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Neue deutsche Romantik für Intellektuelle

Jochen Distelmeyer singt für all jene, die durch die Städte straucheln und in den Dörfern einsam sind. Die deutsche Romantik lebt.

Der in Brake bei Bielefeld aufgewachsene Jochen Distelmeyer ist bekannt als Sänger von Blumfeld. Die nach einer Figur von Kafka bekannte Band war zunächst sperrig-disharmonisch im Sinne von Sonic Youth unterwegs («Zeittotschläger», 1992), öffnete sich aber mit der Zeit tiefen, sehr tiefen Gefühlen («Tausend Tränen Tief», 1999). Seit ein paar Jahren ist Distelmeyer, der mit «Otis» auch schon einen Roman geschrieben hat, solo unterwegs und wird im Herbst auf Tour gehen – der Auftritt in Zürich ist für den 27. Oktober 2022 geplant. Am 1. Juli erscheint sein neues Album «Gefühlte Wahrheiten», und daraus vorab ausgekoppelt liefert er mit «Ich sing für dich» einen Song, den man sich immer wieder anhören kann: «Ich sing von Anmut und Geborgenheit / auch wenn es komisch klingt / wenn ich so davon sing / ist alles, was ich sing, für dich gemeint». Ob Schubert, Brahms oder Beethoven: Das deutschsprachige Liedgut hat lange Tradition. Die Songs von Jochen Distelmeyer knüpfen daran an, und auch ein bisschen an Bob Dylan. Die deutsche Romantik war schon immer etwas aus der Zeit gefallen; umso schöner, dass es sie noch gibt, hier und heute. (rg)

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den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
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Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»