Making Of 1048

Die Verteidigung steht

Die schlechte Nachricht zuerst: die offenen  Gesellschaften haben wieder Feinde! Letztere haben sich jüngst in einer globalen Konterrevolution zuerst Gehör und dann auch immer mehr Macht verschafft. Das muss jeden aufgeklärten Bürger unmittelbar herausfordern, meint Timothy Garton Ash.

Seine Forschung zu Diktaturen und ihrem Umgang mit Redefreiheit hat ihn berühmt gemacht, nun gibt er wichtige Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit: Kommt diese Konterrevolution von links oder von rechts? Was kann gegen sie in Stellung gebracht werden? Was bleibt, wenn das gute Argument gegenüber populistischen Vereinfachungen nichts mehr zählt? Und: wann sind viele von uns eigentlich zu bequem geworden, um öffentlich zu widersprechen?

Sie erfahren es im ausgiebigen Streitgespräch, das Michael Wiederstein mit dem wohl bekanntesten britischen Historiker unserer Zeit geführt hat. Mehr dazu hier.


 

Liberaler Lagerkoller

Nach aussen machen die sich der Freiheit dezidiert verpflichtenden Parteien den Anschein trauter Harmonie. Doch es gibt Konflikte, die kaum noch zu überdecken sind: zwischen jungen Ordnungspolitikern und alten Klientelpolitikern in der FDP, zwischen Bauernvertretern und Libertären in der SVP, zwischen Paternalisten und Humanisten in der CVP, zwischen kühlen Rechnern und heissen Utopisten bei den Grünliberalen. Dabei ist jede Gruppe darum bemüht, den eigenen «liberalen» Ansatz als den «einzig wahren» zu vermarkten. Die Folge? Grabenkämpfe, ständige Distanzierungsbestrebungen, keine kohärente Zusammenarbeit.

Auch in unserer Redaktion gehen die Vorstellungen darüber, was «liberal» ist, manchmal auseinander. Die regelmässigen, daraus entstehenden Diskussionen sind jedoch fruchtbar. Wir meinen: die Antwort auf die Fragmentierung freiheitlicher Ansätze kann kein Katechismus sein! Ein Liberalismus als Glaubensrichtung, deren Abweichler exkommuniziert werden, wäre antiliberal.

Selbstanalyse und Selbstkritik sind ein erster Schritt hin zum Wandel und zum Erfolg einer Allianz in intellektueller Vielfalt, basierend auf einem klaren, ordnungspolitischen Ansatz. Im Schwerpunkt liefern wir eine pointiert-kritische Diskussionsgrundlage zum Thema – Reaktionen und Repliken sind erwünscht!


 

Sand in die Wüste tragen?

Wer in den letzten Jahren Athen besucht hat, wird festgestellt haben, dass in der griechischen Hauptstadt Mangel an vielem herrscht, an Kunst und Kultur aber sicher nicht. Gleichwohl darf sich Athen in diesem Jahr über «kulturelle Entwicklungshilfe» freuen – pikanterweise kommt diese allerdings aus Deutschland: Erstmals in ihrer Geschichte findet die grösste Kunstausstellung der Welt, die Documenta, nicht nur im hessischen Kassel statt, sondern auch rund um die Akropolis. Eine Herausforderung der speziellen Art war das für unseren Kunstkorrespondenten Johannes M. Hedinger. Innerhalb weniger Tage (und kurz vor Redaktionsschluss) musste er nicht nur die 3000 Kilometer voneinander entfernten Ausstellungsteile eingehend studieren, sondern auch die mit der Teilung einhergehenden politischen Reibungen beleuchten. Seine Entdeckungen (nicht nur) für reiselustige Kunstfreunde fasst er hier zusammen.