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Peak Trump: Fünf Prognosen für 2026

Meine Vorhersagen sind von Natur aus provokativ, aber inhaltlich im Kern plausibel. Vor allem sollen sie zum Nachdenken anregen.

Peak Trump: Fünf Prognosen für 2026
Donald Trump regiert ohne sichtbare Grenzen – genau das könnte 2026 einen Wendepunkt markieren. Foto: Joyce N. Boghosian / Wikimedia Commons

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Hat jemals ein Jahr so turbulent begonnen wie 2026? Vor etwas mehr als zwei Wochen haben Donald Trumps USA den venezolanischen Präsidenten gefangen genommen und die Kontrolle über das Land und sein Öl erklärt. Der Präsident hat Drohungen gegen Kuba, Kolumbien, Mexiko, Grönland und den Iran ausgesprochen. Zwei Öltanker, die mit venezolanischen Ölexporten in Verbindung stehen, wurden beschlagnahmt. Und die Vereinigten Staaten sind aus 66 UN- und internationalen Organisationen ausgetreten.

Die Welt hat es mit einem Trump zu tun, der sich keine Grenzen setzt: einem Präsidenten, der sich im eigenen Land keinerlei Beschränkungen unterworfen fühlt und Amerikas Recht geltend macht, international zu handeln, wo immer es ihm möglich ist.

«Vorhersagen sind sehr schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen», soll Niels Bohr einst gesagt haben. Er hatte recht. Black-Swan-Ereignisse sind nicht vorhersehbar, da sie per Definition «unbekannte Unbekannte» sind. Der dänische Physiker Per Bak untersuchte Lawinen und entdeckte, dass jedes einzelne Schneekorn die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs erhöht – dennoch können wir immer noch nicht vorhersagen, wann eine Lawine ausgelöst wird oder wie gross sie sein wird.

Dennoch sind Vorhersagen wertvoll. Die Bewertung von Eventualitäten ist das Wesentliche des Risikomanagements. Im Folgenden werden Möglichkeiten aufgeführt, die von Natur aus provokativ, aber im Kern plausibel sind – sie sollen zum Nachdenken anregen, nicht mit falscher Präzision vorhersagen.

  1. Die Abrechnung bei den Zwischenwahlen

Trump beginnt seine zweite Amtszeit mit einer geeinten republikanischen Kontrolle und einer ehrgeizigen Agenda. Aber die Kaufkraftkrise in Amerika wird zum bestimmenden Thema. Lebensmittel sind nach wie vor 30 Prozent teurer als vor fünf Jahren. Die Hypothekarzinsen bleiben hoch. Die «Big Beautiful Bill» wird zunehmend als Vermögensübertragung von der Mittelschicht auf die Reichen wahrgenommen – Steuersenkungen für Unternehmen und Milliardäre, finanziert durch Kürzungen bei den Leistungen für normale Amerikaner.

Unterdessen sind viele Menschen Trumps unerbittlicher Angriffe auf die vertrauenswürdigsten Institutionen Amerikas überdrüssig: Gerichte, Universitäten, die Federal Reserve, Medien. Er versucht sogar, das Nobelpreiskomitee unter Druck zu setzen.

Trumps dreiste Monetarisierung öffentlicher Ämter schreitet weiter voran, während die Begünstigung durch die Regierung mit privaten Gewinnen verschmilzt. Jede einzelne Übertretung mag unbemerkt bleiben, aber die Anhäufung baut Druck auf wie Baks Schneekörner.

Die Prognose: 2026 markiert den «Peak Trump». Die Republikaner erleiden erhebliche Verluste bei den Zwischenwahlen und verlieren ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus sowie mehrere Gouverneursposten. Die Lawine beginnt mit den Unabhängigen, die Trump wegen seiner wirtschaftlichen Kompetenz unterstützt haben und nun von den schlechten Ergebnissen desillusioniert sind. Gemässigte Vorstadtbewohner wenden sich ab angesichts der immer aggressiver werdenden Razzien der Einwanderungsbehörde ICE und der Einsätze der Nationalgarde. Jede Abwanderung macht die nächste einfacher.

Der entscheidende Moment: Republikanische Kandidaten in umkämpften Wahlkreisen vermeiden aktiv Trumps Unterstützung – und unterlaufen damit den Loyalitätstest, der die MAGA-Bewegung seit 2016 geprägt hat.

  1. Der Zusammenbruch der Zölle

Trump hat unter Berufung auf die nationale Sicherheit mit Hilfe seiner Exekutivgewalt umfassende Zölle verhängt. Rechtliche Anfechtungen werden derzeit vor Bundesgerichten verhandelt. Wirtschaftsdaten zeigen, dass die Rückverlagerung der Produktion minimal ist, während die Konsumentenpreise gestiegen sind.

