Kazuo Shinohara, Polizeistation in Kumamoto-Kita, Japan, 1990. © Shinohara Kazuo Archive

Poetisch bauen

Eine Würdigung des japanischen Architekten Kazuo Shinohara.

In Zusammenarbeit mit der Graduate School of Design der Harvard University erscheint im Zürcher Verlag Lars Müller Publishers seit einigen Jahren eine Bücherserie, die sich in loser Reihenfolge den Lebenswerken japanischer Nachkriegsarchitekten widmet. Auf die beiden ersten Publikationen zu Kenzō Tange und Kiyonori Kikutake folgt mit «Traversing the House and the City» nun der dritte Band zu Kazuo Shinohara (1925‒2006), zu dessen bleibenden Errungenschaften die Erneuerung des Verhältnisses von Haus zu Stadt zählt.

Einer der bekanntesten Aussprüche des Modernisierers aus Tokio lautete, dass ein Haus Kunst sei, weswegen seine Entwürfe und Bauten die Nähe zu den Künsten wahrten und ihnen den Ruf bescherten, über nahezu poetische Qualitäten zu verfügen. In Kombination mit Anklängen an die Mathematik (die Shinohara zunächst studiert hatte) übten diese enormen Innovationsleistungen erheblichen Einfluss auf seine Kolleginnen und Kollegen aus. Herausgegeben und eingeleitet vom Architekturhistoriker Seng Kuan, der nochmals an die verschiedenen Stilphasen Shinoharas erinnert, finden sich in diesem Band theoretische Einschätzungen, Gespräche und andere Beiträge zusammengeführt, die weit über eine blosse Würdigung des Professors an der Technischen Hochschule Tokio hinausgehen, zumal hier Unbekanntes erschlossen wird. Anregend ist beispielsweise die Dokumentation seiner nicht realisierten Gebäude – darunter ein Hotel, das am Bahnhof in Lille hätte entstehen sollen –, vor allem aber die vielen privaten Aufnahmen, die der Architekt auf seinen Reisen gemacht hatte und die dem Detailstudium europäischer oder arabischer Bauten, Gassen und Plätze dienten, während er gleichwohl gänzlich eigenständige Pfade beibehielt. (vsv)

«Unverzichtbare Lektüre:
eine intellektuelle Zündkerze, die das
Weiterdenken in Gang bringt.»
Wolf Lotter, Autor und Mitgründer von «brand eins»,
über den «Schweizer Monat»