«Noch sind wir in der Schweiz in einem liberaleren Umfeld»
Roger Harlacher, zvg.

«Noch sind wir in der Schweiz in einem liberaleren Umfeld»

Der politische Druck nimmt zu, den Salz-, Fett- oder Zuckergehalt von Produkten zu regulieren. Der CEO von Zweifel Pomy-Chips wehrt sich dagegen und setzt auf die Macht der Konsumenten.

 

Herr Harlacher, noch im Februar 2020 vermeldete Zweifel ein weiteres Rekordergebnis bei den Umsätzen. Wie ist die Firma nun von der Coronakrise betroffen?

Wir beliefern normalerweise die Hotellerie, die Gastronomie, Vereine, Snackstände, Ausflugsorte – all diese Kunden können wir derzeit nicht mehr bedienen. Supermärkte und Tankstellen erhalten natürlich weiterhin unsere Produkte, und im Detailhandel legen wir sogar zu – in der Summe setzen wir eher grössere Mengen ab. Dies auch, weil die Bewohner der etwa 3,8 Millionen Haushalte jetzt mehrheitlich zu Hause sind, dort ihr Mittag- und Abendessen einnehmen und zwischendurch auch snacken. Im operativen Geschäft haben die vom Coronavirus ausgelösten Weisungen des Bundesrats unsere Organisation, die Prozesse und Produktion deutlich verändert, was einen besonderen Einsatz unserer Mitarbeitenden erforderte. Glücklicherweise blieben wir alle bisher von einer Ansteckung mit dem Coronavirus verschont.

 Wer Gewicht abnehmen will, sollte nicht zu Chips greifen. Bestätigen oder dementieren Sie das?

Wie bei allem ist es eine Frage der Dosis, da bin ich ganz bei Paracelsus. Wer auf seine Gesundheit achtet, darf gut zwischendurch Pommes Chips essen, so wie er zwischendurch Schokolade, Käse, Wein oder Softdrinks konsumiert. Viele Leute essen gerne Pommes Chips, wissen aber gleichzeitig auch, dass sie nicht zu viel davon zu sich nehmen sollen. Der bewusste Genuss soll beim Konsum im Vordergrund stehen.

Was für Reaktionen erhalten Sie denn auf Ihre Produkte?

Ich staune oft über die vielen, auch emotionalen Rückmeldungen unserer Kunden. Ein Beispiel: Wir drucken ja – weltweit einzigartig – auf jeder Packung Chips ab, von welchem Bauernhof die Kartoffeln stammen. Die Kartoffeln für diese Packung hier (er nimmt eine Packung zur Hand) kommen von Christine Studer in Zuzwil im Kanton Bern. Im langjährigen Durchschnitt sind über 95 Prozent der von uns eingesetzten Kartoffeln aus der Schweiz. Trotzdem gibt es Situationen, in denen zu wenig Schweizer Kartoffeln für die Produktion zur Verfügung stehen, und dann gibt es Kunden, die nachfragen, warum kein Schweizer Bauer auf der Packung stehe. Aber schlechte Ernten können nun mal vorkommen. Kartoffeln sind ein Naturprodukt und der Ernteertrag ist stark witterungsabhängig.

Und Rückmeldungen zu gesundheitlichen Auswirkungen?

Die kommen hauptsächlich von Konsumentenschutzorganisationen. Sie üben Druck aus, bilden Interessengruppen und instrumentalisieren Politiker, bis das allenfalls in eine Initiative mündet, ein neues Gesetz oder eine neue Präventionsmassnahme entsteht. Politiker nehmen diese Vorlagen oft dankbar auf, schliesslich sieht sich jeder Konsument gerne geschützt. Noch sind wir in der Schweiz in einem liberaleren Umfeld. Der Druck nimmt aber zu, Regulierungen nachzuvollziehen, die von Regierungen und Verwaltungen in Brüssel ausgegangen sind.

Wie stehen Sie zu Zucker- und Fettsteuern?

Lenkungsmassnahmen sind nicht per se negativ, denken wir an die CO2-Lenkungsabgabe. Die gewonnenen Mittel müssen aber unbedingt zweckgebunden eingesetzt werden, und nicht, um irgendwo ein Finanzloch zu stopfen. Ähnlich könnte man bei Zucker, Fett und Tabak argumentieren, aber das gilt natürlich immer nur dann, wenn es übermässig konsumiert wird. Und da sind wir sofort wieder bei der Eigenverantwortung des einzelnen: Eigentlich haben wir Konsumenten enorm viel selbst in der Hand mit unserem Verhalten.

Ja, fast alles!

Würde die breite Masse massvolles Verhalten nicht nur artikulieren, sondern auch im täglichen Gebrauch konsequent ausüben, wäre vieles nicht notwendig. Fragt man Menschen vor dem Laden, ob sie für Tierschutz und nachhaltige Produktion seien, sagen fast alle Ja. An der Theke aber greifen dann doch viele beispielsweise zum billigsten Pouletfleisch und nicht zum ausgewogen gefütterten Schweizer Biohuhn mit viel Auslauf. Ein einleuchtendes Erlebnis zur Dissonanz zwischen Aussage und Verhalten hatte ich, als ich vor vielen Jahren bei Coca-Cola arbeitete: Es ging um die Einführung der Aludose in der Schweiz, und eine von uns durchgeführte Befragung zeigte, dass insbesondere Junge die Aludose aus ökologischen Gründen für völlig unangebracht…

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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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