Lassen wir den
Unternehmergeist aus
der Flasche!
Das Unternehmertum ermöglicht es Menschen, Freiheit und Verantwortung zu leben und Werte für sich und die Gesellschaft zu schaffen. Es muss deshalb dringend stärker gefördert werden.
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Wohlstand wird vor allem durch Unternehmer geschaffen, nicht primär durch Manager oder Angestellte. Der Unternehmer ist, wie ein Künstler oder Wissenschafter, ein Erfinder. Wenn sein Produkt oder seine Dienstleistung einem echten Bedürfnis entspricht, beginnt eine spannende Reise. Diese nützt sowohl dem Ideengeber als auch der Gesellschaft – durch innovative Angebote, neue Arbeitsplätze und optimierte Ressourcennutzung. Zugleich schafft sie einen Anreiz für andere Kreative, diese Innovationen noch zu übertreffen.
Unternehmerisch tätig zu sein bedeutet, Risiken einzugehen und den Mut zu haben, trotz möglichen Scheiterns voranzuschreiten. Es erfordert Ausdauer, Geduld und Investitionen – wobei Zeit oft wertvoller ist als Geld. Der Serienunternehmer Alan Frei beispielsweise scheiterte mit 51 Unternehmen, bis er mit der 52. Idee den Durchbruch schaffte. Die hohen Schweizer Löhne und die damit verbundene Sicherheit halten viele junge Menschen davon ab, diesen riskanten Weg einzuschlagen. Dass nur 38 Prozent der Schweizer das Unternehmertum als attraktive Karriereoption betrachten – deutlich weniger als in vergleichbaren Volkswirtschaften –, zeigt die Notwendigkeit, neue Wege zur Förderung unternehmerischer Initiativen zu finden.
«Unternehmerisch tätig zu sein erfordert Ausdauer, Geduld und
Investitionen – wobei Zeit oft wertvoller ist als Geld.»
Wertschätzung in der Gesellschaft
Der 32-jährige Timon Zimmermann hat zwei erfolgreiche Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz aufgebaut. Für den gebürtigen Neuenburger ist das Unternehmertum in erster Linie eine Lebensentscheidung. Dazu bewogen, Unternehmer zu werden, habe ihn «vor allem der Wunsch, ein bewusstes Leben zu führen, das heisst ein Leben, in dem meine Entscheidungen mit meinen persönlichen Zielen übereinstimmen», erklärt er in dieser Publikation.
Um den Unternehmergeist zu fördern, muss man Geschichten erzählen. Auf diese Weise kann man die eigene Denkweise ändern. Timon Zimmermann plädiert für eine stärkere Wertschätzung unternehmerischer Karrieren an Schulen und in der Gesellschaft. Obwohl Scheitern zum unternehmerischen Weg gehört, ist es immer noch negativ behaftet. Unternehmertum sollte auch bei Rückschlägen als wertvolle Lernerfahrung verstanden werden.
Spezialisierung und Innovation
Timon Zimmermann hebt die Chancen der Spezialisierung hervor. In einem von Tech-Giganten dominierten Umfeld ist es entscheidend, sich durch massgeschneiderte Nischenlösungen abzuheben. Diese Strategie ist tief in der DNA der Schweiz verankert – Spezialisierung wurde zu einem ihrer Erfolgsgeheimnisse. Als Land mit wenig Rohstoffen und ohne Meerzugang muss die Schweiz besser sein als andere, um in internationalen Rankings an der Spitze zu bleiben.
Als Beispiel führt Timon Zimmermann seine Plattform MageMetrics an, die sich auf Datenmanagement für KMU spezialisiert hat. Diese gezielte Ausrichtung erschliesst Marktlücken, die von grossen, breiter aufgestellten Unternehmen häufig übersehen werden.
Der junge Unternehmer betont ausserdem, wie wichtig es sei, kreative Köpfe in ein Team aufzunehmen: «Leute mit unternehmerischer Ader fühlen sich in der Ungewissheit wohl und finden selbst Lösungen.»
Diese Philosophie teilt Carole Hübscher, Präsidentin von Caran d’Ache. Als Vertreterin der vierten Generation an der Spitze des Genfer Unternehmens unterstreicht sie in dieser Publikation die Bedeutung eines Arbeitsumfelds, das Sinn stiftet und Innovation fördert.
Regulierung und Risikokapital
Es bestehen weiterhin strukturelle Herausforderungen. Der eingeschränkte Zugang zu Risikokapital bleibt ein grosses Hindernis für junge Unternehmen in der Schweiz. Schweizer Investoren sind zurückhaltend und warten in aller Regel, bis sich ein Geschäftsmodell bewährt hat, bevor sie grössere Summen investieren. Sowohl diese vorsichtige Investitionskultur als auch die ungünstigen Rahmenbedingungen für Start-ups bedürfen dringend einer Veränderung.
Die Vernissage dieser Sonderausgabe am 26. Februar – mit einem Gespräch zwischen den Unternehmern Etienne Jornod und Léa Miggiano – legt den Grundstein für das Projekt «Esprit Entrepreneurial», das von «Schweizer Monat» und «Le regard libre» getragen wird.