Kühler Kopf statt aufgedrehter Klimaanlagen

2 Grad wärmer? Ja, bitte!

 

Die meisten von uns haben es schon erlebt: In Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und Australien muss man auch im heissesten Sommer unbedingt einen warmen Pullover dabeihaben. Öffentliche Räume wie Einkaufszentren, Läden, Theater und Kinos, Hotels, Restaurants und staatliche Gebäude sind total heruntergekühlt. Menschen laufen Gefahr, sich zu erkälten, obwohl – oder gerade weil – die Aussentemperaturen oft drückend heiss sind. In den meisten Gebäuden wird hingegen die Temperatur auf unter 18 Grad Celsius heruntergekühlt. Diese Kühlung erfordert einen hohen Ressourcenaufwand. Auch bei grosser Hitze müssen sich die Leute mit warmer Kleidung ausstatten, was ebenfalls unnötig Ressourcen verschwendet.

Gleichzeitig leben wir in einer Welt, in der man sich Gedanken darüber machen muss, wie die bereits spürbare und in der Zukunft drohende Klimaerwärmung eingedämmt werden kann. Die Parteien und staatlichen Organisationen übertreffen sich in Forderungen, wie der Verbrauch fossiler Ressourcen und der Treibhausgas-Ausstoss reduziert und damit eine drohende Umweltkatastrophe verhindert werden kann.

Wie passt die extreme Kühlung in den meisten heissen Ländern mit der weltweiten Sorge um das Klima zusammen? Darüber macht sich kaum jemand Gedanken.

Vermutlich liegt es daran, dass Klimabewegte oft extreme Forderungen vorbringen. Statt auf konkrete und wirksame Massnahmen zu fokussieren, verlangen sie, es müsse sich «alles» in der Wirtschaft und Gesellschaft verändern. Auch Politiker lieben es, allgemeine Forderungen zu erheben, weil sie sich dann nicht sonderlich um konkrete Massnahmen kümmern müssen. Das Gleiche gilt für manche internationale Konferenzen, an denen schöne Reden gehalten werden, aber wenige Vorschläge für eine unmittelbare und effektive Veränderung vorgebracht werden.

Wie wäre es mit einer weltweiten Erhöhung der Temperatur klimatisierter Räume um 2 oder 3 Grad Celsius? Der Vorschlag mag weniger öffentliche Aufmerksamkeit generieren als die vage Forderung nach einem «Systemwechsel», dürfte dem Klima aber mehr helfen.

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»