KI kreiert Kunst

Mittels künstlicher Intelligenz ermöglicht die Software Craiyon jedem, mit einigen Worten lebensechte Fotografien oder künstlerische Bilder zu erschaffen. Was etablierte Ideen über Kunst in Frage stellt.

KI kreiert Kunst
Bild: Screenshot craiyon.com

Ist jeder Mensch ein Künstler, wie Joseph Beuys postulierte? Mit Craiyon hat sich das weiter ausgeweitet: Auch Software kann Künstler sein. Doch Moment mal – kommt Kunst nicht von können? Bei Craiyon reicht eine kurze Beschreibung, und das Computerprogramm generiert in ein paar Dutzend Sekunden ein komplett neues – wenn auch nicht zwingend originelles – Bild: Ein fliegender Wal in den Wolken. Der Sinn des Lebens. Ein Bild des nächsten Präsidenten der USA. Dieser sieht stark nach Donald Trump aus, wobei Craiyon zur Sicherheit auch eine Version generiert, welche an Hillary Clinton erinnert. Zumindest die Politikwissenschafter werden in näherer Zukunft wohl nicht durch künstliche Intelligenz überflüssig gemacht.

Die neue Technologie stösst Diskussionen über Urheberrechte und Kreativität an, aber auch über Vorurteile und Klischees, denn das Programm wird mit Daten aus dem Internet gefüttert. Die Anbieter von Craiyon warnen, dass diese auch schlechte gesellschaftliche Tendenzen widerspiegeln können – über die Verantwortung bei autonomen Systemen schrieb zuletzt auch der Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel im «Schweizer Monat».

Ein weiteres Problem ist die Kreation von Bildern, welche echte, öffentliche Personen in irreführendem oder entwürdigendem Kontext darstellen. Bei Craiyon sind Gesichter noch nicht sehr lebensecht. Das grössere und kostenpflichtige Projekt DALL·E 2 hingegen kann sehr realistische Bilder erzeugen und sah sich gezwungen, gegen den Missbrauch solcher Imitationen vorzugehen. Das sind alles grosse und reale Herausforderungen. Doch Craiyon ist erst mal einfach eine schöne, kleine Spielerei, die man ausprobieren kann. (mg)


Selbst mit Craiyon experimentieren.

«Die Ermahnung daran, dass sich
gelebter Liberalismus nur in der
respektvollen Auseinandersetzung
entfalten kann.»
Monika Hausammann, Schriftstellerin,
über den «Schweizer Monat»