Luft anhalten für das Klima

Weltretten ist gerade unglaublich hip! Vor allem, wenn es um die CO2-Reduktion geht. Doch erhitzte Gemüter verschmutzen das wissenschaftliche Diskussionsklima, findet Vince Ebert. Eine kleine Einführung in die Klimadebatte.

Luft anhalten für das Klima

Der Fernsehmoderator Günter Jauch trinkt Krombacher-Bier für den Regenwald. Cameron Diaz benutzt einlagiges Klopapier. Und Frank Asbeck, der Chef der Bonner Solarworld AG, fährt seinen 300 PS starken Maserati aus Energiespargründen nur noch, wenn die Sonne scheint: jeder kleine Beitrag zählt, denn es sieht nicht gut aus für die Zukunft unseres Planeten.

Das Klima spielt verrückt, und wir mit unserer CO2-Produktion sind daran schuld. Meint zumindest Al Gore. Und mit ihm praktisch der gesamte Weltklimarat IPCC. Und spätestens seit das renommierte Wissenschaftsmagazin BILD titelte: «Geheimer Klima-Bericht – Wir haben nur noch 13 Jahre!», geriet ein ganzes Volk in Panik. An der Sache muss etwas dran sein. Jeder redet darüber, und in allen Sendungen wird uns eingeheizt: Wir haben auf Kosten der Natur gelebt, haben diesen Planeten ausgebeutet – und bekommen jetzt die Quittung. Wir sind schuld, weil wir sorglos unsere Ressourcen durch den Kamin blasen. Wir haben uns an dieser Erde versündigt und müssen nun büssen. Denn: CO2-Sünder sind wir!

Die grössten Klimasünder sind übrigens Nationen wie USA, Japan oder Frankreich. Länder wie Nordkorea, Simbabwe oder der Iran dagegen schneiden in der CO2-Bilanz wesentlich besser ab. Da frage ich mich: Können wir uns die Demokratie überhaupt noch leisten?

Deutschland setzt in puncto Klimaschutz auf den sogenannten Emissionshandel. Keine neue Idee, der mittelalterliche Ablasshandel ist das Vorbild: Wenn ich an einer Stelle CO2 verbrauche, kann ich mich von der Sünde freikaufen, indem ich es an anderer Stelle wieder einspare. Angenommen also, Sie haben einen Porsche Cayenne und fahren im Monat 1000 km. Damit blasen Sie etwa 400 kg CO2 in die Luft. Diese immense Menge können Sie ganz leicht wieder einsparen und zwar durch – Atmung! Ich hab’s ausgerechnet: Wenn ich 35 Minuten lang die Luft anhalte, kann ich dafür mit einem Cayenne CO2-frei zum Bäcker fahren. Man muss eben auch mal kleinere Brötchen backen. 

Als ich ein Kind war, hatte man übrigens noch ganz andere Zukunftsängste. Vor 30 Jahren prognostizierten viele Fachleute panisch eine bevorstehende Eiszeit. Damals gingen drei Jahrzehnte lang die Temperaturen kontinuierlich nach unten. Als jedoch in den 70ern die hoch toupierten Frisuren in Mode kamen, änderte sich schlagartig das Weltklima. Alleine der Haarsprayverbrauch meiner Mutter liess die Globaltemperatur innerhalb weniger Monate um 2,5 Grad nach oben schnellen. Und obwohl sie bald auf einen CO2-neutralen Kurzhaarschnitt umstieg, hatte sie damit wohl eine andere tödliche Spirale in Gang gesetzt. Denn seitdem wird’s immer wärmer. Und die hohen Temperaturen steigen uns mehr und mehr zu Kopf. Mein Nachbar lässt mittlerweile sogar nachts sein Eisfach offen, um die Erderwärmung aufzuhalten.

Wie gross sind also wirklich die Chancen, dass wir den Eskimos in dreizehn Jahren aufgrund unseres CO2-Ausstosses endlich Kühlschränke verkaufen können? Seriöse Forscher sind sich in dieser Frage vollkommen einig. Die Antwort lautet entschieden: «Wissen-wir-nicht!» Nicht ganz zu Unrecht, denn unser Klima ist ein hochkomplexes System. Dutzende von Einflussgrössen stehen in kompliziertesten Wechselwirkungen zueinander. Und jeder Mathematikstudent weiss: Schon eine Gleichung mit drei Unbekannten ist nicht lösbar (während eine Begegnung mit drei Unbekannten durchaus schöne Ergebnisse erzielen kann). Natur ist nichts anderes als Wandel. Und der Klimawandel ist eine Realität. Bleibt die Frage, wie und ob der Mensch dazu beigetragen hat. Das einzige, was wir sicher wissen, ist: In den letzten Jahrzehnten gingen die Temperaturen stark nach oben. Und wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, werden sicherlich viele Regionen unseres Erdballs mit grossen Problemen zu kämpfen haben. Andererseits haben höhere Temperaturen durchaus auch positive Aspekte. Die Heizkosten weltweit werden sinken. Ganz Sibirien wird fruchtbarer werden. Und wenn ich an die Nordsee möchte, spare ich mir die Fahrt durch Holland.

Es darf übrigens bezweifelt werden, ob diese prognostizierten katastrophalen Szenarien tatsächlich so eintreffen, wie man…

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