Machet sie euch untertan!

Wie politische Strömungen ihr Programm dem Klima überstülpen.

Das Muster ist bekannt: Eine Protestwelle – in diesem Fall Schülerinnen und Schüler gegen den Klimawandel – wird nach und nach von den Profis der ausserparlamentarischen Opposi­tion von linksaussen bis linksextrem gekapert: Nur der Kampf gegen den Kapitalismus stoppt das Abschmelzen der Pole, nur die Überwindung des Patriarchats rettet die Eisbären. Hierfür sind die üblichen Instrumente wie besetzte Bankeingänge, gesprayte Parolen und lahmgelegte Verkehrskreuzungen unabdingbar. Gerne zieht die parlamentarische Linke nach: zusätzliche Reichtums- und Finanztransaktionssteuern, mehr Kinderkrippen und Sozialhilfe sind zwingend, um die Erde abzukühlen.

Dabei könnten auch andere politische Strömungen ihr Programm dem Klima überstülpen – und tun es zuweilen auch. Rechts ist der Ausländer am CO2-Ausstoss schuld: Er soll die Natur gefälligst in seiner eigenen Heimat übernutzen. In der Christlichen Volkspartei liesse sich die Genesis klimafreundlich interpretieren: «Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan» (1. Mose, 1,28) sei kein Aufruf zur Ausbeutung, sondern zur Hege und Pflege. Und die BDP wird sicherlich zu beweisen wissen, dass ökologisch und langweilig letztlich das Gleiche meint.

Dem wollen wir Liberale natürlich in nichts nachstehen: Die Tragödie der Allmende kann nur die unsichtbare Hand lösen. Je mehr Eigentumsrechte es gibt, je freier der Handel funktioniert, desto sorgsamer und effizienter gestaltet sich der Umgang auch mit den natürlichen Ressourcen. Der technologische Fortschritt trägt dazu bei, dass das Wachstum immer umweltverträglicher wird. Der Staat hat nur die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. Mit einem detaillierten Plan jedoch wird die Welt nicht gerettet, wie sie übrigens entgegen der Meinung von Kreationisten auch nicht erschaffen worden ist.

Liberty first! Cool down please.

«Jeden Monat frische Denküberraschungen! Eine gehaltvolle und elegant gestaltete Zeitschrift.»
Francis Cheneval, Professor für politische Philosophie,
über den «Schweizer Monat»