Der Oberste Gerichtshof entscheidet mit 6:3 Stimmen, dass Trumps Zollregime die Kompetenzen der Exekutive überschreitet. Die Mehrheit ist der Ansicht, dass Zölle dieser Grössenordnung eine Besteuerung darstellen, die laut Verfassung dem Kongress vorbehalten ist. «Keine Besteuerung ohne Vertretung» war der Schlachtruf, für den viele Amerikaner in ihrem Kampf um die Unabhängigkeit ihr Leben liessen – der Gerichtshof wird nicht zulassen, dass er durch die Launen der Exekutive umgangen wird.

Die Prognose: Trotz anfänglicher Drohungen gibt Trump die Zölle innerhalb von 90 Tagen auf. Umfragen zeigen eine Ablehnung von 68 Prozent, und wichtige republikanische Senatoren verweigern die Genehmigung. Die Zölle haben weder zu einer nennenswerten Verringerung der Handelsabhängigkeit von China noch zu einer Eindämmung seiner Dumping-Exportpraktiken geführt. Die Lieferketten erwiesen sich als widerstandsfähiger als erwartet. Selbst unter den ursprünglichen Befürwortern herrscht Einigkeit: «America First» hat tatsächlich die Position Chinas gestärkt, da es seine Exporte auf andere Märkte (ASEAN, EU, globaler Süden) umleitet und diese Beziehungen vertieft, während die USA am Ende isolierter sind.

Was bleibt, sind geringfügige bilaterale Anpassungen mit kleineren Nationen und gesichtswahrende Rhetorik – der Berg hat eine Maus geboren. Wie das arabische Sprichwort sagt: «Die Hunde bellen, und die Karawane zieht weiter.»

  1. Wertzerfall des Dollars und fiskalische Abrechnung

Die Vereinigten Staaten haben ein Defizit in Höhe von Billionen Dollar und zunehmende Haushalts- und Handelsungleichgewichte. Die Kosten für den Schuldendienst belaufen sich auf fast 1 Billion Dollar pro Jahr. Trumps Steuersenkungen, erhöhte Verteidigungsausgaben und fehlende Zolleinnahmen führen zu einer fiskalischen Entwicklung, die an den Anleihenmärkten die Alarmglocken klingeln lässt.

Die Prognose: Der US-Dollar wird bis Ende 2026 um 12 bis 15 Prozent abwerten. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen steigen auf 5,2 Prozent, den höchsten Stand seit 2007. Zum ersten Mal in der modernen Geschichte übersteigen die jährlichen Schuldendienstkosten das Verteidigungsbudget – ein Vorbote des imperialen Niedergangs, der jedem Untergang einer Grossmacht von Rom bis Grossbritannien vorausging. Die Ära der Defizite ohne Konsequenzen neigt sich dem Ende zu.

Gold wird zum Hauptnutzniesser und steigt um 35 Prozent auf über 6100 Dollar pro Unze, da die Zentralbanken ihre Reserven diversifizieren – ein weiteres Anzeichen für das schwindende Vertrauen in Trumps aggressive Politik.

Die Folgen: Die Hypothekarzinsen in den USA bleiben hoch (durchschnittlich 7,5 Prozent) und schliessen Erstkäufer vom Immobilienmarkt aus. Die Heirats- und die Geburtenrate sinken weiter. Die Finanzierung des Gesundheitswesens, der Infrastruktur und der Forschung gerät unter Druck, da der Schuldendienst und erhöhte Verteidigungsausgaben die diskretionären Ausgaben verdrängen. Der politische Spielraum für eine lockere Defizitfinanzierung bricht zusammen.

«Zum ersten Mal in der modernen Geschichte übersteigen die jährlichen Schuldendienstkosten das Verteidigungsbudget – ein Vorbote des imperialen Niedergangs, der jedem Untergang einer Grossmacht von Rom bis Grossbritannien vorausging.»

  1. Die Abrechnung der KI

Die Märkte haben die transformativen Erträge der KI bereits eingepreist, wobei die Kapitalausgaben für KI-Infrastruktur jährlich bei über 500 Milliarden Dollar liegen. Die Bewertungen sind aufgrund der Hoffnungen und Versprechen der KI in die Höhe geschnellt.

Bain & Company schätzte kürzlich, dass bei diesem Investitionsniveau ein Jahresumsatz von 2 Billionen Dollar erforderlich ist, um eine angemessene Kapitalrendite zu erzielen. Die aktuellen Schätzungen der durch KI generierten Umsätze liegen jedoch nur zwischen 40 und 250 Milliarden Dollar – eine massive Lücke zwischen Investition und Rendite.

