Korherr-Bericht: «Die Endlösung der europäischen Judenfrage»

Im März 1943 verfasst der «Inspekteur für Statistik» Richard Korherr im Auftrag des SS Reichsführer Himmler einen geheimen Bericht. Hier offenbart sich der Zahlenwahn des Dritten Reichs.

«[…]

II. Die Judenbilanz in Deutschland

1. Judenbilanz des Altreichs mit Sudetengau und Danzig

Zahl der Juden im Altreich (ohne Sudetengau und Danzig) am 3 .1.1933 rund

Abgang vom 3 .1.33 bis 1.1.43 durch:

– Sterbeüberschuß (im Altreich)

– Auswanderungsüberschuß

– Abwanderung (Evakuierung)

Zugang vom 3 .1.33 bis 1.1.43 durch:

– Eingliederung des Sudetenlandes

– sonstige Veränderungen (Danzig, Zuzug, Wegzug,

genehmigte Austritte, Anerkennung als Mischling

I. Grades, Neuerfassung, Karteibereinigung)

Zahl der Juden im Altreich (mit Sudetengau und Danzig) am 1.1.1943

2. Judenbilanz der Ostmark

Zahl der Juden in der Ostmark am 1.3.1938 rund

Abgang vom 1.3.38 bis 1.1.43 durch:

– Sterbeüberschuß

– Auswanderungsüberschuß

– Abwanderung (Evakuierung)

– sonst. Veränderungen

Zahl der Juden in der Ostmark am 1.1.1943

3. Judenbilanz des Protektorats Böhmen-Mähren

Zahl der Juden im Protektorat am 15.3.19

Abgang vom 15.3.39 bis 1.1.43 durch:

– Sterbeüberschuß

– Auswanderungsüberschuß

– Abwanderung (Evakuierung)

Zahl der Juden im Protektorat am 1.1.1943

*) Diese Zahl von 2 649 Juden im Sudetenland wurde bei der Volkszählung 1939 festgestellt. Vor Eingliederung des Sudetenlands ins Reich betrug die Judenzahl rund 3 . . die aber sehr rasch ohne Überschreitung einer Staatsgrenze und ohne Vermögensverluste ins Protektorat auströmten.

[…] Am 1.1.1943 zählt das Reich […] nur mehr 74 979 Juden, davon 51 327 im Altreich, 8 1 2 in der Ostmark und 15 55 im Protektorat. Im Altreich mit Sudetenland sind nur mehr 9,2 vH der Zahl der Juden vom Tag der Machtübernahme vorhanden. Am 3 .1.1943 beträgt ihre Zahl nur mehr 48 242 oder 8,6 vH, am 25.2.1943 gar nur mehr 44 589 oder 7,9 vH. Berlin, wo schon 188 ein Achtel, 191 über ein Viertel, 1933 fast ein Drittel der Juden Deutschlands wohnten, zählt am 1.1.1943 nicht weniger als 32 999 oder 64,3 vH der gesamten Juden des Altreichs, am 3 .1.1943 noch 3 121, am 28.2.1943 noch 27 281. In der Ostmark weist nur mehr Wien überhaupt noch Juden auf.

III. Jüdische Volksschwäche

Die Judenbilanz in Deutschland weist einen außerordentlichen Sterbeüberschuß auf, der nicht allein durch die sehr hohe Sterblichkeit der Juden bedingt ist, sondern mehr noch durch die ausgesprochene Geburtenarmut. So hat sich die natürliche Bevölkerungsbewegung im Altreich mit Sudetenland von 1933 bis 1942 folgendermaßen entwickelt […]:

Jahre Geburten Sterbefälle Sterbeüberschuß (-)

1933 3 425 8 925 – 5 5

1934 2 3 8 2 – 5 9

1935 2 5 8 1 – 5 6

1936 2 3 8 – 5 7

1937 2 1 8 – 5 9

1938 1 7 448 – 6 448

1939 61 8 136 – 7 526

194 396 6 199 – 5 8 3

1941 351 6 249 – 5 898

1942 239 7 657 – 7 418

1933-1942 15 221 76 914 – 61 693

Vom Tag der Machtergreifung (3 .1.1933) bis 1.1.1943 beträgt der Sterbeüberschuß der Juden im Altreich mit Sudetenland 61 693; er stellt das Ergebnis aus 14 921 Geburten und 76 114 Sterbefällen dar. […] Die jüdische Sterblichkeit würde demnach 8 -85 (gegen 1 bis 15 im europäischen Durchschnitt) auf 1 betragen(im Jahre 1942) Darüber hinaus fällt der Rückgang der Geburten auf, der dem Rückgang der Judenzahl weit vorauseilt. Die Geburtenziffer der Juden im Altreich würde danach im Jahre 1942 nur mehr rund 2 1/2 auf 1 betragen. Ähnlich treffen in der Ostmark vom 1.3.1938 bis 1.1.1943 auf 15 188 jüdische Sterbefälle nur 679 jüdische Geburten. Im Altreich wurden schließlich im Dezember 1942 nur mehr 14, im Januar und Februar 1943 nur mehr 7 bzw. 8 jüdische Kinder geboren.»

Zitiert aus: John Mendelsohn (Hrsg.), «The Holocaust. Selected Documents in Eighteen Volumes.» New York/London: Garland Publishing, 1982, S. 224ff.

«Jeden Monat frische Denküberraschungen! Eine gehaltvolle und elegant gestaltete Zeitschrift.»
Francis Cheneval, Professor für politische Philosophie,
über den «Schweizer Monat»