(7) Macht und Kultur – Potentaten als Mäzene

Mäzenatentum spielt sich seit je im Spannungsfeld politischer, ökonomischer und kultureller Potentaten ab. Auch in der grundsätzlich machtskeptischen Demokratie braucht es die wirtschaftlichen Potentaten als Mäzene. «Weg vom Staat» heisst nicht weniger, sondern freiwillig mehr für anderes zahlen.

Kunst ist eng mit Macht und Machthabern verbunden, und ihre Entwicklung als Auftragskunst war stets der Visualisierung prächtiger, absolutistischer Erhabenheit dienlich. Dieser Befund trifft selbst noch im modernen demokratischen Staat zu. Neben Staat und Kirche gab es immer auch private Kunstförderer. Auch dieses Feld ist aber nicht frei von menschlichen Eitelkeiten. Heutige Potentaten sind wirtschaftliche Unternehmen. Warum sollen diese nutzengerichteten Organisationen der Kunst Geld geben? Es gibt einen Grund: Kreativität wird nicht im Versandhauskatalog angeboten, und Seminare dazu sind meist unfruchtbar.

Macht entsteht – wie Elias Canetti bemerkt – «wenn Gewalt sich Zeit nimmt». Sie ist ein Phänomen, um dessen Erfassung schon viel gerungen wurde. Am berühmtesten ist wohl Max Webers Umschreibung der Macht als Chance, den eigenen Willen durchzusetzen. Jacob Burckhardt sah sie in seinen «Weltgeschichtlichen Betrachtungen» durchaus von der bösen Seite: «Und nun ist die Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübt. Sie ist kein Beharren, sondern eine Gier und eo ipso unerfüllbar, daher in sich unglücklich und muss also andere unglücklich machen.»

Als Jurist konstatiert man zunächst, dass der Staat sich letztlich (auch) aus dem Gewaltmonopol legitimiert. «Obrigkeit ohne Macht wird verlacht», lautet ein Sprichwort. Der Staat als Nachfolger der Potentaten wird heute als der territoriale Monopolist der Gewalt bezeichnet. Er hat Macht, doch hat er sie nicht mehr unbeschränkt. Ein anderes Sprichwort charakterisiert den Rechtsstaat, der Recht vor Macht stellt und dabei stets gefährdet ist: «Kommt die Macht, so fällt das Recht in Acht.»

Macht wollen wir heute im demokratischen Rechtsstaat aber brechen, banalisieren, moderieren usw., doch können wir uns keinen Illusionen hingeben: mit Machtphänomenen kämpfen wir täglich, auch mit kleinen und grossen Missbräuchen. Elfriede Jelineks Titel «Macht nichts» ist zynisch gemeint.

Die Feudalherren des 18. und die Diktatoren des 20. Jahrhunderts hatten vielfältige machtpolitische und auch psychologische Motive, um sich die Gunst von Künstlern zu erwerben und sich dadurch auch einen Platz in der Kulturgeschichte zu sichern. Ludwig XIV. verewigte sich nicht nur in Prunkbauten, sondern auch in der Musik eines Jean Baptiste Lully, Friedrich II. von Preussen holte Voltaire nach Potsdam und ging überdies als dilettierender Flötist in die Musikgeschichte ein. Selbst Stalin fand in Schostakowitsch einen Komponisten, der ihm in seiner Leningrader Symphonie ein wohl unverdientes, aber eindrucksvolles Denkmal setzte.

Was sind nun aber die Gründe, die wirtschaftliche Unternehmen, also moderne Potentaten, veranlassen könnten, als Mäzene aufzutreten?

Die Musen sind Töchter des Zeus, eines auch ziemlich üblen Potentaten und sogar bulligen Schürzenjägers, zum Beispiel nach der armen Europa, wozu Heinrich Heine anmerkte: «Ja, Europa ist erlegen – Wer kann Ochsen widerstehen?». Mutter der Musen ist die Mnemosyne, also die Erinnerung, das Gedenken (von den Römern dann schlicht auch Moneta genannt). Der Musen gemeinsame, allgemeine Aufgabe wurde es, den Menschen Wissen, überzeugende Beredsamkeit und ein friedliches Gemüt einzugeben. Kunst kann also nach Belieben angriffig, verdrehend, subversiv oder bestätigend, ja affirmativ sein. Das ist auch nicht ohne Gefahren. Soweit wir in der Literatur zurückgehen können, steht die Kunstausübung in einem sozialen Verhältnis zur jeweiligen Herrschaftsform, dienend oder unterstützend, kritisierend oder oppositionell.

Fragt man nach Gehalt und Ursprung des Mäzenatentums im eigentlichen Sinne, so stammt der Name ja von dem geschichtlich in der augusteischen Epoche ausgewiesenen Manne Mæcenas ab, der als Stellvertreter des Augustus eine bedeutende und auch enorm einträgliche Machtstellung innehatte, die erst abnahm, als sich das Verhältnis zum Princeps wegen dessen betonten Interesses für Mæcenas’ Frau Terentia abkühlte. Mæcenas gilt aber in guter antiker Tradition auch als durchaus bisexuell. In das Gedächtnis und den Sprachschatz der Nachwelt eingegangen ist sein Name aber vor allem durch seine grosszügige Förderung der Literatur.

Es wäre interessant, eine Geschichte des Mäzenatentums anhand des über die…

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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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