Qualität ist kein Marktvorteil – sie ist eine Bedingung

Der Präsident der Pilatus-Flugzeugwerke, Oscar J. Schwenk, ist ein Besessener. Jetzt baut er erstmals einen Düsenjet – und sinniert über Qualität: im Verwaltungsrat, bei den Produkten, bei den Mitarbeitenden. Im Gespräch mit einem Mann, der gegen die Regeln der In-dustrie denkt.

Qualität ist kein Marktvorteil – sie ist eine Bedingung

Schweizer Monat: Dieses Jahr steht bei Schweizer Unternehmen im Zeichen des Frankenschocks. In den Jahresberichten sind Bremsspuren zu erwarten. Bei der Pilatus ebenfalls?

Oscar J. Schwenk: Nein, uns geht es sehr gut. Gut heisst: unsere Finanzen sind sehr gesund. Wir bezahlen pünktlich, und wir haben keinerlei Bankschulden. Wir stehen im neunten Jahr ohne Fremdfinanzierungen durch die Banken. Das ist komfortabel. Gleichzeitig bauen wir mit dem PC-24 an einem guten Flugzeug, das nach acht Jahren Entwicklungsarbeit im Mai 2015 zum ersten Mal geflogen ist.

Sie sind in einem langfristigen Geschäft engagiert.

Die Investitions- und Entwicklungszyklen dauern bei uns sehr lange. Zehn Jahre Planung ohne einen Franken Ertrag aus dem Projekt sind keine Seltenheit. Wir verdauen das aber alles gut.

Rechnet die Pilatus in Dollar?

Wir rechnen primär in Franken und Dollar. Wenn immer es geht, verkaufen wir unsere Trainingsflugzeuge in Franken an die interessierten Länder beziehungsweise an die Regierungen. Im Moment funktioniert das sehr gut.

Wie sieht das aus, wenn Sie Flugzeuge in den Euroraum verkaufen?

Generell wird das General-Aviation-Geschäft weltweit in Dollar abgewickelt. Es kommt uns in dieser schwierigen Euro-Franken-Situation sicherlich entgegen. Wir spüren das Währungsproblem somit nicht direkt.

Wie spüren Sie das Problem indirekt?

Wir stehen zum Beispiel mitten in Vertragsverhandlungen mit Australien. Aufgrund des Euros hat der australische Dollar gegenüber dem Schweizer Franken verloren. Heute steht der australische Dollar bei zirka siebzig Rappen. Vor zwei Jahren war er noch neunzig Rappen wert. Wir stehen mit Australien nach drei Jahren vorbereitenden Gesprächen jetzt in den finalen Vertragsverhandlungen für den Verkauf von Flugzeugen des Typs PC-21. Australien muss in Schweizer Franken kaufen, kriegt nach all den Jahren nun aber weniger als einst in australischen Dollars gedacht. Drei Möglichkeiten stehen nun offen: Unsere australischen Vertragspartner erhöhen ihr Budget, was in demokratischen Prozessen langwierig ist, oder sie revidieren den Umfang des Auftrages. Oder aber wir reduzieren unsere eigene Marge. Der Umfang des Auftrages kann nicht einfach reduziert werden, da eine im voraus bestimmte Anzahl Piloten mit den Flugzeugen ausgebildet werden müssen. 

Sie hatten in diesem australischen Geschäft globale Konkurrenten geschlagen?

Richtig, wir haben in einem harten Ausscheidungsverfahren gewonnen.

Nun beklagen sich sicherlich diese Konkurrenten aufgrund des veränderten Wechselkurses, dass sie zum Beispiel im Wechsel US-Dollar zu australischem Dollar billiger gewesen wären.

Das kommt vor. Aber das dreht das Rad der Zeit nicht zurück. Am liebsten hätte ich stabile Wechselkurse, US-Dollar, Euro, Schweizer Franken pari, keine Schwankungen.

Am liebsten wären Ihnen sicherlich Sofortzahlungen und keine Termingeschäfte.

Das ist für uns kein Problem. Selbstverständlich finden Anzahlungen statt. Und wir müssen immer auch Risiken eingehen.

Sie handeln als Privatunternehmen mit Staaten. Das verringert sicherlich das Risiko von Zahlungsausfällen, ist aber als kleinerer Partner nicht immer leicht verhandelbar.

Bleiben wir beim Beispiel der Teilzahlungen im voraus. Für diese müssen wir als Gegenposition stets Sicherheiten einbringen. Theoretisch müssen wir frühe Zahlungen von Kunden als Gegenposition mit Bankgarantien decken, die wir wiederum mit drei, vier Prozent verzinsen müssen, was hohe Zusatzkosten verursacht. Es gibt also nicht nur Vorteile, wenn ein Staat im voraus bezahlt.

Ist deshalb eine hohe Eigenkapitalquote Ihr Ziel?

Das ist der Grund. Ausserdem leben wir in einer anderen Welt als all die Leverage-Spezialisten. Ein Beispiel: kürzlich hat ein wohlhabender Freund aus den USA einen PC-12 kaufen wollen. Er hat mich gebeten, mit den Banken direkt zu verhandeln. Warum? Weil er selber mit seinem eigenen Geld noch nie ein Flugzeug oder auch nur ein anderes Objekt gekauft hat. Immer nur fremdfinanziert. Diesem Denken liegt ein komplett anderes System zugrunde, eine Mentalität, die mir fremd ist, die aber bei uns auch Mode geworden ist. Ich persönlich halte mich lieber an die alte Regel: Wenn man in…