Nacht des Monats mit Dominic Deville
Dominic Deville, fotografiert von Lukas Rühli.

Nacht des Monats mit Dominic Deville

Zwei Winzlinge auf der Flucht.

Dominic Deville keucht vor mir auf allen vieren. Wir befinden uns in einem engen, dunklen Holztunnel, ich bin etwas ratlos, er kämpft sich eifrig der Wand entlang – irgendwo muss doch da ein Ausgang sein! Nach drei viel zu langen Minuten finden wir ihn tatsächlich (verschlossen), und nach fünf weiteren haben wir in der Düsternis des Tunnels auch ein paar Utensilien ertastet, mit denen sich das Türchen öffnen lässt. Doch damit sind wir nicht etwa frei, sondern die Flucht hat erst richtig begonnen. Ein grosser, hoher Raum mit überdimensionierten Möbeln: einer riesigen Kommode, einem gigantischen Kleiderschrank, einem Esstisch mit Stühlen so gross, dass man sie erklettern muss! Dazu ein Vogelkäfig in Menschengrösse mit verschlossener Tür – offenbar der Ausgang aus unserer Notlage. Wie sich dieses Scheissding entriegeln lässt, sollten wir in den nächsten 50 Minuten herausfinden, denn danach, so werden wir gewarnt, wird eine hungrige Hauskatze das Zimmer betreten – und die hat im Land der Riesen locker die Grösse eines ausgewachsenen Tigers. Anlässlich der Nacht das Monats gemeinsam mit dem SRF-Late-Night-Host Dominic Deville einer Felis silvestris cattus immanis zum Opfer fallen: Muss nicht sein.
Als ich Deville sechs Wochen davor für besagte Nacht des Monats anfrage, kommt seine Antwort prompt und in rekordverdächtiger Kürze: «Klingt toll. Bin dabei! Lass uns in einen Escape Room gehen!» And so we did. Die Wahl fällt auf den Raum «Auf der Suche nach Gulliver» beim Letzipark Zürich. Wir befinden uns auf Brobdingnag – womit auch die Dimensionen des Raums erklärt wären.
Dieser fordert – z.B. im Gegensatz zum «Da Vinci»-Raum gleichenorts – nicht so sehr eine hohe Intelligenz im Lösen kniffliger Rätsel, sondern vielmehr Aufmerksamkeit, Übersicht, ein gewisses Geschick und vor allem die Physis: Da wird geschoben, gezogen, gekrochen und geklettert. Nicht unbedingt meine Stärken, aber Spass macht’s mir allemal – obwohl Deville, voll motiviert, zwischenzeitlich genau daran neckisch leichte Zweifel äussert, denn er ist erfolgreicher im Finden von Gegenständen und kommt mir bei der Mehrzahl der Lösungen zuvor. Allerdings hat er geschummelt: Bei der Terminfindung versicherte er noch, er sei Escape-Room-Jungfrau; während wir auf Einlass in den Raum warten, erzählt er mir dann aber, er sei schon zwei Wochen zuvor mit seinen beiden Kindern (6 und 8 Jahre alt) erfolgreich «geflohen» – aus einem anderen Raum, versteht sich.
Für das Gespräch bleibt naturgemäss wenig Zeit. Ein Rätsel will ich aber gelöst haben: Wo ist Deville eigentlich hergekommen? Eine Late-Night-Show beim SRF kriegt man ja nicht aus dem Nichts! Tatsächlich war er, das ist einigermassen bekannt, einst Kindergärtner. Vor sechs Jahren schrieb er sein erstes Bühnenprogramm – über den Kindergarten. «Das war ein ziemlicher Erfolg in der Kleinkunstszene. Ich konnte schnell an allen wichtigen Orten auftreten. Mit meinem zweiten Programm tourte ich zwei Jahre, darunter waren auch zwei Auftritte bei Giacobbo-Müller und einer bei Aeschbacher», erklärt Deville. Vor vier Jahren sei er dann vom SRF um ein Sendungskonzept, das die Show von Viktor Giacobbo und Mike Müller ersetzen sollte, angefragt worden – genauer: er und 49 weitere Teams. Bald waren davon nur noch 3 übrig, die jeweils eine Pilotsendung produzieren durften. Das Konzept von Devilles Team, eine satirische Spielshow, fiel beim Testpublikum komplett durch. «Die fragten sich: ‹Was ist das für einer, und warum ist er so gemein zu den Gästen?› Wir meinten schon, wir seien draussen, doch das SRF sah Potenzial.» Allerdings habe der Sender um einen Konzeptwechsel gebeten. «Wir schlugen daraufhin eine Late-Night-Show vor. Und obwohl uns vorab klargemacht wurde, dass man nichts wolle, was Giacobbo-Müller zu ähnlich sei, sagten sie plötzlich: ‹Ja, super, eine Late-Night-Show!›» Seit drei Jahren ist Deville auf Sendung.
Und seit…

«Jeden Monat frische Denküberraschungen! Eine gehaltvolle und elegant gestaltete Zeitschrift.»
Francis Cheneval, Professor für politische Philosophie,
über den «Schweizer Monat»