Nacht des Monats  mit Robin Pickis
Robin Pickis auf dem Niederbauen, fotografiert von Sarah Amstad.

Nacht des Monats
mit Robin Pickis

Sarah Amstad erklimmt mit Robin Pickis den Niederbauen.

 

Als ich mit Robin Pickis bei der Bergstation des Niederbauens die Wanderung in Angriff nehme, starten auf einer steilen Grasflanke gleich mehrere Gleitschirmpiloten ihren Flug. Ob er das auch mal gerne machen würde, frage ich Pickis, der am Fusse des Niederbauens in Emmetten im Kanton Nidwalden aufwuchs. Er ist unschlüssig, überlegt und befindet schliesslich, dass er die Aussicht vom Gipfel jener aus der Luft vorziehe.

Unser Ziel ist der Niederbauen Kulm auf 1923 Metern über Meer. Ausgewählt wurde die Wanderung auf den Hausberg von Emmetten durch Pickis, der in den letzten Jahren vor allem als Host der SRF-Morgenshow «Zwei am Morge» auf sich aufmerksam machte: «Wir müssen es aber kombinieren mit einem Teller Älplermagronen, dort gibt es die besten!» Gut, die müssen wir uns nun aber erst verdienen.

Beim Aufstieg erzählt er mir von seiner bisherigen Karriere, die für einen 29-Jährigen beachtlich ist. Dass er es 2020 auf die Liste «30 under 30» der deutschen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins «Forbes» schaffte und damit zu den einflussreichsten 30 Unternehmern unter 30 zählte, verspricht bereits einiges. Einen Namen gemacht hat er sich vor allem in der Social-Media-Branche und als Comedian. Alles begann während seines Sportstudiums in Basel, als die App «Jodel» in den Vorlesungssälen die Runde machte. Mit ihr können Nutzer anonym lustige Kommentare veröffentlichen, die anschliessend von anderen Nutzern in der Nähe positiv oder negativ bewertet und ihrerseits kommentiert werden. Dabei kam Pickis die Idee, die besten Beiträge auf einer «Best-of-Jodel»-Seite auf Facebook zusammenzutragen. Der Seite wurde in kürzester Zeit tausendfach gefolgt. Nach einem Erstkontakt durch Pickis mit den Jodel-Gründern in Berlin entstand eine Kooperation, die schliesslich in die Gründung eines unabhängigen, inhaltlich analogen Formats in der Schweiz mündete: Mit «Schwiizchiste» betreibt Pickis heute einen der grössten Comedy-Kanäle hierzulande, der allein auf Instagram über 274 000 Follower verzeichnet.

Es war vor allem der Spass, täglich lustigen Content zu kreieren, der ihn antrieb. Sein Studium schmiss er 2019 hin und fokussierte von da an komplett auf die Arbeit als Content-Creator. Nur kurze Zeit später kam die Anfrage vom SRF, zusammen mit den Comedians Ramin Yousofzai und Julian Graf die Online-TV-Show «Zwei am Morge» zu hosten und produzieren. Während vier Jahren unterhielten die drei das vorwiegend junge Publikum mit der Show, die über YouTube ausgestrahlt wurde und zu Spitzenzeiten bei vielen Videos über 100 000 Aufrufe verzeichnete. Zusammen mit ihrem Team realisierten sie damit das bisher erfolgreichste Onlineformat von SRF. Einen weiteren Hit landete Pickis während der Coronapandemie mit dem selbstproduzierten Song «Bleiben Sie zu Hause», einem Mixtape aus Bundesratsstimmen von den Pressekonferenzen während des ersten Lockdowns.

Humor hat er bereits als Jugendlicher bewiesen, als er bei unseren gemeinsamen Schullektionen an der Kantonsschule in Stans die Lehrer auf Trab hielt. Wir erinnern uns an viele Episoden, haben einiges zu lachen, so dass der Aufstieg wie im Flug vergeht. Oben angekommen, ist er einmal mehr beeindruckt: «Ich glaube, das ist und bleibt die schönste Aussicht, die ich kenne!» Und das, obschon er mehrmals pro Monat auf diversen Schweizer Berggipfeln steht, die er auf seiner neuen Instagram-Seite «instaswiss» präsentiert. Zusammen mit einem Freund bewandert er die Schweiz, dokumentiert die Ausflüge ausführlich, inklusive schöner Fotos. Ihr Ziel ist es, junge Leute für die Natur zu begeistern. Die Idee ist, wie die anderen auch, spontan entstanden.

Pickis war immer schon ein Typ, der vor allem das machen wollte, worauf er Lust hatte. Aufgewachsen mit einem englischen Vater und einer holländischen Mutter, die beruflich viel unterwegs waren, wurde er früh selbständig. Das habe wahrscheinlich seinen unkoordinierten beruflichen Weg beeinflusst, den er bisher hinter sich brachte. Aktuell arbeitet er vor allem für seine eigene Social-Media-Agentur Artsome, dreht freiberuflich Dokumentarfilme und denkt fleissig über weitere, kreative Projekte nach.

Beim Abstieg knurrt bereits der Magen. Kurz bevor der Regen einsetzt, erreichen wir das Berggasthaus und möchten Älplermagronen bestellen. Leider sind wir zu früh dran und müssen uns mit der kleinen Karte begnügen. Deshalb gibt es Käseschnitte und Flammkuchen – auch zu empfehlen!

«Abwechslungsreich,
neugierig und unberechenbar.»
Oliver Zimmer, Historiker,
über den «Schweizer Monat»