Mehr Pioniergeist!

Kreativität, Unternehmertum, Innovation: dafür steht Solar Impulse von Bertrand Piccard, die Idee der Weltumrundung mit einem Solarflugzeug. Alfred N. Schindler nennt es eines der inspirierendsten Cleantech-Projekte der Gegenwart. Ein Gespräch über den Willen, Grenzen zu verschieben, und die Welt der Zukunft.

Mehr Pioniergeist!

Herr Schindler, Sie halten sich, was Auftritte in der Öffentlichkeit betrifft, eher bedeckt. Nun unterstützen Sie als einer der Hauptpartner das Projekt Solar Impulse von Bertrand Piccard. Steckt dahinter Kalkül oder hat es Ihnen der Traum der Weltumrundung eines solarenergiegetriebenen Flugzeugs einfach angetan?

Im ersten Punkt haben Sie recht. Die Firma und die Produkte sollen im Vordergrund stehen und nicht meine Person. Sicher ist Piccards Vision faszinierend. Für die Partnerschaft sind jedoch drei handfeste Botschaften ausschlaggebend, die das Solar-Impulse-Programm vermittelt. Erstens geht es um eines der inspirierendsten und wichtigsten Cleantech-Projekte der Gegenwart, weil es nicht einfach vom Energiesparen ausgeht, sondern technologisches Neuland erobert. Zweitens steht es für genau jenes grundlegende Unternehmertum, das für die Schweiz und für Europa so wichtig ist und das sich auch mit meinem persönlichen Credo deckt. Und drittens zeigt es, was bahnbrechende Innovation entfesselt – nämlich nicht primär das Geld, sondern zündende Ideen und der Wille, Grenzen zu verschieben. Jede dieser Botschaften ist eine Vertiefung wert.

 

Darauf kommen wir noch. Bleiben wir erst einmal bei der Techno-logie. Was Flugzeuge und Aufzüge miteinander zu tun haben,
erschliesst sich mir nicht auf den ersten Blick.

Es gibt Parallelen zwischen Solar Impulse, unserer Strategie und unseren Produkten. Die Frage ist für Piccard wie auch für uns die gleiche: wie intelligent sind wir darin, tagtäglich Menschen zu bewegen, und worauf kommt es dabei an? Die Swissair transportierte zuletzt 40 Millionen Passagiere im Jahr, Schindler bewegt eine Milliarde Menschen jeden Tag. Dies verdeutlicht, welche Aufgabe allein von Schindler bewältigt wird. Noch wichtiger als der Energieverbrauch bei der Herstellung ist in diesem Zusammenhang jener des täglichen Transportbetriebs, vor allem wenn man die 30- bis 50jährige Lebensdauer von Aufzügen berücksichtigt. Hier ist die erste, industriell interessante Schnittstelle zu Solar Impulse. Piccard will einen Nullverbrauch von fossilen Energieträgern. Gezielte Innovationen revolutionieren die Struktur des Materials, verbessern seine Festigkeit und reduzieren sein Gewicht massiv. Davon profitieren auch wir, denn solche Innovation kann, unabhängig vom Solarantrieb, auch bei unseren Anlagen zu einem markant und nachhaltig tieferen Energiekonsum führen.

 

Das ist das Ideelle, sozusagen die Seite der Inspiration. Wie genau muss man sich die Zusammenarbeit innerhalb der Partnerschaft vorstellen?

Eine zweite Schnittstelle ist die von der Ecole Polytechnique Fédérale in Lausanne wissenschaftlich begleitete Einbettung von Ingenieuren aus 50 Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Ländern ins Solar-Impulse-Programm, mittendrin auch solche von Schindler. Da kommen hochmotivierte Top-Köpfe, verschiedene Backgrounds und ein gemeinsames Ziel zusammen. Daraus resultiert nicht nur ein einzigartiges Netzwerk, sondern eine intensive wechselseitige Befruchtung, die zu neuen Erkenntnissen führt und auf hohem Niveau alle weiterbringt.

 

Also interdisziplinäre Zusammenarbeit. Auf welche technischen Innovationen, die sich auf Aufzüge übertragen lassen, haben Sie es konkret abgesehen?

Der Solar Impulse HB-SIA hat die Spannweite eines Airbus, aber bloss die Kraft eines Mopeds. Es geht nicht um mehr Pferdestärken, es geht um äusserste Wirksamkeit. Ein einziger Mensch kann den Rumpf ohne technische Hilfe heben. Ein so leichtes und grosses Flugzeug muss unterwegs gewaltige Kräfte aushalten können. Die Fläche der Flügeloberseite ist mit rund 12 000 Solarzellen bestückt. So kommen Leichtigkeit, Festigkeit und Antriebseffizienz zusammen. Dahinter stehen ganz konkrete Fortschritte, nicht zuletzt bei neuen Verbundmaterialien und deren Strukturen. Das geht vom rohrförmigen Design, einem Quantensprung beim Maschinenbau, über neuartige Wabenstrukturen mit extrem hoher Torsionsfähigkeit bis zur ausgeklügelten Solartechnologie. Aber es ist nicht der einzige Grund für die Partnerschaft zwischen Schindler und Solar Impulse. Schlechthin wegweisend sind die erwähnten Hauptbotschaften, also die Geisteshaltung, das unternehmerische Vorgehen und der Innovationsprozess.

 

Kommen wir auf diese Trias zurück. Unternehmerische Initiative und Innovation sind klassische Voraussetzungen für Erfolg. «Cleantech» klingt aber eher nach einem Mode- bzw. Schlagwort. Da regt sich bei mir instinktiv…

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»