Morde mit Deformationsgeschossen…

Ausgerechnet ein Besuch auf dem Zürcher Weihnachtsmarkt stürzt Staatsanwältin Regina Flint in einen neuen Fall – auch wenn sich erst im Lauf der Ermittlungen herausstellen wird, wie komplex und bedrohlich die Geschichte ist, die geradezu harmlos beginnt: mit dem versuchten Diebstahl einer Matrioschka. Bald werden die ersten Leichen gefunden, Mordopfer, die nichts zu verbinden scheint, abgesehen davon, dass sie ohne plausiblen Grund mit einem Deformationsgeschoss getötet wurden. Dass aus den Regalen der Opfer jeweils eine Matrioschka entwendet wurde, ist für die Polizei auf den ersten Blick nicht ersichtlich…

Trotz einer heiklen Spurenlage, bewegten Nebenschauplätzen und der immer wieder aufflackernden Anziehung zwischen Staatsanwältin Flint und Kriminalpolizist Cavalli bringen die beiden allmählich Licht in ein besonders düsteres Kapitel des organisierten Verbrechens. Es geht um den globalen Drogenhandel, um Zürich als unerhört profitablen Umschlagplatz, auf dem sich alte (albanische) und neue (russisch-ukrainische) Banden die brutalsten Schlachten liefern, selbst auf Kosten von Unbeteiligten, ja sogar von Kindern. Dabei wird so realistisch und detailgetreu erzählt, von den Methoden der Kriminellen ebenso wie von den Methoden der Ermittler bei Polizei und Justiz, dass zur spannenden Fiktion auch eine spannende Dokumentation geliefert wird. Die plastische Gestaltung der Milieus und Charaktere tut ein übriges, um uns mitfiebern – und mitfühlen – zu lassen.

Dank ihrer ersten beiden Kriminalromane «Fremde Hände» und «Tote Träume» hat Petra Ivanov schon viele Freunde gewonnen, die sich nun über eine weitere Begegnung mit Flint und Cavalli freuen können. Wer die beiden noch nicht kennt, sollte den einen oder anderen langen Herbst-, beziehungsweise Winterabend nutzen, um das Versäumte nachzuholen – substantielle Unterhaltung ist garantiert.

vorgestellt von Patricia Klobusiczky, Berlin

Petra Ivanov: «Kalte Schüsse». Herisau: Appenzeller Verlag, 2007.

«Unverzichtbare Lektüre:
eine intellektuelle Zündkerze, die das
Weiterdenken in Gang bringt.»
Wolf Lotter, Autor und Mitgründer von «brand eins»,
über den «Schweizer Monat»