Köbi Santiago

…das Morden hört nicht auf… Endlich hat Stephan Pörtner, nach mehreren books-on-demand-Publikationen, einen Verlag gefunden, und damit betritt mit seinem Ermittler Köbi Robert ein legitimer und origineller Nachfolger des Haasschen Simon Brenner die deutschsprachige Krimibühne – im August erschien «Köbi Santiago» im Zürcher Bilgerverlag. Die Geschichte setzt spannungsvoll dort ein, wo andere aufhören, in Santiago […]

…das Morden hört nicht auf…

Endlich hat Stephan Pörtner, nach mehreren books-on-demand-Publikationen, einen Verlag gefunden, und damit betritt mit seinem Ermittler Köbi Robert ein legitimer und origineller Nachfolger des Haasschen Simon Brenner die deutschsprachige Krimibühne – im August erschien «Köbi Santiago» im Zürcher Bilgerverlag. Die Geschichte setzt spannungsvoll dort ein, wo andere aufhören, in Santiago de Compostela, und mit der Erinnerung an eine Beerdigung. Mit einem Totgeglaubten kehrt Köbi in die Schweiz zurück und gerät in gefährliche Verwicklungen. Alle Elemente des klassischen Kriminalromans sind zu finden: mehrere Tote, falsche Verdächtige, kritische Polizeimethoden, im Hintergrund eine alte Liebesgeschichte, überraschende Wendungen und viel Zürcher Lokalkolorit (inklusive einer Liebeserklärung an diese Stadt – cum grano salis: «Städte verändern sich. Zürich zum Beispiel. Das war nicht mehr die Stadt, in der ich aufgewachsen war. Früher hassten wir Zürich, weil wir jung und zornig waren. Niederbrennen wollten wir sie, die alte Wixerstadt. Über das Wetter klagten wir, über den Winter und die strengen Sitten. Mit der Zeit wurde alles besser. Die Stadt wurde offener, netter und fröhlicher, das Wetter besser. Wir wurden älter und milder. Heute lieben wir unsere Stadt. Aber seltsam, irgendwie mochte ich sie besser, als ich sie noch hasste.»).

Köbi, der Ermittler, raisonniert über das Älterwerden und akzeptiert das Milieu der Hanfhändler und der ältergewordenen Jugendszene trotz aller Distanz als Folie seines Lebens. Nichtzürcher lernen die Vokabel «Losetz!», die dem englischen «Listen!» gleichkommt, aber wohl auch halb auffordert, halb ablehnt. Sie steht für die Methode Köbis: das Zuhören und das Mitgehen mit den Zeugen, Verdächtigen, Randfiguren, auch mal mit einem allzu sympathischen Polizisten, gegen den eigenen inneren Widerstand. In der Teilhabe am Leben, im Hinhören, im oft genervten Sich-Einlassen auf das, was kommt, klärt sich alles – wir können mit Spannung auf die nächste Folge warten.

vorgestellt von Sabine Kulenkampff, Erlangen

Stephan Pörtner: «c». Zürich: Bilger, 2007.

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
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