Liberalismus und Ökologie

Umweltschutz und Marktwirtschaft sind zwei Seiten derselben Medaille – aber nur, wo tatsächlich Kostenwahrheit herrscht. Das wusste ein liberaler Ingenieur aus der Schweiz schon vor sechzig Jahren, nun fällt seine wissenschaftliche Arbeit endlich auf fruchtbaren Boden.

Liberalismus und Ökologie
Ernst Basler, zvg.

Die Grünen und die Grünliberalen verdanken ihre Existenz den umweltpolitischen Fehlern der Parteien, die vor ihnen da waren. Die FDP zum Beispiel hat in den 1970er Jahren versagt, und sie tut es immer noch: Bis heute glauben ihre Politiker und Wähler, die Ökonomie über alles stellen zu müssen und die Ökologie vernachlässigen zu dürfen. Viele Liberale etikettierten letztere als «links» und überliessen sie den Parteien des linken Spektrums, und selbst als die «Grünliberalen» auftraten, alarmierte sie das nicht. Das war und ist aus zwei Gründen falsch: Erstens hat die Politik nicht der «Wirtschaft», sondern den Menschen zu dienen, und zweitens sollte jedem klar sein, dass die Ökologie ein Bestandteil der Ökonomie ist – die natürlichen Grundlagen allen Lebens sind auch die natürlichen Grundlagen des Wirtschaftens. Das zentrale Problem ist, dass der einzelne wirtschaftende Betrieb nicht für den Schaden zahlen muss, den er mit seinem Wirtschaften an der Natur anrichtet. Es gibt keine Kostenwahrheit, keine Vollkostenrechnung im Hinblick auf die Umweltfolgen des Handelns, das Verursacherprinzip ist damit ausser Kraft gesetzt. Natürlich: Unternehmen und Konsumenten profitieren davon, denn beide zahlen heute weniger, als sie eigentlich müssten. Aber: Wie lang wird man noch glauben, sich diese Externalisierung der Kosten leisten zu können?

Erinnern wir uns: Mit der Industrialisierung ging das fast wachstumslose Mittelalter zur Praxis exponentiellen Wachstums über. Die Beanspruchung der Natur hat sich seither rasant beschleunigt. Immer mehr Menschen setzen der Biosphäre immer mehr zu. Die Phänomene sind seit langem bekannt: Erderwärmung, absehbare Erschöpfung von fossilen Energieträgern und anderer natürlicher Ressourcen, Verschmutzung und Vergiftung der Biosphäre, zum Beispiel mit Plastikmüll in den Menschen und Meeren, ein beängstigendes Artensterben. Ein Hauptproblem stellt dabei die «Bevölkerungsexplosion» dar: Die Anzahl Menschen hat seit dem 19. Jahrhundert dramatisch zugenommen und dadurch auch die Anzahl Ressourcenverbraucher und Umweltverschmutzer. Zwar nimmt die Anzahl Menschen auf dem Planeten voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wieder ab, die Ansprüche der Verbleibenden aber werden im Hinblick auf Energie- und Ressourcenverbrauch kaum schrumpfen. Es bleibt auch bei der an sich trivialen Erkenntnis, dass auf der endlichen Erde alle materiellen Gegebenheiten beschränkt sind. Dagegen helfen keine politische Verrenkung, kein populistischer Opportunismus und auch keine psychologische Selbsttäuschung.

«Nach dem Verursacherprinzip sollten die Folgekosten von Umweltbelastungen nicht mehr auf die Allgemeinheit überwälzt, sondern von den Verursachern getragen werden.»

Die Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt, und die Anstrengungen, ihnen zu begegnen, sind gerade in entwickelten Industrieländern unübersehbar geworden. Das ist gut. Sind sie aber überhaupt noch zu lösen? Die Pessimisten und Fatalisten finden, es sei schon zu spät und es stelle sich nur noch die Frage nach Zeitpunkt und Erscheinungsform der nicht mehr vermeidbaren Katastrophe. Produktiver ist demgegenüber die Frage der Umweltschützer, wie die Zivilisationsmaschine neu auszurichten sei, um die Katastrophe zu vermeiden, sprich: wie unser Wirtschaften und Konsumieren «nachhaltig» zu machen sei. Denn: Wir müssen die dauerhafte Schädigung der Biosphäre vermeiden. Wir müssen innerhalb der planetaren Grenzen navigieren lernen. Es geht darum, nur noch solches Wachstum zuzulassen, das sich mit dem Gebot der Nachhaltigkeit verträgt. Einerlei, ob man es nun «grünes» oder «intelligentes» oder «qualitatives» Wachstum nennt.

Das Problem der Allmende

Im Jahr 2009 hat Elinor Ostrom als bisher einzige Frau den Nobelpreis für Ökonomie erhalten. Sie erarbeitete Lösungen für die «Tragik der Allmende». Allmenden sind Gemeingüter, die, wie Elinor Ostrom erkannt hat, oft übernutzt werden, wenn für sie keine Regeln gelten. Die Biosphäre kann in diesem Sinne als grosse Allmend betrachtet werden, die zwingend der Regeln bedarf. Die freiwillige Einschränkung der Menschen als Produzenten und Konsumenten kommt vor, reicht aber aufs hoffnungsloseste nicht, selbst in der entwickelten Welt. Denkbar wäre stattdessen, dass staatliche und überstaatliche Instanzen bestimmte Verhaltensweisen – etwa im…

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