Ohne Werte sind wir verloren
«Santa Maria degli Angeli» von Mario Botta, fotografiert von Sebastian Grote / mauritius images / Novarc Images.

Ohne Werte sind wir verloren

Für die Rettung der Freiheit brauchen wir ein Revival der christlichen Soziallehre.

 

Es gibt etwas, das dem liberalen Denken vorausgeht, es rechtfertigt und gedeihen lässt. Es ist das ethisch-moralische Fundament, das dem Liberalismus in vergangenen Tagen den Erfolg ermöglichte. Schon Hayek wusste, dass Christentum und Liberalismus wieder zusammengedacht werden müssen: «Ich bin überzeugt, dass es keine Hoffnung auf die Wiedergeburt liberaler Kräfte geben wird, wenn die Kluft zwischen wahrem Liberalismus und religiösen Überzeugungen nicht geheilt wird. (…) Viele Menschen sehen darin die einzige Hoffnung für die Bewahrung der Ideale der westlichen Zivilisation», erklärte der spätere Nobelpreisträger an der Gründungsversammlung der Mont-Pèlerin-Gesellschaft vom 1. April 1947.

Vielleicht wird es eine Neuauflage der liberalen Werte geben. Wir müssen aufpassen, dass diese nicht in eine Diktatur der säkularisierten Werte ausarten, die da heissen moralischer Relativismus und existenzieller Nihilismus. Beide sind letztlich das Gegenteil von Freiheit und Wahrheitssuche. Kaum haben wir die Diktaturen der Rasse und des Proletariats im 20. Jahrhundert abgeschüttelt, drohen wir im 21. Jahrhundert in die Diktatur der wertfreien Werte abzudriften. Wenn wir nicht akzeptieren, dass es Werte gibt, die von objektiven und nicht verhandelbaren Wahrheiten herrühren, die über jedem von Menschen gemachten Gesetz stehen, dann ist die Gefahr enorm gross, dass sich die ideologischen Katastrophen der Vergangenheit wiederholen. Ein Wertewandel oder eine Werterevolution kann nur dann gut sein, wenn zwei Dinge anerkannt werden: Der Mensch als Individuum ist einzigartig und unwiederholbar, und das Leben ist nicht nur nützlich, sondern heilig (unantastbar). Wenn die westliche Zivilisation wieder an Werte glauben soll, dann nur auf der Grundlage dieser beiden Prinzipien, andernfalls ist jeder Wert nach Gutdünken der jeweiligen Machthabenden beliebig wandelbar. Wenn die Werte aus einer neuheidnischen oder relativistischen und damit zynischen und nihilistischen Tendenz entspringen, dann wäre es besser, die von den Mächtigen herbeigesehnte Revolution würde nie erfolgen.

Es braucht heute viel Mut, um öffentlich zu sagen, dass das Kulturmodell des Westens, bei dem «die Wahrheit auf die persönliche Meinung und das Wohl auf Wohlbefinden reduziert wird» (in den Worten von Giacomo Biffi, dem einstigen Erzbischof von Bologna), versagt hat und sogar zu Gift geworden ist. Niemand darf es öffentlich zugeben, schon gar nicht hohe Politikerinnen und Politiker, aber wenn die Werterevolution nicht christlich ist, läuft sie letztlich nur auf eine elegante und grandiose Umverteilung von Unterdrückung hinaus.

Antworten auf die wichtigen Fragen finden

In unserem angebrochenen Jahrhundert dreht sich der ideolo­gische Kampf nicht so sehr um die Modernisierung der Dogmen der Vergangenheit. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir uns endlich wieder damit beschäftigen sollten, wer der Mensch und was sein Leben ist. Der amerikanische Präsident Donald Trump hat in seiner Rede in Warschau vom 6. Juli 2017 einige wichtige Fragen formuliert: «Haben wir genug Vertrauen in unsere Werte, um sie um jeden Preis zu verteidigen? Haben wir genug Respekt vor unseren Bürgern, um unsere Grenzen zu schützen? Haben wir den Wunsch und den Mut, unsere Zivilisation vor denen zu bewahren, die sie untergraben und zerstören wollen? (…) Und was ist mit der schleichenden staatstragenden Büro­kratie, die beidseits des Atlantiks den Menschen ihre Vitalität und ihren Wohlstand raubt?»

Von den Antworten auf diese Fragen wird das Überleben unserer westlichen Zivilisation abhängen. Es braucht dringend Diskussionen, wir sollten unbedingt wieder kulturell und politisch die Klingen kreuzen. Das Seilziehen um die Antworten wird aber nicht in erster Linie auf wirtschaftlicher, politischer, ideologischer oder wissenschaftlicher…

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»