Das Problem ist nicht, dass KI versagt, sondern dass sie eher als nützliches Werkzeug denn als revolutionäre Kraft erfolgreich ist. Es ist wie mit dem PC im Jahr 1985 und nicht wie mit dem Internet 1998: Es gibt viele PC-Konkurrenten, aber nur ein Google.

Die Prognose: Die Aktienmärkte erleben zwischen März und August 2026 eine starke Korrektur um 25 Prozent, die durch die Neubewertung des KI-Sektors getrieben wird. Credit Default Swaps für gehebelte KI-Infrastrukturfirmen steigen auf ein kritisches Niveau. Die Korrektur erweist sich jedoch als begrenzt. Die Wirtschaft bleibt widerstandsfähig, und die Märkte beenden das Jahr mit einem Minus von 8 Prozent, nachdem sie einen Grossteil der durch Panik verursachten Verluste wieder wettgemacht haben.

Die Investitionen in KI-Infrastruktur sinken 2027 um 40 Prozent, da Unternehmen Nachweise für die Rentabilität verlangen. Die These, dass «KI alle Arbeitsplätze ersetzen wird», verliert an Glaubwürdigkeit.

  1. Die Renaissance des Föderalismus

In seiner zweiten Amtszeit behauptet Trump aggressiv seine Exekutivgewalt. Aber die Gouverneure und Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten – sowohl Republikaner als auch Demokraten – wehren sich gegen die Übergriffe des Bundes. Das Zollurteil des Obersten Gerichtshofs bekräftigt dessen Bereitschaft, die Exekutivgewalt zu kontrollieren.

Die Prognose: Eine Renaissance des Föderalismus entsteht als funktionale Antwort Amerikas auf eine übergriffige Exekutive. In einer wegweisenden 7:2-Entscheidung urteilt der Oberste Gerichtshof, dass der Präsident zwar über erhebliche aussenpolitische Befugnisse verfügt, die Umsetzung der Innenpolitik jedoch entweder der Zustimmung des Kongresses oder der Achtung der Souveränität der Bundesstaaten bedarf. Der Oberste Richter Roberts schreibt, dass die USA für «United States of America» stehen – eine Föderation souveräner Staaten, die nicht Vasallen des jeweiligen Bewohners des Weissen Hauses sind.

Die Zustimmungsrate des Gerichts steigt von 41 auf 58 Prozent und erreicht damit den höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten. Innovationen auf Ebene der Gliedstaaten blühen auf. Demokratisch regierte Staaten schliessen Klimaabkommen und schützen Einwanderer; republikanische experimentieren mit Bildungsreformen und Deregulierung.

Der Kongress erleidet das umgekehrte Schicksal. Bei den Zwischenwahlen 2026 kommt es zu beispiellosen Rücktritten – über 60 Prozent der Amtsinhaber verlieren entweder die Vorwahlen oder verzichten auf eine Wiederwahl. Eine jüngere, ideologisch weniger verfestigte Gruppe tritt ihr Amt an, von denen viele versprechen, für ihre Wähler zu kämpfen, anstatt sich der Exekutive unterzuordnen.

«Eine Renaissance des Föderalismus entsteht als funktionale Antwort Amerikas auf eine übergriffige Exekutive»

Die Korrektur des Systems

Diese fünf Prognosen haben ein gemeinsames Thema: Systeme unter Stress suchen nach einem Gleichgewicht. Politische Koalitionen zerbrechen, wenn Versprechen nicht eingehalten werden. Gerichte bekräftigen verfassungsrechtliche Grenzen, wenn die Exekutive ihre Befugnisse überschreitet. Märkte korrigieren sich, wenn Bewertungen sich von den Fundamentaldaten lösen. Die fiskalische Realität schränkt letztendlich selbst die mächtigsten Nationen ein.

Das Jahr 2026 könnte den Moment markieren, in dem das verfassungsmässige Immunsystem Amerikas, das von den Gründervätern genau zu diesem Zweck geschaffen wurde, endlich voll aktiviert wird. Die Gewaltenteilung, die föderalistische Struktur und die Marktmechanismen wirken alle darauf hin, Exzesse einzudämmen und Korrekturen zu erzwingen.

Ob diese Korrekturen zu einer echten Erneuerung führen oder lediglich die Auseinandersetzung mit tieferliegenden strukturellen Problemen verzögern, bleibt die Frage für 2027 und darüber hinaus. Aber Per Baks Lawine wird kommen. Die einzige Frage ist, ob die Mechanismen zur Selbstkorrektur des Systems wie vorgesehen funktionieren oder ob die sich ansammelnden Schneekörner schliesslich einen Zusammenbruch auslösen, den keine Institution aufhalten kann.

«Das Jahr 2026 könnte den Moment markieren, in dem das verfassungsmässige Immunsystem Amerikas, das von den Gründervätern genau zu diesem Zweck geschaffen wurde, endlich voll aktiviert wird»

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