Lissabon: Entdeckungen in Portugals Metropole

Claus-Günter FrankLissabon: Entdeckungen in Portugals Metropole
Tübingen: Klöpfer & Meyer, 2005

Angenehm liegt dieses Buch in der Hand, sorgfältig gestaltet ist seine wohlerwogene Mischung aus Textpassagen, klein-formatigen Photos und Routenplänen. Mit ihm im Gepäck lässt man sich von dem badischen Pädagogen und Literaturliebhaber Claus-Günter Frank gerne durch eine der schönsten Metropolen Europas führen. Er erschliesst sie uns durch klug ausgewählte Zitate aus den Werken von José Maria Eça de Queiroz, Fernando Pessoa, José Saramago und dessen nicht minder bedeutendem Intimfeind António Lobo Antunes.

Doch Lissabon, ein wichtiger Hafen für viele vor Hitler flüchtende deutschsprachige Künstler, spielt auch in den Werken von Erika, Thomas und Heinrich Mann, Alfred Döblin, Stefan Zweig oder Erich Maria Remarque eine Rolle. Ernst Jünger schrieb über Portugals Hauptstadt, Reinhold Schneider, Karl Krolow und Hans Magnus Enzensberger. Anregungen für die acht vorgeschlagenen Tagestouren, die bis hinaus nach Sintra führen, liefern Henry Fielding, Lord Byron, Hans Christian Andersen, Julien Green, Cees Nooteboom und 49 weitere Cicerones, mit deren Poesie man die Stadt jenseits der gängigen Klischees erkunden kann.

Eine Dichter-Anthologie ist das dankenswerterweise auch mit vielen praktischen Tips versehene Buch aber nicht. Der Lese-Reisende erfährt Wichtiges und auch Kurioses aus der portugiesischen Geschichte, im weitesten und anschaulichsten Sinne. Man hört den Wind in den Segeln der Entdecker-Karavellen vor dem Torre de Belém knattern und sieht dem Marquês de Pombal beim Wiederaufbau der 1755 durch das berühmte Erdbeben verwüsteten Hafenstadt zu. Lissabons schmalspurige Strassenbahn oder die portugiesische Variante des Stierkampfs werden ebenso kenntnisreich und genau geschildert wie die Geschichte der berühmten Azulejos, der Fado-Gesänge, der vielen Aufzüge und Standseilbahnen oder des grossbürgerlichen Sommerstrandlebens im kühlen Schatten der Sierra. Kunstbeflissene Leser werden ebenfalls gut unterrichtet, nicht nur über die sehenswertesten Gebäude, Museen und Sammlungen, sondern auch über einzelne Kunstwerke. Man legt das Buch ungern aus der Hand und möchte eigentlich gleich einen Flug in die weisse Stadt am Tejo buchen. Oder wenigstens, auf- und angeregt von seinen literarischen Hinweisen, eine gut sortierte Bibliothek in der Nähe wissen.

besprochen von Klaus Hübner, Germanist und Redaktor der Zeitschrift «Fachdienst Germanistik» in München.

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