Konkurrenz belebt auch die Bauern

Die Schweizer Landwirtschaft geht nicht unter, wenn sich die Agrarmärkte öffnen. Sie wird dank mehr Wettbewerb vielmehr effizienter, stärker sowie wirtschaftlich und ökologisch nachhaltiger. Hören wir auf mit dem Agrarprotektionismus, der den Bauern auf lange Frist schadet?

Konkurrenz belebt auch die Bauern
Apokalyptische Ankündigungen sind in der zunehmend komplexen Politik von heute ein ebenso einfacher wie wirksamer Kniff. Es gibt kaum mehr einen politischen Entscheid grösserer Tragweite, bei dem nicht Untergangsszenarien beschworen werden, sollte das Ergebnis anders ausfallen, als man selbst empfiehlt.
Die angestrebte, weitere Liberalisierung im Agrar- und Ernährungsbereich ist ein treffliches Beispiel dafür. Seit Jahren schon verteufeln die Gegner der Liberalisierung längst überfällige Reformen, indem sie mit apokalyptischen Vorhersagen hausieren gehen. Der Schweizer Bauernstand werde Verlierer der Globalisierung sein, bis auf ein paar Grossbetriebe oder Museumsstücke verschwinden, Tier- und Umweltschutz blieben auf der Strecke, das Land werde verganden, mit der selbstbestimmten Versorgung, der «Ernährungssouveränität», sei es ein- für allemal vorbei, die Schweiz werde abhängig vom Ausland.

Solche Ankündigungen zeigen Wirkung, auch wenn sie nachweislich falsch sind. Die bisherigen Erfahrungen des Schweizer Agrarsektors mit liberalisierten Märkten sind durchwegs gut. Beim Käse etwa, wo seit Juni 2007 mit der EU Freihandel herrscht, konnte die Schweiz punkten, obwohl sie auf Produkte im Hochpreissegment spezialisiert ist. Dass der Absatz zurzeit harzt, hat mit der Währungsproblematik zu tun, die beileibe nicht nur den Ernährungssektor trifft.

Auch die Konsumenten haben vom Freihandel profitiert. Sie sind in den Genuss von Preissenkungen gekommen, aber auch die neue Vielfalt auf dem Käsebrett lässt die Herzen von Käseliebhabern höher schlagen. Ähnliche Erfahrungen gibt es beim Wein. Hier hat sich die Liberalisierung vorab dadurch geäussert, dass heute bessere Qualität produziert wird.

 

Ängstliches Parlament

Trotz dieser Erfolgsgeschichten ist das Parlament in seinem Entscheid zum geplanten Agrarfreihandel mit der EU zurückgekrebst – gegen den Willen des Bundesrats. Auch vermeintlich liberale Parlamentarier stellen sich, wenn es um die Landwirtschaft geht, immer wieder bereitwillig in den Dienst der antiliberalen Sache. Dies sichert den Bauern und ihren zugewandten Orten zwar ihre schönen Pfründen und manch einem Politiker die Wiederwahl. Doch die Landwirtschaft kommt mit solch rückwärtsgewandter Politik kein Schrittchen weiter, im Gegenteil. Durch Schutz und Stützung werden Anreize zur Steigerung von Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz auf Kosten der Steuerzahler und Konsumenten abgewürgt. So entsteht ein Reformstau, und das ist ein gravierender Nachteil im Kampf um Marktanteile.

Die Agrarprotektionisten schaden dem Bauernstand und der ihm nachgelagerten Branche nicht nur dadurch, dass sie den Schweizer Agrarprodukten den Zugang zu neuen Märkten im Export verbauen. Sie sorgen auch dafür, dass wegen der ungenügenden Wettbewerbsfähigkeit unseres Agrarsektors selbst im Inland Marktanteile verloren gehen. Denn die Grenzen für Lebensmittel werden je länger, desto durchlässiger, ob uns das nun passt oder nicht. Der globale Handel mit Lebensmitteln – vor allem mit verarbeiteten – ist eine Tatsache. Wer dies negiert, verschliesst die Augen vor der Realität. Nicht der Freihandel ist ein Dogma, wie die Gralshüter der Kriegswirtschaft behaupten, sondern das Festhalten am blinden Agrarprotektionismus.

 

Es lebe der Freihandel!

Eine Alternative zum Freihandel im Agrarbereich gibt es in der realen Welt nicht. Die Wahl besteht einzig zwischen einem geordneten Weg zur weiteren Liberalisierung oder einer von aussen diktierten «Feuerwehrübung». Die Gegner der Liberalisierung selbst geben bestes Zeugnis dafür ab. Sie können ihre Brandmarkung des Freihandels nämlich nicht mit einem ernstzunehmenden Gegenvorschlag ergänzen. Stagnation und Schrumpfung können nicht ernstlich als zukunftsgerichtete Strategie angesehen werden. Das gilt sowohl für die Bauern in den reichen Industrieländern als auch für jene in den Entwicklungsländern. Man kann doch von den Bauern in ärmeren Agrarstaaten nicht verlangen, dass sie sich mit einer technisch rückständigen Subsistenz-Landwirtschaft auf alle Zeiten bescheiden, während wir uns am Wohlstand laben!

Die gegenwärtige schweizerische Landwirtschaftspolitik ist geprägt von nationalen Egoismen. Die Schweiz kann sich dies leisten, weil sie reich ist. Im Zentrum dieser Politik steht der kurzfristige, maximale Nutzen für die eigenen Bauern. Die Schweiz kauft im Ausland ein, was sie gerade braucht…

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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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