Kinderfrei

Über das Leben ohne Kinder.

 

«Ich habe mich sehr bewusst ­dafür entschieden, keine Kinder zu gebären.» Mit diesem Satz wollte ich diese Kolumne eigentlich beginnen. Doch in dem­ ­Moment, in dem ich ihn schrieb, wurde mir klar, dass es so formuliert nicht ganz stimmt. ­Korrekter wäre: «Eines Tages wusste ich ganz genau, dass ich keine Kinder wollte.» Es war mir kein Bedürfnis, kein Wunsch, nicht mal die Frage stellte sich mir. Ich fand Babys nicht besonders niedlich, Kleinkinder nicht sehr intelligent und Teenager mitunter ziemlich anstrengend. Das Muttergen fehlt mir völlig und spätestens nach einer langen Reise quer durch die USA war mir klar, dass ich ein ungebundenes Leben dem Familiendasein vorzog. Ich war gerade mal 20 Jahre alt.

Natürlich sagten mir etliche Freunde voraus, dass ich ­meine Meinung ändern würde. Wahrscheinlich mit 30 Jahren. Spätestens mit 40. Einige meinten auch, ich würde es dereinst bereuen, keine Kinder in die Welt gebracht zu haben. Sie warnten mich vor der Einsamkeit. Doch sie haben sich alle geirrt. Der Wunsch nach Kindern kam nie. Der Drang, mein Leben unabhängig und freiheitlich zu gestalten, wuchs. Und heute, mit bald 50 Jahren, ist die Erleichterung gross, dass ich keine Mutter bin.

Erstaunlich finde ich, dass ich als Frau mit meiner kinderlosen Lebensweise nicht nur vor 20 Jahren, sondern auch heute noch oft auf Unverständnis stosse. Nicht selten ernte ich mitleidige und verständnislose Blicke, wenn ich erst sage, dass ich keine Kinder habe, und dann auf besorgte Nachfragen versichere, dass ich auch gar keine Kinder wollte. Eine Frau, die keine Kinder will, passt nicht in jeden Kopf. Für einige ist das sogar ungeheuerlich. Vielleicht habe ich durch dieses Anderssein schon früh gelernt, dass es nicht wichtig ist, was andere Menschen von mir denken. Dass ich nicht ins Schema passen muss, wenn mir das Schema nicht gefällt. Und genau das bedeutet Freiheit für mich.

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»