Lies und werde reich. Geschichten vom Geld

Es interessiert: wird der Rezensent jetzt reich?

«Das Geld liegt auf der Strasse – warum sehe ich es nicht? Ich muss in einer anderen, der falschen Welt leben», schreibt Al Imfeld. Wie ihm, mag es der Weltbevölkerungsmehrheit gehen. Und deswegen beschenkt Imfeld sie in seiner neuen Geschichtensammlung mit Tips, wie sie reich werden könnte: man spare sich den Kauf von Büchern wie «How to Get Rich Quickly», «Der Ein-Minuten-Millionär», «Wie ziehe ich einen Millionär an?» oder «Glück kommt mit dem Mobiltelefon». Einfacher zu Geld komme, wer auf die Frage des Lehrers «Was willst du werden?» mit: «Ich werde Millionär» antworte. Später heirate man eine begüterte Frau, ändere seinen Namen vom burschikosen Karl zum feudaleren Charles und eröffne einen Coiffeur-salon für Millionaires only, das bald ein Börsenberatungsbüro werde. Wenn man für den Papst in der Innerschweiz «kollektieren» gehe, beginne man morgens nicht mit Klein-spendern, sondern mit jemandem, der vielleicht einen Fünfliber gibt und das auch stolz hinschreibt; der Nachfolger werde meist ein Gleiches tun. Wenn man die Mittelschule hinter sich habe, jedoch kein Stipendium für eine Universität besitze, packe man gleich die Koffer und überrasche den Paten an der Tür mit der Frage: «Kann ich nicht eine oder zwei Wochen hier bei dir wohnen, lieber Götti?»

Imfelds 26 Geschichten vom Geld sind amüsant, oft traurig, manchmal beklemmend, und vor allem: vom Leben geschrieben. Und weil Al Imfeld Afrika-Kenner und engagierter Aufklärer ist, handeln die Geschichten zwischen Nigeria und Zürich weniger vom Reichwerden als vom Armbleiben. Während seiner Reportertätigkeit über Hungernde und Arme etwa verfolgen ihn Nudeln in Form von Hörnli über die Kontinente hinweg. «Wo immer Food Aid mit im Spiel war, lagen diese Hörnli wie Maden herum. Wenn die Grossen etwas vom Tische fallen liessen, waren es Hörnli. Hörnli – eine gekrümmte Spende, eine Verkleinerungsform, damit die Beschenkten ja nicht übermütig und masslos werden.» Als Imfeld bei einem Landwirtschaftsprojekt für die rhodesische Befreiungsbewegung in Tansania stationiert war, liessen sich Befreiungskämpfer Näh- und Schreibmaschinen geben, um sie sofort an die DDR im Tausch gegen Waffen weiterzureichen. Hinter dem Gebäude des Finanzministeriums beobachtete er Kinder, die geschredderte Banknoten zusammenklebten. Die Kinder hatten bestimmtes Papier selbst zerkleinert, Papier, das gut zu den Banknotenüberresten passte, um die durch das Schreddern verlorengegangenen Teilchen zu ersetzen. «Französische Versandkataloge eigneten sich am besten hierfür, sagte ein älteres Mädchen, weil ihre Seiten farbig und stabil seien.» Und sitzen vier Entlebucher am Stammtisch zusammen, sind sie sich einig: man war damals während des Zweiten Weltkrieges, auf den abgelegenen kleinen und stotzigen Höfen so arm, dass auch an Feiertagen niemand an ein Festessen denken konnte: «Bestenfalls reichte es zu etwas mehr. Etwas mehr Zucker, ein paar Kaffeebohnen mehr, ein bisschen mehr Butter, ein Stück Brot extra – das war Weihnachten.»

Und was, Herr Imfeld, wenn der Kindsvater seine Alimentenzahlungen plötzlich verweigert? Die junge Lehrabsolventin einfach keine Stelle findet? Oder die Kosten für das Pflegeheim auch mit einer vollen AHV-Rente nur zur Hälfte bezahlt werden können? Die Geschichten vom Geld verlangen nach einer Fortsetzung.

vorgestellt von Christoph Simon, Bern

Al Imfeld: «Lies und werde reich. Geschichten vom Geld. Zürich: Rotpunktverlag, 2007.

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»