Bild: Netflix.

Killer-Kinderspiele aus Korea

Die Serie «Squid Game» des koreanischen Filmemachers Hwang Dong-hyuk steigt unerwartet zur meistgestreamten «Netflix»-Serie auf.

Der koreanische Regisseur Hwang Dong-hyuk verzeichnet mit «Squid Game» einen kolossalen Erfolg, und dies auch über die Grenzen seines Heimatlandes hinweg: Knapp einen Monat nach Veröffentlichung verkündete «Netflix» in einem Tweet, dass 111 Millionen Nutzer die brutale und dystopische Serie bereits gesehen hätten. Der unerwartete Erfolg macht sie zum bisher grössten Hit des amerikanischen Streaminganbieters.

Die Handlung mutet barbarisch und grotesk an: Auf einer abgelegenen Insel hat sich eine Gruppe von Menschen eingefunden, um an einem für sie folgenreichen Wettbewerb teilzunehmen. In mehreren Runden müssen sie ihre Kräfte in traditionellen koreanischen Kinderspielen messen ‒ beobachtet von mysteriösen VIP-Gästen, welche ihre Identität hinter goldenen Tiermasken verbergen. Die Regeln sind simpel: Wer in einem der Spiele unterliegt, stirbt. 455 der 456 Teilnehmer werden sich mit dem Tod abfinden müssen. Dem Sieger winkt dafür ein Preisgeld in zweistelliger Millionenhöhe. Die Spiele können per Mehrheitsentscheid abgebrochen werden. Auch kann jeder Mitstreiter aussteigen, doch nur die wenigsten tun es. Und wenn, dann kommen sie zurück. In der echten Welt sind sie Randständige, geächtet und oft hochverschuldet. Das Ganze ähnelt einem Gladiatorenkampf: Eine reiche Gruppe treibt eine mittellose und verzweifelte Schar ins Verderben und vergnügt sich dabei.

Dong-hyuk spielt mit kollektiven und infantilen Ängsten und überzeichneten Gegensätzen, stets begleitet von enormer Gewalt. Das Drehbuch hatte er schon vor mehr als zehn Jahren geschrieben, konnte zunächst jedoch keinen Produktionspartner finden. Den derzeitigen Erfolg erklärt sich der Macher gegenüber dem «Wall Street Journal» auch mit dem Aufkommen der Coronapandemie, welche die Ungleichheit zwischen Arm und Reich verschärft habe. Die Geschichte würde unter den heutigen Umständen realistischer erscheinen als noch vor einem Jahrzehnt. (ms)

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
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