Muss es eine  eigene Stiftung sein?
Claudia Ineichen, Foto: www.reichmuthco.ch

Muss es eine
eigene Stiftung sein?

Manchmal macht eine Lösung mit einer Dachstiftung mehr Sinn. Bei der Abwägung ist der finanzielle Einsatz entscheidend.

 

Vielen Menschen, denen es wirtschaftlich gut geht und die über ein bestimmtes Vermögen oder Einkommen verfügen, ist es ein Bedürfnis, philanthropisch zu wirken. Sie möchten ihr Geld möglichst effizient, längerfristig und nachhaltig für einen guten Zweck einsetzen und etwas Bleibendes schaffen. Während früher dieses Bedürfnis eher bei älteren Menschen anzutreffen war, gibt es vermehrt auch jüngere Stifterinnen und Stifter, die noch im Erwerbsleben stehen. Auch erfolgreiche Unternehmer verspüren vermehrt das Bedürfnis, der Allgemeinheit etwas ­zurückzugeben, und fördern Projekte im unternehmerischen ­Umfeld. Was auch immer die Beweggründe sind: Allen gemeinsam ist das Bedürfnis, die Wirkung ihres Beitrages zu sehen, zu erleben und zu beeinflussen.

Wer gemeinnützig tätig sein will, kommt oft als naheliegende Lösung auf die Gründung einer eigenen Stiftung. Gemäss dem Schweizer Stiftungsreport gibt es in der Schweiz rund 13 000 gemeinnützige Stiftungen. 80 Prozent davon sind kleinere Stiftungen mit einem Vermögen von unter fünf Millionen Franken. Doch Vorsicht: Bei Stiftungen in dieser Grössenordnung sind die laufenden Kosten in der Regel höher als die jährlich erwirtschafteten Erträge. Und viele Menschen, die gemeinnützig tätig werden wollen, verfügen gar nicht über ein solch grosses Vermögen.

Typischerweise kommt auch nur ein Teil des Geldes beim ­definierten Ziel an. Besonders die Kosten für die Administration ufern schnell einmal aus. Und alles, was abgeht, kann nicht für die Gemeinnützigkeit eingesetzt werden. Die Erfahrung zeigt, dass eine eigene Stiftung erst ab einem Mindestkapital von fünf Millionen Franken ein vernünftiges Kosten-Nutzen-Verhältnis erreicht.

Das Stiftungsmodell ist kaum noch zu ändern

Die Wahl des Stiftungsmodells sollte man sich ganz zu Beginn gut überlegen. Ist eine eigene Stiftung nämlich einmal aufgesetzt, sind Änderungen in den Statuten oder in der Zweckbestimmung praktisch nicht mehr möglich. Die für viele praktikablere Lösung ist die Dachstiftung. Dabei schliessen sich die Donatorinnen und Donatoren vertraglich einer Dachstiftung an und erhalten so ihre eigene Unterstiftung. Dabei fallen schon vorab deutlich tiefere Gründungskosten an. Zudem stellt die Dachstiftung das Know-how, eine bereits bestehende Organisation und Administration zu kostendeckenden Preisen zur Verfügung.

Natürlich verliert der Donator oder die Donatorin nicht an Einfluss auf die eigenen Mittel. Es sind auch bei der Unterstiftung die Geldgeber, welche über die Verwendung der eingesetzten Mittel bestimmen. Die Formulierung der Zweckbestimmung – also wie das eingebrachte Stiftungsvermögen gemeinnützig eingesetzt werden soll – ist individuell und wird im Donationsvertrag festgelegt. Der Stiftungszweck kann dabei so formuliert werden, dass der Stifter sowohl heute als auch in der Zukunft bei seinen Vergabungen völlig flexibel ist. Bei einer Dachstiftung kann sich der Donator, die Donatorin, so wie bei einer eigenen Stiftung auch, vollumfänglich seinen bzw. ihren gemeinnützigen Projekten widmen. Spenden können zudem anonym oder unter eigenem Namen getätigt werden.

Steuerbefreit und gemeinnützig

Eine Unterstiftung eignet sich auch für jüngere Menschen im Erwerbsleben. So kann beispielsweise ein Jungunternehmer eine Unterstiftung eröffnen. Er zahlt dann im Rahmen seines finan­ziellen Spielraums und in Abhängigkeit seiner steuerlichen Abzugsmöglichkeiten jährlich in seine Unterstiftung ein, um so das Stiftungskapital zu äufnen. Eine Unterstiftung kommt in den ­Genuss der Steuerbefreiung der Dachstiftung. Kurz gesagt: Die ­eigene Unterstiftung ist von Beginn an steuerbefreit und gemeinnützig anerkannt.

Ein praktisches Beispiel: Um Menschen die Philanthropie besser zugänglich zu machen, gründeten die Reichmuth & Co Privatbankiers vor über 20 Jahren die Rütli-Stiftung mit Sitz in Luzern. Sie wurde als Dachstiftung konzipiert, ist steuerbefreit und untersteht der eidgenössischen Stiftungsaufsicht. Mit Hilfe solch einer Dachstiftung lässt sich der Wunsch nach Philanthropie realisieren, und zwar einfach, individuell und wirksam.

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