Ohne Papiere in die Freiheit

Die Vorpremiere des privatfinanzierten Pilotfilms von «Les Sanspapiers» macht Lust auf mehr.

Ohne Papiere in die Freiheit
Die Kinoleinwand an der Vorpremiere von «Les Sanspapiers» in Muri, fotografiert von Ronnie Grob.

Wenn ein politisch wenig korrekter Künstler und ein anarchistischer Rechtsprofessor gemeinsam eine Fernsehserie drehen, dann ist die Vorpremiere des Pilotfilms ein Must. Die Initianten Andreas Thiel und David Dürr sehen den fast fertig geschnittenen Film «Les Sanspapiers» an diesem Januarabend im Dachgeschoss des Klosters Muri auch zum allerersten Mal – der Abspann etwa fehlt noch. Beim Apéro danach ist man sich einig: Der mit 1,4 Millionen Franken ausschliesslich privat finanzierte 60minütige Pilotfilm ist frisch, frech und rasant gedreht, die technische Qualität und die Schauspieler überzeugen. Sässe ich zu Hause auf dem Sofa, würde ich gerne Folge 2 anschauen – weil ich weiter unterhalten werden und wissen möchte, wie sich der Konflikt zwischen jenen mit und jenen ohne Papiere entwickelt. Die Serie spielt in einer kleinen Schweizer Gemeinde, die mit der grösseren Nachbarsgemeinde zwangsfusioniert zu werden droht, und mit der Ansiedelung eines Ausschaffungsgefängnisses einen Befreiungsschlag versucht. Verbesserungswürdig sind am ehesten die Dialoge, die mitunter auf gar einfach gestrickten Teenagerhumor setzen – während sich das Thema der Religion geradezu bleischwer über den Film legt. Wer vom Produzenten-Duo libertäre oder gar rechte Propaganda erwartet hatte, wird auf jeden Fall enttäuscht: Die Pilotfolge endet mit einer wilden Feier in der Kirche, Polizisten auf LSD und den Sanspapiers als heimliche Helden. Mehr davon bitte! Was es bei Erfolg auf jeden Fall geben wird. (rg)

 

In ausgewählten Kinos. Streaming ab Februar 2023 auf lessanspapiers.ch

«Abwechslungsreich,
neugierig und unberechenbar.»
Oliver Zimmer, Historiker,
über den «Schweizer Monat»