Kurzprojekt Mondlandung

Es geht schneller, zum Mond zu fliegen, als ein Gefängnis zu bauen.

Vor fünfzig Jahren landeten die Amerikaner auf dem Mond, es war viel darüber zu lesen in den letzten Monaten. Am meisten beeindruckt hat mich, wie rasch fast aus dem Nichts das waghalsige Unterfangen gelang: Bereits acht Jahre nach der Ankündigung von Präsident Kennedy setzte die Landekapsel im Mondstaub auf. Unter tosendem Applaus kehrten die drei Astronauten mit ein paar Mondsteinen zurück. Und genau so rasch wurde das Apollo-Programm wieder beendet.

Acht Jahre: Das schaffe ich mit dem neuen Gefängnis an der Otterbacher Grenze nicht. Es geht zwar nächstens in Betrieb, der Projektstart datiert aber aus dem letzten Jahrzehnt. Schon nur der politische Weg durch Regierung und Parlament – ­zuerst für den Projektierungskredit und dann nochmals für den Ausführungskredit sowie die anschliessenden Baube­willigungs- und Beschaffungsprozesse – nahm mehr als die Hälfte der Zeit in Anspruch. Dabei sollte der Bau eines ­Gefängnisses simpler, weil erprobter sein als der Bau einer Mondrakete. ­Immerhin kostet unser «Bässlergut II» auch nicht über 100 Milliarden US-Dollar.

Nun: Was lehrt uns dieser Vergleich? Sind wir, ja ist sogar der Staat selbst in den Regulatorien und Verwaltungsmühlen ­heute so gefangen, dass nicht nur keine grossen Würfe mehr gelingen, sondern auch Banales fast nicht mehr in angemessener Frist zu realisieren ist? Oder sind wir einfach vernünftiger geworden, wenn wir erstens auf Monumentalspinnereien wie Mondlandungen verzichten und zweitens auch und gerade den Staat streng reglementiert nur noch die notwendigsten Brötchen backen lassen?

Oder, dritte Lösung, ist es ironischerweise so, dass nur das grösste Staatsprogramm aller (Friedens)zeiten via die technische auch die moralische Überlegenheit der freien Welt gegenüber der kollektivistischen genug ­anschaulich beweisen konnte – was seit dem «Ende der ­Geschichte» nun nicht mehr nötig ist?

Ich glaube, die USA hätten den Kalten Krieg auch gewonnen, wenn sie den Wettlauf zum Mond verloren hätten. Aber eine geile Sache war’s trotzdem!

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Francis Cheneval, Professor für politische Philosophie,
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