Maske der Freiheit

Warum sie uns allen dient

 

Hunderte von Menschen demonstrieren gegen die Maskenpflicht auf der Strasse, weil sie ihre persönliche Freiheit dadurch angegriffen sehen. Es ist, als sei das Volk von der Regierung in Handschellen und Fussfesseln gelegt worden. Dabei sprechen wir hier lediglich von einem kleinen Stück Stoff, das vor einem Virus schützt. Bei der Maskenpflicht geht es nicht um einen Angriff auf die Freiheit, sondern um Solidarität und um Respekt vor den Menschen, die uns umgeben. Denn selbst wer sich kerngesund fühlt, kann das Virus in sich tragen und ­andere anstecken. Und zwar auch Menschen, bei denen die Erkrankung nicht so milde verläuft wie bei einem selbst. Oder um einen Vergleich mit einem anderen Virus herbei­zuziehen: Wenn ich nicht sicher bin, ob ich mich irgendwann irgendwo mit HIV infiziert habe, mache ich einen Test – oder es wird ein Kondom getragen.

Wie viele dieser Demonstranten lassen sich ihre Freiheit in anderen Bereichen einschränken, ohne aufzumucken? Sie tragen einen Helm auf dem Töff, den Gurt im Wagen, sie ­fahren (hoffentlich!) nicht so schnell, wie sie wollen, und sie lassen sich jeden Morgen um halb sieben aus dem Schlaf läuten, weil sie unfrei zur Arbeit müssen. Sie rennen nicht nackt durch die Strassen, auch wenn ihnen danach wäre, sie benehmen sich innerhalb der Norm, auch wenn ihnen nicht danach ist, und sie folgen tagtäglich vorgeschriebenen Regeln, die sie einschränken. Die absolute Freiheit für das Individuum existiert nicht – würde jeder machen, was er wollte, wäre es mit der freiheitlichen Gesellschaft vorbei. Denn die Geschichte zeigt: In der Gesetzlosigkeit sind nur die Rücksichtslosen frei.

Für mich bedeutet die Maske, ein wichtiges Stück Freiheit zurückgewonnen zu haben: die Bewegungsfreiheit. Ich kann mich wieder bewegen in diesem Land und auf dieser Erde, die beinahe zum Stillstand gekommen war. Ich setze mich mit Maske in den Zug, ich steige mit der Maske ins Flugzeug – und ich fühle mich dabei sicher und frei, weil auch die anderen Masken tragen. Freiheit funktioniert nur in einer solidarischen Welt.

«Der Entkalker fürs Hirn:
Nicht links, nicht rechts –
einfach intelligent!»
Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
über den «Schweizer Monat»