Urs Arnold

Urs Arnold
Urs Arnold, photographiert von Michael Wiederstein.

Ich erinnere mich noch gut: Urs Arnold und ich krochen vor Jahren in einem Opel Corsa mit 75 PS den Furkapass hinauf. Wir kannten uns noch nicht so lang, arbeiteten erst seit wenigen Wochen zusammen, aber irgendeine Tagung im Wallis erforderte unsere frühmorgendliche Anwesenheit. Präsenz wäre wichtig, hatte man uns gesagt. Und: Doris Fiala war auch da. Die Sonne ging auf, als wir die Passhöhe erreichten, die Schneenadel des Finsteraarhorns glomm im Morgenlicht, unter uns plätscherte Gletscherwasser, wir klopften Gipfelikrümel von den Pullovern. Sonst war niemand unterwegs zwischen Andermatt und Gletsch. Damals, das weiss ich noch, habe ich gedacht: der Arnold, der ist ein Guter. So ein richtig Guter. Der raucht auch noch im Auto. Das machen nicht Kollegen, sondern vor allem Freunde. Und hab ihm eine Zigarette gedreht. Es glomm nicht mehr bloss das Finsteraarhorn.

Ja, Urs Arnold raucht. Das kann man mit Bestimmtheit sagen. Auch wenn er immer mal wieder aufhört. Er raucht. Er wird wohl immer rauchen. Und ich glaube, in den letzten 5 Jahren hat Urs Arnold mit niemandem mehr geraucht als mit mir. Das war nicht gesund. Aber immer unterhaltsam, nicht selten sogar produktiv, denn dem ehemaligen Marketingverantwortlichen des MONATS und mir ging beim Rauchen an allen Ecken der Schweiz so manches berufliche wie private Lichtlein auf. Selbst im tiefsten Winter diskutierten wir vor der Redaktionstür, so intensiv manchmal, dass sich die Arztpraxis im dritten Stock genötigt sah, uns zu bitten, künftig doch bitte hinter dem Haus zu rauchen – der ein- und ausgehenden Patienten (und ihrer Atemnot) wegen.

Nun rauche ich oft allein. Und nicht mehr so häufig. Das ist gesünder – aber eben auch nicht mehr so spannend. Urs Arnold hat
nämlich nach fünf erfolgreichen Jahren den MONAT verlassen. Vor Monaten schon. Und nun kommt er da über die Brücke, winkt mir in seinem himmelblauen Sakko zu – als wäre nix gewesen. Er trägt jetzt Bart, wie ich. Steht ihm. Besser als mir. Urs Arnold und ich, wir haben uns zum abendlichen Pendler-Abschied am Bahnhof immer umarmt. Nun umarmen wir uns zum Wiedersehen. Er drückt rasch seine Zigarette aus. «Ein Jever, nehme ich an?», fragt er mich, als er schon wieder abfliegt, um das Feierabendbier zu ordern. Seit wir uns kennen, schätzt auch Urs Arnold herbes Pils. Und wie zu unseren besten Zeiten füllt sich der Tisch denn auch rasch mit grünem Leergut.

Wer mit Arnold durch die Schweiz fährt, so wie ich das häufig getan habe, wird den Eindruck nicht los, dass er schon überall gearbeitet hat. In einer Kiesfabrik bei Hospental, bei einem Radio in Basel, bei einem grösseren Radio in Zürich, als Manager für Schlagerstars aus Sarnen – und nun legt er die Keller Luzerns trocken oder sorgt dafür, dass sie erst gar nicht nass werden. Seit Mai ist er in seiner Heimatstadt für eine Baufirma tätig. Dort ist ihm schon nach wenigen Wochen das gelungen, was ihm als Marketingverantwortlichem beim MONAT nie vergönnt war: maximale Präsenz zur besten Sendezeit im Fernsehen. Bei «10 vor 10» habe ich Urs schon einmal wiedergesehen, denke ich. Trug er da schon Bart? Ich weiss es nicht. Aber ich weiss seitdem, wie ein «Hochwasserklappschott» funktioniert. Und: dass Urs unser redaktionelles Abschiedsgeschenk, einen formschönen Bauarbeiterhelm, tatsächlich trägt.

Urs, der erste interne Marketingmann dieses Verlags, der auch nach Feierabend noch mit jeder Faser seines Fussballerkörpers an diese Zeitschrift glaubte – und glaubt. Er hat, ob am Telefon mit Kunden oder beim Bier mit den Kollegen, stets von irgendeiner «notwendigen Flexibilität» gesprochen. So oft, dass man es als Kollege wie als Freund dann fast nicht mehr hören konnte. Heute glaube ich, diese Marketingfloskel…