Rauchende Köpfe

Was haben der Marlboro-Man und Don Draper, der New Yorker Werber aus der US-Serie «Mad Men», gemeinsam? Die dauerbrennende Zigarette. Sie steht bei beiden für ungezähmte Freiheit und Männlichkeit. Im wirklichen New York verströmt der Rauch einer Zigarette aber schon lange keine Freiheit mehr. Die örtliche Anti-Tabak-Gesetzgebung wird gerade erneut verschärft: Erwachsenen zwischen 18 und […]

Was haben der Marlboro-Man und Don Draper, der New Yorker Werber aus der US-Serie «Mad Men», gemeinsam? Die dauerbrennende Zigarette. Sie steht bei beiden für ungezähmte Freiheit und Männlichkeit. Im wirklichen New York verströmt der Rauch einer Zigarette aber schon lange keine Freiheit mehr. Die örtliche Anti-Tabak-Gesetzgebung wird gerade erneut verschärft: Erwachsenen zwischen 18 und 21 Jahren ist der Zigarettenkauf künftig untersagt. Ferner wird der Mindestpreis auf 10.50 Dollar pro Schachtel erhöht.

Und bei uns? Nach Ansinnen des Bundesrates sollen auch in der Schweiz die Zigarettenpreise schrittweise auf 11 Franken pro Packung erhöht werden. Die Vernehmlassung für eine entsprechende Gesetzesänderung wurde soeben abgeschlossen. Seit Anfang der 1990er Jahre hat sich der Tabakkonsum zwar um 35 Prozent verringert, die Steuereinnahmen jedoch haben sich mehr als verdoppelt. 2012 hat der Bund knapp 2,4 Milliarden Franken an Tabaksteuern eingenommen. Irgendwie führt also der Bund die Raucher an der Nase herum: Zuerst macht er ihnen weis, dass er sie zu einem gesünderen Leben anhalten will. Leisten sie der Anordnung Folge, wird die Steuer erhöht, damit die rosigeren Lungen kein Loch in die IV- und AHV-Kasse reissen.

Das widersprüchliche Verhalten des Staates im Umgang mit dem Tabakkonsum zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Gesetzgebung: Der Verkauf von Tabakwaren an Minderjährige ist verboten. Zum Glück. Sollten diese aber dennoch eine Zigarette erheischen, so ist es ihnen nicht verboten, sie zu rauchen. Einzig dem Verkäufer droht eine Busse. Auch die gesetzlich vorgeschriebenen Warnhinweise à la «Rauchen ist tödlich» sind in ihrer Absolutheit schlicht falsch – und suggerieren permanent die Unmündigkeit des rauchenden Bürgers.

Für mich verströmt der Rauch einer Zigarette jedenfalls nach wie vor einen Hauch von Freiheit: Nämlich jene, die Arbeit einen Moment ruhen zu lassen und die Kollegen in die Zigipause zu begleiten. Als Nichtraucherin fahre ich hier auf dem Trittbrett mit. Ob ich das noch lange darf?

 


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Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»