Mein Medienkonsum – Pascal Bührig

Das 21. Jahrhundert hat unsere Wohnzimmer erreicht. Dank der neuen Empfangsgeräte und dem Internet müssen wir uns stärker als je zuvor entscheiden, welche Medien wir konsumieren wollen, gibt es doch dank der neuen Möglichkeiten auch mehr Informationsanbieter als früher. Da jedwedes Wissen per Mausklick beschafft werden kann, finden sich jedoch immer weniger gehaltvoll und umfassend […]

Das 21. Jahrhundert hat unsere Wohnzimmer erreicht. Dank der neuen Empfangsgeräte und dem Internet müssen wir uns stärker als je zuvor entscheiden, welche Medien wir konsumieren wollen, gibt es doch dank der neuen Möglichkeiten auch mehr Informationsanbieter als früher. Da jedwedes Wissen per Mausklick beschafft werden kann, finden sich jedoch immer weniger gehaltvoll und umfassend berichtende Printmedien, weswegen ich solche auch kaum noch lese. Ich hole meine Artikel aus dem Netz, oft vorselektiert durch Facebook-Empfehlungen. Weil das nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, lasse ich mich zusätzlich von ein paar «Grossen» beraten, die von Texten über Videos hin zu visualisierten Analysen auf ihren Webseiten fast alles anbieten. Meine Favoriten sind die NZZ, Der Spiegel und The Economist.

Das Fernsehen ist vom Medienwandel noch radikaler betroffen. Weil die Fix- und Grenzkosten gesunken sind, häufen sich die Produktionen ins Unendliche. Zugegeben: auch ich gebe mich täglich für 30 bis 60 Minuten solch erheiterndem Trash wie Richter Alexander Hold und X-Diaries hin. Die qualitätsvolleren Sendungen gehen aber oft auf die Initiative der öffentlichen Sender zurück. Klar, einigen Privatsendern gelingt es, Marktnischen zu besetzen und international gerühmte Serienepen wie Breaking Bad oder The Tudors zu schaffen (trotzdem stets mit der Mindestzutat Sex und Mord). Dennoch schaffen es nur gebührenfinanzierte Sender wie SRF, auf konstant ansehnlichem Niveau ein umfassendes Portfolio von Quizshows über Sport bis Debatten- und Informationssendungen anzubieten, das zudem in einer Online-Videothek rund um die Uhr zugänglich ist. Besonders Formate wie die Rundschau, Reporter, Kassensturz und Eco – ob im TV oder via Podcasts – möchte ich nicht missen. Kein Fernsehsender der Welt wird es jemals allen recht machen. Doch mir scheint, dass Kreativlinge sich bei SRF eher durchsetzen können als bei RTL oder 3+. Wir sollten uns gut überlegen, ob wir wirklich auf die öffentliche Finanzierung dieses Angebots verzichten wollen, steckt doch der freie Markt stets im Anreiz-dilemma, letztlich nur an niederen Instinkten anzuknüpfen.

 


 

Pascal Bührig, ehem. Co-Präsident Juso Kanton Zürich