Mein Medienkonsum – Christian Zulliger

Als MTV am 1. August 1981 kurz nach Mitternacht auf Sendung ging, zeigte der Sender passenderweise als erstes das Musikvideo «Video killed the radio star». 2015 scheint Schumpeters «schöpferische Zerstörung» erneut zuzuschlagen. Nur muss es dieses Mal heissen: «Internet killed the TV star». Ob das hybride Fernsehen und Online-Videotheken dem traditionellen linearen Fernsehen tatsächlich den […]

Als MTV am 1. August 1981 kurz nach Mitternacht auf Sendung ging, zeigte der Sender passenderweise als erstes das Musikvideo «Video killed the radio star». 2015 scheint Schumpeters «schöpferische Zerstörung» erneut zuzuschlagen. Nur muss es dieses Mal heissen: «Internet killed the TV star». Ob das hybride Fernsehen und Online-Videotheken dem traditionellen linearen Fernsehen tatsächlich den Rang ablaufen werden, masse ich mir zu wissen nicht an. Für mich als marktwirtschaftlich denkenden Menschen steht das Verursacherprinzip im Zentrum. Meine Generation ist mit den neuen Medien aufgewachsen. Zwangsfinanzierte TV-Sender mit einem fixen Programm sind deshalb in meinen Augen längst veraltete Technologie. Es ist einer freien Gesellschaft unwürdig, Menschen zur Bezahlung einer Dienstleistung zu zwingen, die sie nicht empfangen möchten.

Mein Medienkonsum ist mobiler, personalisierter und verursachergerechter als jener der Generation meiner Eltern. Weil ich ein grosser Printmedien-Fan bin, habe ich zwei Tageszeitungen abonniert, die NZZ und die FAZ. Für News habe ich einen Bloomberg-Zugang, Blick Online liefert mir Stoff für kurze Pausengespräche. Vertiefend dazu lese ich die «Weltwoche» und zwei Monatsmagazine, darunter den «Schweizer Monat», im Abo. Austauschbare Gratiszeitungen interessieren mich kaum. Komplexe Inhalte lassen sich nicht in 300 Zeichen abhandeln und ich brauche Lesestoff für mehr als zwanzig Minuten. Auch auf klassisches Fernsehen kann ich gerne verzichten, besitze ich doch keinen Fernseher, nicht mal ein Radio. Da ich aber unter der Woche gerne einmal einen Film schaue, habe ich verschiedene Internetlösungen ausprobiert: Zattoo, Wilmaa, Amazon Prime Instant Video und einige kostenlose Streaming-Anbieter. Diese haben alle ihre Vor- und Nachteile. Ein Selbstversuch lohnt sich. Schliesslich habe ich ein Netflix-Abo gelöst; für 150 Fr. pro Jahr kann ich unbegrenzt Filme, Serien und Dokus schauen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat kein Alleinstellungsmerkmal mehr und produziert auch nicht das, was mich interessiert. Auf dem freien Markt erhalte ich bezüglich Medien, was ich will, wo ich will. Und bezahlen? Bezahlen tue ich, was ich bestellt habe.

 


Christian Zulliger, Vorstand Jungfreisinnige Kanton Zürich und Vize der Bezirkspartei Zürcher Weinland der FDP