Reifeprüfung auf dem Prüfstand

Für ein Gymnasium von Welt

«Ihr seid Mitglieder der künftigen Elite.» Es klang jeweils mehr nach Wunschdenken denn nach Zustandsanalyse, wenn der Turnlehrer uns lärmigen Gymnasiasten solche Sätze zuwarf. Lehrer und Schüler wussten: bis zur «Gesellschaftsreife» waren noch sehr viele Trainingseinheiten zu absolvieren.

Als Scharniere zwischen Volksschule und Universitäten weisen Gymnasien künftigen Laufbahnen die Richtung. Nicht zuletzt deshalb sind sie der Allgemeinheit viel wert: Gemäss OECD gibt die Schweiz nach Luxemburg am zweitmeisten Geld für Gymnasium und Berufslehre aus. Für diese Investitionen, soweit sind sich die meisten Akteure einig, erhalten wir ein System, das sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen kann.

Gerade für gut befundene Systeme laufen aber Gefahr, in Selbstzufriedenheit zu erstarren. Deshalb sahen wir die Zeit reif, unsere Gymnasien einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Auf der Suche nach konkreten Beiträgen haben wir festgestellt: Der politische Handlungsdruck scheint vordergründig zwar gering. Aber trotz weit verbreiteter Reformmüdigkeit diskutieren Bildungsverantwortliche wieder vermehrt über Anpassungen der heute geltenden Maturitätsordnung. Und dies zu Recht.

Sie und wir alle tun gut daran, uns heute den relevanten Fragen zu stellen: Wie muss das Bildungssystem reagieren, um den Fachkräftemangel bei schwacher Demographie und drohenden Importbeschränkungen zu beheben? Welchen Stellenwert soll oder besser muss das humanistische Gymnasium im digitalen Zeitalter der Informatikbildung einräumen? Wer oder was soll künftig über die Zulassung an Gymnasium und Universität entscheiden?

Klar ist: Echte Bildung (und nicht bloss Soft Skills) ist eine strategische Ressource – auf persönlicher, darum auch auf gesellschaftlicher Ebene. Was die gymnasiale Stufe dazu beitragen kann, diese Ressource verfüg- und nutzbar zu machen, erklären die folgenden Beiträge.

Zurück zum Zweiermodell

1995 haben die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) und der Bund das Typenmodell der Maturität durch ein Wahlfachmodell abgelöst. 20 Jahre danach sind nicht nur Retouchen bei der Benotung vorzunehmen, sondern es ist aufgrund der umfangreichen Evaluationen und Studien wieder ein Typenmodell einzuführen. Dabei sind auch interessante deutsche Entwicklungen wie die duale Universität einzubeziehen. […]

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»