhaltigkeitskriterien nicht herumkommen. Dies ver­anschaulicht das Beispiel der «Stranded Assets».

Ein «Stranded Asset» bezeichnet ein Anlagevermögen, dessen Marktpreis geringer ist als der Buchwert, zu welchem es in der Bilanz eines Unternehmens geführt wird. Der Markt nimmt hierbei Entwicklungen vorweg, die einen signifikanten Wertverlust des Anlagevermögens erwarten lassen. Kurzum: ein Vermögenswert, welcher Gefahr läuft, massiv an Wert zu verlieren. Heute wird rund ein Viertel des globalen Kohle-, Öl- und Gasvorkommens von börsenkotierten Unternehmen ­gehalten und als Vermögenswert in deren Bilanzen geführt. Bei einem grosszügigen Klimaziel von zwei Grad bis 2050 dürften diese Unternehmen lediglich noch 30 Prozent dieser ­Reserven verbrennen. Im Umkehrschluss bedeutet das: In den Bilanzen müssten 70 Prozent der Reserven als wertlos ab­geschrieben werden.

Auch wenn es heute noch keine gesetzlich hart verankerten Klimaziele gibt, nehmen die Aktienmärkte diese Entwicklung vorweg. So hinkt die Wertentwicklung der Aktien aus Sektoren fossiler Brennstoffe deutlich hinter dem breiten Aktienindex (MSCI World) hinterher. Während der breite Aktienmarkt seit 2010 um mehr als 160 Prozent zugelegt hat, hat der Ölsektor mehr als einen Drittel und Kohlefirmen gar über zwei Drittel ihrer Kursbewertung eingebüsst. Eine Vermeidung von «Stranded Assets» hätte bereits in den letzten Jahren einen Renditemehrwert für Anlegerinnen und Anleger erzielt.

Die Zukunft bewegen

Das Beispiel oben verdeutlicht, dass ein Grossteil der in heutigen Börsenindizes enthaltenen Unternehmen der «alten» Welt entspringt. Deren heutige Aktienkurse setzen ein Fortschreiben der in der Vergangenheit erzielten Gewinne voraus. Aus­geblendet wird hierbei die zentrale Frage, ob das Geschäfts­modell langfristig für die Zukunft gewappnet ist.

Denn viele altbewährte Branchen verlieren zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit und drohen auf der Strecke zu bleiben. Was mit analogen Fotos, Musik und Zeitungen begann, geht mit der Automobilindustrie in eine neue Runde. Alteingesessene Platzhirsche werden von agilen, jungen Firmen überholt, die innovativ auf die modernen Herausforderungen reagieren und intelligente, nachhaltige Lösungen anbieten. Die durchschnittliche Gewinnwachstumsrate des Weltaktien­indexes…

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