Obama und Michelle

Eben hatte ich mich gründlich und zeitraubend mit dem Thema auseinandergesetzt, das halb Deutschland in Atem hielt: Darf man den lieben Kleinen die Ausgaben von Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf, Otfried Preusslers Kleiner Hexe oder Michael Endes Geschichten von Jim Knopf heute noch vorsetzen, die seit langem im Büchergestell stehen? Da ist bekanntlich von Negern, Hexen […]

Eben hatte ich mich gründlich und zeitraubend mit dem Thema auseinandergesetzt, das halb Deutschland in Atem hielt: Darf man den lieben Kleinen die Ausgaben von Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf, Otfried Preusslers Kleiner Hexe oder Michael Endes Geschichten von Jim Knopf heute noch vorsetzen, die seit langem im Büchergestell stehen? Da ist bekanntlich von Negern, Hexen und dergleichen mehr die Rede – höchst problematisch! Sollte man doch erst die neuen, von den Verlagen gereinigten Fassungen erstehen, in denen nicht mehr der Negerkönig, sondern der Südseekönig Efraim Langstrumpf vorkommt, wie es die deutsche Familienministerin Schröder und die meisten der tonangebenden Medien vorschlagen? Pflanzt man den reinen kindlichen Seelen nicht vielleicht böse Kollektivstereotype ein, wie sie die Nazis gepflegt hatten? Obwohl andrerseits, wie in die Diskussion eingeworfen wurde, die deutschen Neonazis ihre Karriere kaum wegen dieser Kinderbücher (alte Version) eingeschlagen haben dürften.

Und dann dies: Die Fasnacht nahte. Und als was verkleiden sich die lieben Kleinen, sorgfältig auf politisch korrekten Sprachgebrauch getrimmt, am liebsten? Als Indianer, Zigeuner, Mohren, südländische Pistoleros – da werden fast alle Klischees ethnischer Diskriminierung bedient. Ein wahres Panoptikum der Vorurteile unserer Gesellschaft. Wie konnte das nur geschehen?

Da gibt’s nur eines: Auch die Kinderfasnacht muss purgiert, wenn nicht überhaupt verboten werden. An die Stelle des närrischen Treibens gehört Aufklärung über die richtige Benennung der Figuren, in die sich die Kleinen bar jeder Reflexion verwandelt haben: Sie heissen indigene Völker, Sinti und Roma, Inuit, mit denen man ebenso wenig Scherz treiben soll wie mit Chinesenmädchen, Türken und  afroamerikanischen Mitmenschen. Letztere haben wir in unserer Kindheit noch unschuldig «Neger» genannt. Aber kaum je einen zu Gesicht bekommen. Unsere Kleinen haben’s schwerer. Was sollen sie sagen? Unsere Tochter hat das Problem ganz einfach gelöst: Sie nennt alle Dunkelhäutigen, denen sie begegnet, Obama und Michelle.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»