Kennzahlen einer besseren Welt

Die wichtigen Indizes zum weltweiten Fortschritt lassen keinen Zweifel: es geht aufwärts. Diese Entwicklung ist aber kein Naturgesetz, sondern Folge politischer Entscheide – für Demokatie und Marktwirtschaft. Lässt sich der Weg fortsetzen?

Nutzte man ausschliesslich die Tagespresse, um sich einen Eindruck über die derzeitige Situation der Menschheit und des Planeten zu verschaffen, läge der Schluss nahe, dass es nicht gut für beide aussieht – und schon gar nicht besser als vor zehn, zwanzig oder vielleicht dreissig Jahren. Ein möglicher Grund dafür liegt auf der Hand: Schlechte Nachrichten lassen sich gut verkaufen, deshalb gibt es auf dem Medienmarkt so viele davon – und sind entsprechend einflussreich, was die Bewertung der Gegenwart angeht. Wendet man den Blick aber nicht auf die überwiegend negativen Schlagzeilen, sondern auf fundamentale Daten (die heute, so man denn will, ähnlich leicht zugänglich sind wie seriöse Medien), offenbart sich ein ganz anderes Bild: Der Menschheit geht es heute deutlich besser – besser als allen Generationen davor.

1. Wir sind reicher

Von 1950 bis 2010 verdreifachte sich das weltweite Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Das bedeutet: pro Person produzieren wir heute Jahr für Jahr dreimal mehr Güter und Dienstleistungen als noch vor 65 Jahren. (Vgl. Grafik I)

Die Berechnung des BIP ist ein Versuch, alle innerhalb eines Jahres von Menschen für andere Menschen produzierten und zu Marktpreisen getauschten Güter und Dienstleistungen zu erfassen. Seine Entwicklung pro Kopf über die vergangenen Jahrzehnte spiegelt unter anderem wider, dass unsere Wohnräume heute grösser und besser ausgestattet sind, wir mehr und nährreichere Lebensmittel zur Verfügung haben, mehr und komfortabler reisen können – sowie umfangreichere und höherwertige Gesundheitsdienstleistungen geniessen.

Die Masszahl Bruttoinlandsprodukt ist eine abstrakte und viel kritisierte Grösse. Der Wert der dahinterstehenden Güter und Dienstleistungen ist für die profitierenden Menschen jedoch trotz aller Kritik sehr konkret.

Die Betrachtung des Bruttoinlandsprodukts in kaufkraftbereinigten Dollars schafft einen einheitlichen Massstab für das Produktionsniveau sowohl von Jahr zu Jahr innerhalb eines Landes als auch von Land zu Land. Berücksichtigt werden jährliche Veränderungen des Preisniveaus innerhalb eines Landes ebenso wie Unterschiede bezüglich der Kaufkraft einer Währungseinheit zwischen Ländern. Mit 1000 der so standardisierten Dollars liessen sich in den USA der 1950er oder 2000er Jahre ebenso viele Güter und Dienstleistungen kaufen wie in Indien in den 1970er Jahren oder heute. Ein aufschlussreicher Vergleich der weltweit pro Person pro Jahr erzeugten Güter und Dienstleistungen wird so möglich. Und er offenbart höchst anschaulich die sehr positive Wohlstandsentwicklung der Nachkriegszeit bis zum heutigen Tag.

 

2. Wir leiden dabei weniger häufig unter absoluter Armut

Die Menschheit ist in den vergangenen Jahrzehnten im Durchschnitt nicht nur wesentlich reicher geworden, sondern auch viel weniger arm. Das ist nicht dasselbe: Die positive Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf wäre auch möglich gewesen, wenn einige Teile der Weltbevölkerung ärmer und andere reicher geworden wären – was nicht zutrifft. Der unter absoluter Armut leidende Anteil der Weltbevölkerung ist deutlich geschrumpft, insbesondere – und beschleunigt – seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Das bedeutet auch: es gilt nicht, dass die Reichen der Welt immer reicher und die Armen der Welt immer ärmer werden. In den vergangenen Jahrzehnten sind Arm und Reich beide reicher geworden. (Vgl. Grafik II)

Der Anteil der Menschen, die pro Tag mit einem oder zwei kaufkraftbereinigten US-Dollar bei Preisen aus dem Jahre 1985 auskommen mussten, ist von 1820 bis 1980 deutlich gefallen. Die Weltbank definiert die absolute Armutsgrenze bei einem Einkommen von 1.90 US-Dollar beim US-Preisniveau von 2011. Seit 1981 ist die absolute Armutsrate von 44 Prozent auf knapp unter 13 Prozent gefallen. Nach Schätzungen der Weltbank waren es 2015 noch 9,6 Prozent der Weltbevölkerung. Keine Frage: das sind immer noch zu viele, viel zu viele. Aber es sind deutlich weniger als in der Vergangenheit, relativ und absolut.

Während sich relative…